Und dann erklang die Nationalhymne

Bürgermeister Tjark Bartels (l.) und seine drei ehrenamtlichen Stellvertreter: Der erste stellvertretende Bürgermeister Helge Zychlinski von der SPD (v. r.), die zweite stellvertretende Bürgermeisterin Mona Achterberg von den Grünen und die dritte stellvertretende Bürgermeisterin Editha Lorberg von der CDU. Foto: A. Wiese
 
Für mindestens 25 Jahre ehrenamtliche kommunalpolitische Tätigkeit wurden Jürgen Benk (l.) Fritz Dannemann (vorne von rechts), Ingrid Wordelmann und Hermine Rüfer mit Urkunden des Niedersächsischen Städtetages ausgezeichnet. Urkunden und Blumen erhielten die ausscheidenden Ratsmitglieder Bernd Düerkop, Andrea Giese, Jörg Onnasch, Willi Krökel und Marcus Thies. Foto: A. Wiese
 
Als letzter Tagesordnungspunkt wurde auf Antrag der CDU die Nationalhymne gesungen. Foto: A. Wiese

Rat der Gemeinde Wedemark hat sich konstituiert, geehrt, gewählt und benannt

Wedemark (awi). Die konstituierende Sitzung eines neuen Rates ist immer wieder etwas ganz Besonderes: Zunächst werden alle ausscheidenden Ratsmitglieder verabschiedet, alle neuen Ratsmitglieder werden feierlich per Handschlag verpflichtet, der Ratsvorsitzende wird gewählt, ebenso die ehrenamtlichen Stellvertreter des Bürgermeisters und dann gibt es noch jede Menge Ausschüsse und Gremien mit den neuen Ratsvertretern und anderen von den Parteien benannten Personen zu besetzen. So verlief auch die konstituierende Ratssitzung des neuen Rates der Gemeinde Wedemark am Montagabend, an deren Ende auf Antrag der CDU-Fraktion Ratsmitglieder – allerdings fielen nicht alle mit ein –, Verwaltung und Zuschauer die Nationalhymne anstimmten.
Um Platz für die vielen zu Ehrenden, interessierte Zuschauer und geladene Gäste zum Empfang nach der Ratssitzung zu garantieren, hatte Bürgermeister Tjark Bartels ausnahmsweise nicht in den Bürgersaal des Bürgerhauses in Bissendorf, sondern in das Forum des neuen Schulzentrums eingeladen. Die Stuhlreihen waren gut besetzt, der Platz reichte aus, was in Bissendorf ganz bestimmt nicht der Fall gewesen wäre. Allerdings hatte die Technik AG noch mit den Tücken der Mikrofonanlage zu kämpfen. Nach der Begrüßung eröffnete Rudi Ringe als noch amtierender Ratsvorsitzender zunächst die Einwohnerfragestunde. Die nutzte Bernd Schützendübel, Sprecher der BfW im neuen Ortsrat Bissendorf-Wietze für seine Anfrage an Rat und Verwaltung: „Stimmt es, dass die von der Montessori-Schule genutzte Immobilie der früheren Grundschule in Bissendorf-Wietze abgerissen beziehungsweise verändert werden soll? Und stimmt es, dass die Montessori-Schule auf diesem Grundstück neu gebaut werden soll? Wenn ja, warum und wie wird das finanziert? Es ist bekannt, dass in der Immobilie zwei Familie wohnen. Sind diese über die Pläne informiert?“ Bürgermeister Tjark Bartels betonte zuächst, dass die Montessori-Schule eine private Einrichtung und die Gemeinde nicht Schulträger sei. Allerdings sei die Gemeinde Bauaufsichtsbehörde und Eigentümerin der Immobilie. Es sei richtig, dass es private Zuwendungen gebe, die einen Neubau des Schulgebäudes möglich machten. Die Gemeinde habe grundsätzlich ja zu den Plänen der Montessori-Schule gesagt, dieeinen Abriss beziehungsweise Teilabriss erforderten, bestätigte Bartels. Es gebe jedoch noch keine konkreten Beschlüsse aus den Gremien. Es sei noch offen, wie mit dem Grundstück verfahren werdn soll, ob es der Montessori-Schule überlassen oder verpachtet werde. Die Mieter seien bereits informiert worden, beantwortete der Bürgermeister auch diese Frage Bernd Schützendübels.
Dann erhielt mit Eintritt in die öffentliche Tagesordnung zunächst Georg-Wilhelm Kuske aus Meitze die Ehrennadel für besondere Verdienste.
Kuske hatte an der Ehrennadelverleihung in der letzten Ratssitzung der alten Periode nicht teilnehmen können. Die Gemeinde zeichnet ihn auf Grund seiner Verdienste als Ortschronist in Meitze und seinen Einsatz für die Kriegsgräberfürsorge aus. Es folgte die Ehrung langjähriger Rats- und Ortsratsmitglieder, die mindestens 25 Jahre lang in Gemeinde- und Ortsräten tätig waren, mit Urkunden des Niedersächsischen Städtetages. Diese besondere Auszeichnung erhielten Hermine Rüfer (Grüne), Ingrid Wordelmann und Jürgen Benk (SPD) sowie Fritz Dannemann (CDU). Hellendorfs Ortsbürgermeister Hartmut Pflüger konnte nicht kommen und erhält seine Urkunde in der Ortsratssitzung am nächsten Mittwoch.
Anschließend erfolgte die Ehrung der ausgeschiedenen Ratsmitglieder kurz und schmerzlos mit Namensnennung sowie Überreichung von Urkunde und Blumen ohne weitere persönliche Anmerkungen. Bürgermeister Tjark Bartels entließ auf diese Weise Andrea Giese, Marcus Thies, Bernd Düerkop, Jörg-Friedrich Onnasch, Fritz Dannemann, Willi Krökel, Sascha Böhnnke, Doris Heicke und Annemarie Döpke. Nicht anwesend zur Verabschiedung waren die ausgeschiedenen Ratsmitglieder Wilhelm Schwentker, Dietmar Reyer und Gerd Kaufmann. Es folgte die Verpflichtung der neuen Ratsmitglieder (das ECHO hat die neuen Mitglieder in seiner Ausgabe vom 12. November mit Bild vorgestellt) und Bürgermeister Tjark Bartels wünschte allen eine gute gemeinsame Ratsperiode und gute Zusammenarbeit. Die Lacher auf seiner Seite hatte bei der anschließenden Wahl des Ratsvorsitzenden Fritz Schöning (SPD), der als ältestes dazu bereites Ratsmitglied die Wahl leitete. Er sei nur sehr knapp ältestes Ratsmitglied, betonte nämlich Schöning. So habe er nur einen Vorsprung von 39 Tagen vor seiner Genossin Ingrid Wordelmann. 39 Tage, das entspreche einem 1,5 Tausendstel beziehungsweise Promille. „An anderer Stelle mag das mehr als genug sein, hier ist es nur ein Wimpernschlag oder eine Nasenspitze“, stellte Schöning und schritt dann zur Tat. Wie bereits im Vorfeld bekannt gemacht, schlug SPD-Fraktionschef Jürgen Benk Heiner Peterburs als Ratsvorsitzenden vor, andere Vorschläge erfolgten nicht. Peterburs wurde von allen Ratsmitgliedern einstimmig gewählt. Peterburgs bedankte sich für das Vertrauen und sprach seinem Vorgänger Rudi Ringe den Dank für seine „souveräne Leistung“ in den zurückliegenden acht Jahren aus. „Für uns ist es Pflicht, diese fünf Jahre konstruktiv durchzustehen, für Bürger und Vereine das Optimale zu tun, in akzeptierender, wertschätzender Form, die den anderen respektiert. Hier geht es nicht um persönliche Animositäten. Ich möchte eine sachliche und inhaltliche Auseinandersetzung, aber durchaus auch mal den politischen Streit“, mit diesen Worten eröffnete Peterburs seine Amtsperiode als Ratsvorsitzender. Bürgermeister Tjark Bartels bedankten sich mit einem Blumenstrauß bei Peterburs‘ Amtsvorgänger Rudi Ringe für die gute Zusammenarbeit. Ringe wurde anschließend einstimmig vom gesamten Rat zum stellvertretenden Ratsvorsitzenden gewählt. Nach der formalen Abstimmung über die Geschäftsordnung des Rates wurden die Fraktonen und Gruppen offiziell festgestellt: SPD, CDU und Grüne bilden jeweils eine Fraktion, FDP, WGW und die LINKE sind jeweils mit nur einem Mitglied im Rat vertreten. Jürgen Benk rief die Mitglieder seiner Fraktion namentlich auf und ließ sie kurz aufstehen, Sven Sobanski verfuhr anschließend ebenso mit den Ratsmitgliedern der CDU. Damit entfiel der eigenständige Tagesordnungspunkt Vorstellung der Ratsmitglieder, an dem eigentlich eine Kurzvorstellung der einzelnen Ratsmitglieder vorgesehen war. Unter Tagesordnungspunkt 9 beschloss der Rat bei einer Enthaltung des WGW-Ratsherrn Patrich Cordes eine Änderung der Entschädigungssatzung für Ratsmitglieder und daran angepasst für alle anderen ehrenamtlichen Positionen in der Kommunalpolitik. SPD-Fraktionschef Jürgen Benk begründete die Erhöhung der monatlichen Aufwandsentschädigung von bisher 72 auf 100 Euro damit, dass es seit über zehn Jahren keine Erhöhung gegeben habe und die Wedemark sich im Vergleich mit anderen Regionskommunen am unteren Ende befinde. Durch die Erhöhung würde gerade mal eben die Inflation der vergangenen zehn Jahre ausgeglichen. Zwischendurch sei die Entschädigung sogar einmal gesenkt worden. Bei der Wahl der ehrenamtlichen Vertreter des Bürgermeisters wurde zunächst festgestellt, dass es künftig drei Vertreter geben soll und diese sich hierarchisch vertreten. Zum ersten stellvertretenden Bürgermeister wurde bei einer Enthaltung durch Clemens Strube von den Linken Helge Zychlinski von der SPD gewählt. Zweite stellvertretende Bürgermeisterin wurde in einstimmiger Wahl Mona Achterberg von den Grünen. Zur dritten stellvertretenden Bürgermeisterin wählte der Rat bei Enthaltung des WGW-Ratsherrn Patrick Cordes Editha Lorberg von der CDU. Clemens Strube von den Linken hob bei diesem Wahlgang seine Hand überhaupt nicht. Es folgte die langwierige Verteilung der Ausschussitze (das ECHO berichtet in seiner Samstagausgabe) und anderer Positionen, dann erklang mit einigen Anlaufschwierigkeiten die von der CDU beantragte Nationalhymne, bevor die Sitzung offiziell beendet und der kleine Umtrunk im Forum eröffnet wurde. Dass sie mit Verlauf, Stimmung und Stil dieser konstituierenden Ratssitzung nicht zufrieden war, machte direkt im Anschluss die als dritte stellvertretende Bürgermeisterin gewählte Gemeindeverbandsvorsitzende der CDU, Editha Lorberg mit einem Statement vor den Pressevertretern deutlich: „Das war einfach unmöglich, das war die liebloseste und stilloseste Ratssitzung, die ich je erlebt habe“ und spielte damit unter anderem auf die sehr unpersönlich und förmlich gestaltete Ehrung und Verabschiedung der ausgeschiedenen Ratsmitglieder an.