„Über andere Kulturen informieren"

Freuen sich über die Resonanz auf ihre Aktion Band der Solidarität: Lisa Sacht (von links), Bettina Arasin, Inge Koschinski und Marlies Postel. Foto: A. Wiese
 

Brellinger Mitte bekommt viel Resonanz beim Band der Solidarität

Brelingen (awi). „Ich informiere mich über andere Kulturen und erkenne Ähnlichkeiten." „Nicht vorschnell über Menschen urteilen ohne ihre Beweggründe zu kennen." „Behandele jeden Menschen genauso wie zu selbst behandelt und respektiert werden willst." Das sind nur einige ausgewählte Antworten der Besucher der Aktion der Brelinger Mitte am letzten Wochenende auf die Frage: „Wo bin ich solidarisch?" Die Antworten konnten die Besucher schriftlich festhalten und an das 36 Meter lange Textilband heften, das Marlies Postel am Donnerstag mal eben schnell genäht hatte. 47 Zettel waren es am Sonntagabend. Ein Ergebnis, das die Erwartungen der Initiatoren Bettina Arasi, Marlies Postel, Lisa Sacht und Inge Koschinski übertraf. Doch viel wichtiger als die Anzahl der Zettel waren für sie die vielen guten Gespräche, die sie an diesen zwei Tagen geführt haben: mit Menschen, die gezielt zu der in den Zeitungen angekündigten Aktion gekommen waren und mit denen, die eigentlich nur schnell bei Poppe was einkaufen wollten und dann „hängen" geblieben sind.
So geht solidarisch. Ganz bewusst hat der Kulturverein Brelinger Mitte seine Aktion in den Kontext mit denen des Bündnisses Unteilbar am Wochenende gesetzt. Am Sonntag war Aktionstag in Berlin und anderen Städten. Eine Menschenkette bilden – das lässt sich bei den geltenden Abstandsregeln nicht verwirklichen, aber ein Bänder können wir aufhängen, waren sich die Initiatioren der Aktionsgruppe einig. Viele Ansichten haben sie gehört am Wochenende, auch, dass solche Aktionen doch gar nicht nötig seien, weil solidarisch sein selbstverständlich sei. Das hat sie grefreut, und auch, dass die Kirchengemeinde wieder mitgemacht hat, die Pastorin die Aktion mit ihrer Predigt unterstützt hat, der Kirchenvorstand selbst Bänder vor der Kirche aufgehängt hat. „Wir haben verschiedene Menschen erreicht, die sonst zu den stillen Personen gehören, sich aber jetzt geäußert haben", hat Bettina Arasin festgestellt und empfindet die politische Kultur, die sich in der Brelinger Mitte entwickelt als „gesellschaftsbildend". „Der Horizont wird sichtbarer, je präsenter wir in der Öffentlichkeit sind", meint Lisa Sacht. Der Kulturverein sei auch in seiner kulturellen Ausrichtung schon eher kritisch gewesen, jetzt werde man mehr und mehr zum soziokulturellen Zentrum. Natürlich sollte die Aktion auch Solidarität mit den Protesten in Amerika demonstrieren. „Aber unser Rassismus hier hat eine andere Ausprägung und andere geschichtliche Gründe", überlegt Bettina Arasin und mutmaßt: "Wir haben unsere Kolonialgeschichte noch nicht aufgearbeitet." „Ich achte auf meine Sprache", sei dabei ein wichtiger Aspekt in der Diskussion.
Wenn die aktuelle Ausstellung in der Brelinger Mtite beendet ist werden ab 28. Juni Werke von Kunsthandwerkern die Brelinger Mtite bevölkern, für etwa vier Wochen. Diese Aktion soll die von der Corona-Krise gebeutelten Künstler unterstützen. Daher ist sie auch ganz bewusst auf Verkauf ausgerichtet. Das nächste große Event wird dann das Bankfest am 3. Oktober sein. So haben die Akteure der Brelinger Mitte dann im Laufe des Jahres die Ausfälle durche Corona respektabel kompensiert, wenn auch Lücken bleiben. Nicht nur das letzte Winterjazz-Konzert musste ausfallen, auh die die Jam-Sessions und die Koch-Events, die Zusammenarbeit mit den Schulen liegt auf Eis und das Rudi-Rap-Konzert musste abgesagt werden. „Aber demnächst fangen wir wieder mit den Ton-Arbeiten und den Empty Bowls an, kündgt Lisa Sacht an und auch Workshops werde es bald wieder geben.