Vielfalt von „Kultur im Dorf“ überwältigte

Diese jungen Mädchen präsentierten die Ergebnisse des Workshops cup couture auf der Marktstraße. Foto: A. Wiese
 
Fasziniert lauschten die Besucher den Geschichten, die die Besitzerinnen über ihre Nadelkissen erzählten, die auf Fotos zu sehen waren.

Hunderte spazierten Pfingsten durch Brelingen und genossen Kultur pur

Brelingen (awi). Kunst, Kultur, Kulinarisches – es gab soviel zu entdecken bei Kultur im Dorf in Brelingen, dass Prioritäten setzten musste, wer nicht von der Vielfalt des Angebots regelrecht erschlagen werden wollte. Doch das gelang den mehreren hundert Menschen, die sich voller Enthusiasmus auf den Pfingstspaziergang durch das Dorf machten, hervorragend: „Eine unglaublich vielfältige Veranstaltung“, „ein toller Abend“, „Wahnsinnserlebnis“ – das waren nur einige wenige der Kommentare, die faszinierte Besucher von sich gaben.
Doch nicht nur die Besucher waren begeistert, sondern auch die Veranstalter. Monatelange intensive und schweißtreibende Vorarbeit mündete in einem zweitägigen Veranstaltungsmarathon, der nicht nur wedemarkweit seinesgleichen sucht. Fotos von Nadelkissen auszustellen und dazu in Endlosschleifen ihre Besitzerinnen quasi „aus dem Nähkästchen“ plaudern zu lassen, den Werdegang der Brelinger Bratwurst vom Schwein zu Wurst fotografisch zu dokumentieren, Kleidungsstücke auseinanderzuschneiden und wieder neu zusammenzunähen – auf so eine Idee muss man erst mal kommen, geschweige denn sie umsetzen. Die Brelinger haben es getan. Und sind dabei – wieder einmal – auf eine Weise zusammengewachsen, die für die ehrenamtlichen „Macher“ der eigentliche Lohn für ihre Mühen ist. „Da sind völlig neue Konstellationen entstanden“, schwärmt Bettina Arasin, eine von vielen, vielen Ehrenamtlichen, die seit Monaten in „Kultur im Dorf“ aufgehen. Diese Kooperation an den verschiedens-ten Stellen von der Küche bis zum Konzertevent, das war für die Mitwirkenden so spannend, dass es von der eigentlichen Veranstaltung selbst eigentlich gar nicht mehr zu toppen war. Die Vielfalt der Veranstaltungen an dieser Stelle noch einmal aufzuzählen und zu kommentieren ist überhaupt nicht möglich. Wichtig ist: Die drei kostenpflichtigen Abendveranstaltungen – das Kabarett mit ONKeL fiSCH am Sonnabend, das Konzert mit Jesper Munk und seiner Band am Sonntag und auch die lyrisch-skurrile Veranstaltung „Geh dicht“ mit Dietrich von Mirbach in der alten Kornbrennerei – waren restlos ausverkauft. Für Jesper Munk im Sägewerk wurden sogar noch kurzfristig Karten nachgedruckt. Der 21-jährige Deutsch-Däne, der in diesem Jahr mit Bosse auf Tour war, war total fasziniert von den Brelingern. So etwas habe er noch nicht erlebt, sagte die Neuentdeckung der Blues- und Rock-szene, der sonst in der Regel nur vor Gleichaltrigen und eher noch jüngeren Leuten spielt und sich hier unvermittelt einem total durchwachsenen Publikum gegenübersah, das in einer Weise mitging, die Jesper Munk nur als „grandios“ bezeichnen konnte. Herausragend war unter anderem auch der Tanzworkshop mit Celtic Contrast am Sonntag auf dem Hemme-Hof. Zwar mussten die energiegeladenen Musiker es mit ihren Schülern langsam angehen lassen, weil der Tanzboden mittags in der Hitze geradezu brannte, doch bekam der Workshop eine Eigendynamik, die alle, die auch nur daran vorbeikamen, mitriss. Die musikalischen Events hatten ohnehin ihren eigenen Stellenwert: auch das Konzert von Wolfgang Stute auf dem Königsplatz am Sonntagnachmittag wurde vom Publikum mit geballter Begeisterung aufgenommen. Da waren die Übergänge vom Träumen zum Genießen der bunten Mischung aus Latin-, Flamenco- und Klassikelementen auf der Akustikgitarre fließend. Den musikalischen Auftakt hatten die örtlichen Chöre ebenfalls auf dem Hemme-Hof in einem bunten Mix gestaltet. Zu den Besonderheiten von „Kultur im Dorf“ gehörte unbestritten die Fotoausstellung „Fleischkultur“ in den Produktionsräumen der Fleischerei Grimsehl mit Bildern von Oliver Hoffmann, der auch während der Ausstellung wiederum die nun an Fleischerhaken aufge-
hängten Fotografien, die Besucher und ihre Reaktionen mit seiner Kamera einfing. Die künstlerische Qualität der mit dem Stilmittel Farbreduzierung arbeitetenden Fotografien überzeugte schließlich auch all diejenigen, die vielleicht ein Problem mit der Thematik der Bilder hatten: ehrliche und direkte Einblicke in den Herstellungsprozess von Fleisch- und Wurstwaren, zu dem unweigerlich auch die Schlachtung und Zerlegung der Tiere gehört. Doch die Resonanz und die Bilanz, die die Betrachter zogen, waren für Lars Grimsehl und Oliver Hoffmann am Ende der zwei Tage Bestätigung. Sehr viel positives Fazit bekamen auch Claudia Cordes und Sabine Glandorf sowie die Schüler des Mittagsatelier in der Ganztagsschule in Mellendorf für ihre Ausstellung „Wohnraumwunder“. Und schließlich noch die Auflösung des „Kleiderrätsels“: 42 Kleidungsstücke sind dafür insgesamt zerschnitten worden.