Uwe Kinzel geht in den Ruhestand

Hier hat er sich immer am wohlsten gefühlt: Uwe Kinzel zwischen der Reiseliteratur in der Gemeindebücherei in Bissendorf, wo der Büchereimitarbeiter einen Großteil der letzten 25 Jahre verbracht hat. Foto: A. Wiese
 
Uwe Kinzel in Santiago de Chile mit einer Carabinera am Rande (oder vor) einer Demonstration für Frauenrechte. Die Carabineros sind in Chile als ziemlich gewaltätig berüchtigt, die Demonstranten teilweise aber auch.

Büchereimitarbeiter ist den Wedemärkern vor allem auch als Reiseberichterstatter ein Begriff

Bissendorf (awi). Jetzt hätte er Zeit für seine geliebten Reisen, jetzt bremst ihn Corona aus: Uwe Kinzel, seit 1995 eine feste Größe in der Gemeindebibliothek und meistens in Bissendorf anzutreffen, geht zum 1. September in den wohlverdienten Ruhestand. Doch nicht nur für Lesefreunde jeden Alters ist er ein Begriff, Uwe Kinzel hat sich in der Wedemark in den letzten 25 Jahren vor allem als Reiseberichterstatter einen Namen gemacht.
Wenn er zunächst bei den Diatagen, in den letzten Jahren in digitaler Form bunt bebildert von seinen aufregenden Touren in fremde Länder erzählte, abseits des Massentourismus, setzte bei vielen seiner Zuhörer das Fernweh ein. Dass diese Abenteuertouren auch ungeheuer anstrengend und so manches Mal nicht ganz ungefährlich waren, weil Kinzel und sein Reisekamerad dabei nicht nur an ihre körperlichen, sondern auch an politische Grenzen kamen, konnte dabei schon mal in Vergessenheit geraten.
63 Jahre und acht Monate alt ist der Gemeindebedienstete, wenn er jetzt in den Ruhestand geht, „Altersrente für besonders langjährige Versicherte nennt sich das“, schmunzelt er. Angefangen hat sein Berufsleben am 1. August 1974 mit der Buchhändlerlehre in der Buchhandlung Weidemann in Hannover. Es folgte ein Jahr Wehrdienst, ein halbes Jahr in Theodor-Schulzes Buchhandlung in der Bahnhofstraße und dann die Rückkehr zur Bundeswehr. Von 1979 bis 1995 war Kinzel in der Bücherei der Offiziersschule des Heeres als Zivilangestellter beschäftigt. Dann kam für die Schule die Verlegeentscheidung nach Dresden – und weg aus Hannover, das wollte Kinzel nicht. Ein Kollege aus Hellendorf machte ihn auf die Anzeige der Gemeinde Wedemark aufmerksam, die einen Bibliotheksassistenten suchte. Die Bewerbung war erfolgreich und so fing Kinzel seinen Dienst an, damals noch im Obergeschoss des alten Schulzentrums in Mellendorf. Ihm fiel zunächst die Aufgabe zu, den Altbestand zu digitalisieren. Das habe mehr als sechs Jahre gedauert, erinnert sich Kinzel. Leicht sei ihm die Umstellung von der Offiziersschule in die Gemeindebücherei nicht gefallen, gibt er zu. Die Bundeswehrzeit habe ihn geprägt. In der Wedemark habe ihm vor allem der Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen Spaß gemacht. Vor allem aber konzentrierte sich Kinzel ganz auf sein Hobby, das Reisen in fremde Länder. Diese und Weltpolitik hätten ihn schon immer interessiert, erzählt er. Mit einer Reise nach Jordanien und Ägypten 1979 fing es an. Das sei noch eine ganz normale Rundreise gewesen. Hier leckte der Hannoveraner Blut und unternahm immer anspruchsvollere Reisen. 33 Länder, überschlägt er schnell, habe er inzwischen besucht, auf den Kontinenten Europa, Südamerika, Afrika und Asien. Nur Nordamerika und Australien habe ihn nie gereizt. Auch um Südafrika und Neuseeland habe er bisher bewusst einen Bogen gemacht, gerade die Länder, die für normale deutsche Touristen Traumurlaubsziele sind. Doch Kinzel reist nicht als Tourist. Mit seinem Reisekameraden Dieter aus Hamburg will er mit einheimischen Führern die Natur entdecken und erfahren, wie die Menschen in den Ländern leben. Und was hat er sich jetzt noch vorgenommen? Solange Corona noch so aktuell ist, will er sich jetzt erst einmal in seiner Heimat Deutschland umsehen, aber ein Traumziele wäre noch mal Alaska und die Katmai-Region rund um den gleichnamigen Vulkan, gibt er zu. Vielleicht berichtet er den Wedemärkern dann wieder davon.