Top oder Flop - dezentrale Lüftungsgeräte im Schulzentrum

Jean Schramke (von links), Joachim Rose, Daniela Mühleis, Larbi Amerouz, Isabella Steffen, Walter Zychlinski und Stefan Royer im Schulzentrum bei der Erklärung der Lüftungsanlagen. Foto: R. Fischer

SPD-Fraktion informiert sich über den Sachstand

Wedemark. Das Ende der Ferien naht und damit auch der Beginn des regulären Unterrichts in voller Klassenstärke, wie von der Landesregierung beschlossen. Der Rat der Gemeinde Wedemark hat noch vor Corona-Zeiten als Ergebnis eines sehr langen Beratungsprozesses beschlossen, das Schulzentrum mit insgesamt 60 dezentralen Lüftungsgeräten auszustatten, um die Raumluftqualität zu verbessern. Von diesen Geräten sind bereits neun Stück eingebaut, weitere zehn Geräte werden aktuell in der unterrichtsfreien Zeit installiert, so dass das Schuljahr mit 19 fertigen Klassenräumen starten kann. Bei der Planung und Beschlussfassung gab es noch keine Corona-Krise und insoweit spielte die Frage von Aerosolen und Viren, Verwirbelungen durch die Luft und ähnliche Problematik keine Rolle. Wie ist es aber jetzt? Sind die Geräte überhaupt einsetzbar? Wie arbeiten sie? Geben sie lediglich verbrauchte Luft nach draußen und holen frische Luft rein oder verwirbeln sie womöglich belastete Luft, mit anderen Worten: Sind sie Top oder Flop? Um auf diese Fragen Antworten zu bekommen, hat die SPD-Fraktion die Gemeindeverwaltung um Aufklärung gebeten. An einem kurzfristig vereinbarten Gesprächstermin nahmen von der Verwaltung Joachim Rose vom Verwaltungsvorstand und Stefan Royer vom Gebäudemanagement teil. Royer ist für den Einbau und für alle Fragen und Probleme der Anlagen zuständig. Die SPD war durch die Ratsmitglieder Daniela Mühleis, Isabella Steffen, Walter Zychlinski, Larbi Amerouz und den SPD-Vorsitzenden von Mellendorf-Gailhof-Hellendorf, Jean Schramke, vertreten. Royer und Rose erklärten vor Ort die Funktionsweisen der Anlage und gaben detailliert über die praktischen Anwendung Auskunft. Die Arbeitsweise der Anlagen besteht darin, dass sie bei einer bestimmten CO2-Konzentration im Klassenraum automatisch frische Luft von außen in den Raum hinein und im Gegenzug verbrauchte Luft nach außen transportiert. Die Luft wird somit ausgetauscht. Mit dem schädlichen CO2 gehen eventuell in der Luft vorhandene, mit Viren belastete Aerosole, ebenfalls nach draußen. Hierbei ist die Luftwechselrate von Bedeutung.
Die Landesregierung hat in ihrem Corona-Hygieneplan für Schulen Vorgaben für die Lüftung der Klassenräume gemacht, die zum Ziel haben, durch Verminderung einer möglichen Virenlast das Übertragungsrisiko von COVID 19 so weit als möglich zu reduzieren. Die dezentralen Lüftungsanlagen unterstützen dieses Ziel. Royer erklärte hierzu, dass anlagebedingt bei sehr kalten Temperaturen die Lüftungsgeräte automatisch Umluft mit Frischluft vermischen, damit durch Frost keinen Schaden an den Geräten entsteht. Diese Eigenschaft der Geräte lässt sich nicht verändern, so dass bei Erreichen bestimmter Außentemperaturen im Winter die Lüftungsanlagen abgeschaltet werden müssen. Die Landesregierung hat in ihrem Hygieneplan für Schulen auch Aussagen über raumlufttechnische Anlagen getroffen. Danach sind sie dann nutzbar, wenn sichergestellt ist, dass die Anlage nicht im Umluftbetrieb betrieben wird.
Als Ergebnis ist festzuhalten: Zur Verbesserung der Luftqualitätswerte in den Klassenräumen sind die Anlagen sehr gut geeignet. Der Einsatz zu Corona-Bedingungen ist allerdings differenziert zu betrachten. Im überwiegenden Teil des Jahres sind die dezentralen Lüftungsanlagen „Top“. Sie unterstützen den notwendigen Luftaustausch und sind in Corona-Zeiten ein weiteres Element zur Reduzierung des Übertragungsrisikos. Insbesondere dort, wo aus baulichen oder anderen Gründen eine ausreichende Stoßlüftung oder Querlüftung nur schwer durchführbar ist, sind die Geräte hilfreich. Solange Corona-Bedingungen herrschen sind die Anlagen in der kalten Jahreszeit nicht optimal geeignet, weil sie wegen der zugeschalteten Umluft abgeschaltet werden müssen.