Umweltschutz ist ein Kinderrecht

Bernd Tschirch, Leiter der Jugendkunstschule Wedemark, und Pastor Volkmar Biesalski am Kunstwerk der Kinderrechte in Wennebostel.

Bissendorfer Vorkonfirmanden wollen die Welt auf Händen tragen

Wennebostel. Seit 1989 gibt es die UNO-Konvention über die Rechte des Kindes, die weltweit von nahezu allen Staaten unterzeichnet worden ist. Die Konvention schreibt zehn Grundrechte von Kindern fest, zu denen unter anderem das Recht auf Gleichbehandlung, auf Gesundheit und Bildung, auf Schutz vor Gewalt, auf elterliche Fürsorge, auf freie Meinungsäußerung, auf Spiel und Freizeit und das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher oder sexueller Ausbeutung gehören. Obwohl die Unterzeichnung der Kinderrechtskonvention lediglich von den USA und Somalia verweigert wurde, gehören dennoch in zahlreichen Ländern schwere Verstöße gegen die Rechte von Kindern zum Alltag.
Seit 1995 gibt es in der Wedemark einen Arbeitskreis Kinderrechte, dem Christiane Freude von Unicef, Frank Felgner von der Hannoverschen Volksbank, Bernd Tschirch von der Kinder- und Jugendkunstschule Wedemark und Torbjörn Johansen von der Gemeindejugendpflege angehören. Neben verschiedenen Einzelaktionen und Aktionstagen, die die Kinderrechte zum Thema hatten, realisierte die Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern von fünf Wedemärker Schulen sowie mit mehreren Künstlern die „Straße der Kinderrechte“ in Mellendorf, die im September 2008 eingeweiht wurde. Sechs Skulpturen entlang der etwa einen Kilometer langen Strecke setzen sich mit dem Thema auseinander – bunt und fantasievoll, treffsicher und überzeugend. Aktuell betreut der Arbeitskreis Kinderrechte in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern ein weiteres Projekt: die „Kinderrechte mal 16“. Für alle 16 Ortsteile der Wedemark sollen Skulpturen geschaffen werden, die an gut sichtbarer Stelle darauf hinweisen, dass das Eintreten für Kinderrechte – in unserer Gesellschaft ebenso wie überall auf der Welt – unverändert erforderlich ist. Volkmar Biesalski, Pastor der Bissendorfer St.-Michaelis-Kirchengemeinde, griff das Thema in diesem Jahr für den Vorkonfirmandenunterricht mit Viertklässlern auf. Während einer dreitägigen Freizeit in Verden wurde ein Aspekt der Kinderrechte thematisiert: Umweltschutz ist ein Kinderrecht! Ausgehend vom Schöpfungsbericht beschäftigten sich die Mädchen und Jungen mit ihrer Umwelt, stellten Fragen nach dem, was die Natur bedroht, und machten sich Gedanken darüber, was ihnen erhaltenswert erscheint. Anschließend malte jedes Kind ein Bild auf Karton: Bilder der Welt, in der wir leben wollen, aber auch Bilder der Welt, die von der Zerstörung durch Menschen bedroht ist. In Gesprächen ent-
wickelten Volkmar Biesalski, Bernd Tschirch, Leiter der Kinder- und Jugendkunstschule Wedemark, und der Brelinger Kunstschmied Peter Asendorf einen Entwurf für die Einbindung der Bilder in eine Skulptur: Schnell stand fest, dass es eine Weltkugel sein sollte, sorgsam von Kindern in die Zukunft getragen. Peter Asendorf übertrug die Zeichnungen der Kinder auf wetterfeste Metallplatten, die er auf eine mächtige Erdkugel montierte, und schnitt aus dicken Stahlplatten Kinderfiguren, die die Erde auf Händen tragen. Der Entstehungsprozess der Skulptur wurde auch weiterhin von der Gruppe der Vorkonfirmanden begleitet, unter anderem mit einem Kindergottesdienst im Frühjahr. „Ich halte es für wichtig, dass Kirchengemeinden in die Bürgergemeinde hinein wirken“, sagt Volkmar Biesalski; in diesem Zusammenhang freut er sich darüber, dass das Projekt „Kinderrechte mal 16“ auch zu einer intensiven Kommunikation mit den Ortsräten geführt hat. „Kunst ist Kommunikation“, sagt Bernd Tschirch – und diese Kommunikation wurde auch bei der Einweihung der Skulptur an ihrem Standort in Wennebostel deutlich: Etwa 50 Erwachsene und 30 Kinder kamen zu diesem Ereignis. Der Standort ist gut gewählt: Wer an der Bahnschranke in Wennebostel warten muss, hat freien Blick auf die große Weltkugel; der Platz um die Skulptur soll noch ansprechend gestaltet werden. Und es gibt noch weiter gehende Überlegungen: Wenn alle 16 Skulpturen realisiert sind, könnte eine Radwanderkarte entstehen, die alle Standorte aufzeichnet. Die Schirmherrschaft über die Kinderrechte mal 16 hat übrigens Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan übernommen; ein Lied zum Thema Kinderrechte haben die Musiker Marius Lürig und Felix Fleischmann geschrieben und produziert.