Volkstrauertag in der Wedemark

Friedhelm Beimdiek (rechts) und Edgar Meybauer legen zum Volkstrauertag am Ehrenmal in Gailhof einen Kranz nieder. Foto: B. Stache
 
In Abbensen hält Ortsbürgermeister Peter Reuter (links) hinter der Kapelle die Ansprache zum Volkstrauertag, der Posaunenchor Helstorf begleitet musikalisch. Foto: B. Stache

Ansprachen und Kranzniederlegungen erinnern und mahnen zugleich

Wedemark (st). Am Sonntag wurde auch in der Wedemark zum Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Verfolgung gedacht. In vielen Ortsteilen legten Menschen Kränze und Gebinde an den Ehrenmalen nieder – mit unterschiedlicher Beteiligung. So hatten in Abbensen nur wenige Bürger den Weg zur Kranzniederlegung hinter der Kapelle gefunden. Es gab keine Abordnungen von Freiwilliger Feuerwehr oder vom Schützenverein. Der Posaunenchor Helstorf eröffnete die Gedenkfeier mit „Ich hatt` einen Kameraden“. Ortsbürgermeister Peter Reuter sprach Worte des Gedenkens der vielen Frauen, Männer und Kinder, die in Deutschland und anderen Ländern Opfer von Krieg und Gewalt wurden. In das Gedenken schloss er die gefallenen Soldaten und Menschen, die in Gefangenschaft oder auf der Flucht umkamen, mit ein. Mit Hinweis auf die aktuellen Konflikte in Afghanistan, Afrika oder Syrien mahnte Peter Reuter: „Wir wollen Frieden.“ Es folgte die Nationalhymne. Der Kranzniederlegung am Ehrenmal schloss sich ein Gottesdienst in der Kapelle an. In Bissendorf leitete Pastor Thorsten Buck den Gottesdienst am Volkstrauertag in der voll besetzten St.-Michaelis-Kirche. Er wurde dabei von den Konfirmanden unterstützt, denen Ortsbürgermeisterin Susanne Brakelmann in ihrer späteren Ansprache zum Volkstrauertag Anerkennung aussprach: „Ich bedanke mich bei den Konfirmanden, die den heutigen Gottesdienst so interessant gestaltet haben und sich die Zeit genommen haben, sich in Freizeit mit diesem ernsten Thema auseinanderzusetzen. Für uns alle ist es wichtig, die Gedanken der Jugendlichen zu erfahren und nachzuvollziehen. Heute war dazu eine gute Gelegenheit.“ Susanne Brakelmann erinnerte in ihrer Gedenkrede an den Fall der Mauer am 9. November 1989, die Wiedervereinigung Deutschlands sowie den Zerfall der Sowjetunion. „Wir wähnten alle den Kalten Krieg der vorherigen Jahre beendet. Wir hatten die Hoffnung auf eine friedlichere Welt, in der ein Land das andere toleriert, wir glaubten optimistisch an eine Welt ohne Atomwaffen und ohne Wettrüsten, zumindest für Europa. Leider müssen wir nun erfahren, dass das so nicht eintritt“, erklärte die Ortsbürgermeisterin und nannte als Beleg für ihre Aussagen unter anderem die Annexion der Krim durch Russland, die aktuelle Situation in Syrien und im Jemen sowie „Raketen aus dem Gazastreifen nach Israel und umgekehrt“. Es gebe aber auch erfreuliche Entwicklungen auf der Erde: „So erhielt der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed Ali den diesjährigen Friedensnobelpreis, denn ihm ist es gelungen einen dauerhaften Frieden mit dem Nachbarland Eritrea herzustellen.“ Susanne Brakelmann ging in ihrer Rede auch auf die Rolle der Bundesrepublik Deutschland in Europa und die Bundeswehr als Teil der NATO ein. An der folgenden Kranzniederlegung an der Michaeliskirche beteiligten sich Freiwillige Feuerwehr, Schützenverein und Ortsrat. In Gailhof sprachen der 1. Vorsitzende des Bürgervereins Friedhelm Beimdiek, Pastor Thomas Buck und Ortsbürgermeisterin Jessica Borgas zum Volkstrauertag-Gedenken am Ehrenmal neben dem Dorfgemeinschaftshaus. „Wir treffen uns hier, um im Gedenken an die Opfer von Krieg, von Gewaltherrschaft, von Verfolgung einen Kranz niederzulegen“, begann Friedhelm Beimdiek. „Wir sind dankbar dafür, dass wir hier bei uns in Deutschland seit 70 Jahren Frieden haben. Wir haben Freiheit, wir können unsere Meinung sagen, wir leben in Wohlstand und wünschen uns, dass das lange so bleibt.“ Er schloss in seine Gedanken auch die Menschen ein, die derzeit Flucht und Vertreibung erleiden. Pastor Buck verlas die Rede, die traditionell von den Bundespräsidenten am Volkstrauertag gehalten wird – in der Fassung von Joachim Gauck. Jessica Borgas stellte die Gedenkstätten der für ihr Land gefallenen Soldaten der Bundeswehr in den Mittelpunkt ihrer Rede. Anschließend legten Friedhelm Beimdiek und Edgar Meybauer einen Kranz am Gailhofer Ehrenmal nieder. In Wiechendorf sprach Ortsbürgermeister Jürgen Engelhardt über den Sinn des Volkstrauertags, das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sowie den Erhalt des Friedens. „Wir müssen weiterhin Tag für Tag an diesem Frieden arbeiten und alles dafür tun, dass Hass und Fremdenfeindlichkeit, dass Krieg und Terror bei uns keine Chance haben.“ Für den Ortsrat Scherenbostel legte der Ortsbürgermeister einen Kranz am Ehrenmal in Wiechendorf nieder. Pastorin Wibke Lonkwitz bediente sich der Bundespräsidenten-Rede. Anschließend berichtete sie von der Arbeit mit Konfirmanden in Resse, die sich mit dem Thema Krieg und Frieden auseinandergesetzt hatten. Dabei sei es auch um zwischenmenschliche Konflikte wie Mobbing, Hetze, Ausgrenzung und Zerstörung unserer Lebensgrundlagen gegangen. „Wir sind bereit, uns für den Frieden einzusetzen“, hatten die Jugendlichen formuliert. Für den Ortsverein der SPD-Wedemark legten Wolfgang Bertling und Timo Cramm ein Gesteck nieder. Der Vorsitzende vom Schützenverein Scherenbosteler Jürgen Kowahl erinnerte daran, dass Europa kein „Kontinent des Krieges“ mehr sei. Dennoch gebe es immer wieder Gewaltausbrüche, die die Einschränkung unserer Freiheiten zur Folge hätten. „Wissen fördert Verstehen, Verstehen fördert Verständnis, Verständnis ist die Basis eines ehrlichen Austausches – das sind die Schritte auf dem langen, nie endenden Weg zu Versöhnung, Verständigung und Frieden“, brachte er seine Überzeugung zum Ausdruck. Trompeter Harald Thies beendete die feierliche Kranzniederlegung mit „Ich hatt` einen Kameraden“.