Totholzbündel fördern Leben im Wasser

Professor Dr. Robert Arlinghaus (von links), Holger Machulla, Thomas Klefoth und Jürgen Meyerhoff zeigen sich sehr zufrieden mit den Baggersee-Projekt-Ergebnissen am Meitzer See. Foto: B. Stache
 
Thomas Klefoth (links) und Holger Machulla verschaffen sich im Februar 2018 einen Eindruck von den Baumaßnahmen zur Schaffung von Flachwasserzonen am Meitzer See. Foto: B. Stache

Angler und Wissenschaftler begeben sich auf Exkursion zum Meitzer See

Meitze (st). „Wir finden es richtig gut, dass auch unser Meitzer See Teil des wissenschaftlichen Projekts geworden ist“, freute sich Holger Machulla, Vorsitzender des Angelsportverein (ASV) Neustadt a. Rbg., mit Blick auf den vereinseigenen See. Gemeinsam mit Vereinsmitgliedern nahm er am Dienstagnachmittag an einer Exkursion der projektbegleitenden Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern an den See teil. Vor einem Jahr hatte ein Bagger im Rahmen des sogenannten Baggersee-Projekts mit seiner großen Schaufel Sand und Erdreich am Meitzer See bewegt und so die Voraussetzungen für neue Flachwasserzonen geschaffen. Anschließend wurden 142 Totholzbündel im Flachwasserzonenbereich und im See versenkt. „Diese Zonen sollen neuen Lebensraum schaffen, um einerseits die Artenvielfalt zu steigern und andererseits auch die fischereiliche Qualität. Wir erhoffen uns positive Effekte auf Fische, Wirbellose wie Krebstiere und Libellenlarven. Auch Vögel und Amphibien sollten davon profitieren“, hatte Biologe Thomas Klefoth vom Anglerverband Niedersachsen e.V. (AVN) im Februar 2018 erklärt. Bei der Aktion handelt es sich um ein gemeinsames Umsetzungs- und Forschungsprojekt des AVN, des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der TU Berlin. Es wird gemeinsam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.
Der projektbegleitenden Arbeitsgruppe gehört unter anderem Projektleiter Professor Dr. Robert Arlinghaus (IGB/Humboldt Universität Berlin) an. Um sich ein Bild vom Erfolg der Renaturierungsmaßnahmen zu machen, fuhren die Wissenschaftler und Angler mit einem Boot der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Neustadt zu den Stellen, an denen die Totholzbündel einst im See versenkt wurden und zu den Flachwasserzonen. Die FF Neustadt hatte damals die Totholzbündel mit Booten ausgebracht. „Wir setzen heute nur das kleine Schlauchboot ein, um die Vegetation zu schonen“, erklärte Thomas Lunitz, der mit zwei Feuerwehrkameraden den Einsatz unterstützte. Die Exkursion diente auch dem Erfahrungsaustausch über die persönlichen Erfahrungen während der Projektumsetzung zwischen Wissenschaftlern, Anglern und der Feuerwehr. „Wir hatten heute Gelegenheit, uns die Umsetzungsmaßnahmen hier am Meitzer See anzuschauen“, erklärten Kerstin Hille vom Bundesamt für Naturschutz und Wiltrud Fischer (Bundesforschungsministerium), nachdem sie mit dem Schlauchboot wieder angelegt hatten. „Es war beeindruckend zu sehen, was die verschiedenen Akteure aus Wissenschaft und Anglerverein für die biologische Vielfalt geleistet haben.“ Kerstin Hille und Wiltrud Fischer waren auch vom ehrenamtlichen Engagement der Feuerwehrkameraden und ASV-Mitglieder besonders angetan und lobten die gute Kooperation mit den projektbegleitenden Wissenschaftlern. Die Projektgruppe hatte sich bereits am Montag getroffen, um Erkenntnisse auszutauschen. „Wir begleiten das Projekt die ganze Zeit (seit 2016, d. Red.) über Probenahme“, erklärte Professor Dr. Robert Arlinghaus. „Wir können heute sagen, dass wir dort schon eine sehr rasche Besiedlung der Flachwasserzonen mit Unterwasserpflanzen haben.“ Sechs Pflanzenarten wurden bereits nachgewiesen, darunter Binsen und Röhricht, einer Pflanze, die für Fische und kleine Wirbellose besonders wichtig ist. Auf eine Besonderheit wies der Wissenschaftler ebenfalls hin: „Wir haben drei neue Pflanzenarten, die vorher noch nicht im Meitzer See vorkamen. Eine davon steht als bedrohte Pflanzenart auf der Roten Liste.“ Das sei für diese kurze Projektphase bereits ein Erfolg, so der Professor. Die neu eingebrachten Totholzbündel würden sehr intensiv von den Fischen genutzt, hieß es. Wie sich alle getroffenen Maßnahmen auf die Entwicklung des Fischbestands auswirken, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Jürgen Meyerhoff, Ökonom an der TU Berlin, ist Mitglied der projektbegleitenden Arbeitsgruppe. „Wir haben zufällig ausgewählte Leute in Niedersachsen befragt, wie sie die Landschaft für Erholung nutzen“, berichtete er. Dabei wurde auch gezielt bei denen nachgefragt, die sich bevorzugt an Seen aufhalten. „Welche Bedeutung Seen als Teil ihrer Erholung haben“, wollten die Wissenschaftler von den 1300 Befragten wissen. Die Menschen gaben dabei als Hauptaktivität das Spazierengehen an Gewässern an, aber auch Baden. Angeln und Bootfahren seien ebenfalls genannt worden, so Jürgen Meyerhoff.