Vom Ohr direkt ins Herz

Sängerin Thea Soti, Schlagzeuger Jonas Pirzer, Johannes Keller am Kontrabass und Daniel S. Scholz mit seiner türkischen Oud entführen das Publikum beim WinterJazz in der Brelinger Mitte in orientalische und südamerikanische Klangwelten. Foto: B. Stache
 
Dietrich von Mirbach begrüßt zum dritten WinterJazz-Konzert in der Brelinger Mitte. Foto: B. Stache

Thea Soti bringt mit ihrem NaNaya-Quartett den Balkan in die Brelinger Mitte

Brelingen (st). Als Sängerin Thea Soti am Sonnabend im Clubraum der Brelinger Mitte ihre Stimme erstmals erklingen lässt, ist zu erahnen, dass dies ein ganz besonderer Abend beim dritten WinterJazz-Konzert werden wird. Gemeinsam mit den drei Musikern Daniel S. Scholz, Johannes Keller (Kontrabass) und Schlagzeuger Jonas Pirzer lässt das Quartett NaNaya osteuropäische Klangwelten und deren bildreiche Geschichten mit jazzigen Elementen und orientalischen Einflüssen verschmelzen. Die aus der ungarischen Minderheit in Nord-Serbien stammende Sängerin Thea Soti singt in Ungarisch, Spanisch und Fantasiesprachen. Daniel S. Scholz sorgt mit seiner türkischen Oud, einer Knickhalslaute, für den besonderen orientalischen Sound. Die Band NaNaya beschreitet musikalisch einen Weg zwischen den Kulturen, auf dem sich Traditionelles aus Ungarn mit Melodien des Nahen Ostens treffen. Tief verwurzelt in den Melodien der Karpaten und den pulsierenden Rhythmen des Balkans zeigt die Musik von NaNaya was es bedeutet, im heutigen Schmelztiegel Europa zu leben. Das Quartett führte die Zuhörer am Abend in der Brelinger Mitte musikalisch von den Karpaten in den Mittelmeerraum und bis nach Südamerika. NaNaya ist eine Sehnsucht nach der Wurzel von Melodie und Rhythmus – Geschichten werden erzählt, geklatscht, getanzt. Beim ersten Stück besingt Thea Soti mit ihrer markanten Stimme die Geschichte vom blühenden Kirschbaum im Garten. „Yavaş, yavaş“ lautete der Titel des zweiten Songs. Dieses türkische Lied mit dem beliebten Ausspruch „Immer mit der Ruhe“ wurde von Daniel S. Scholz komponiert, der dem Stück mit seiner Oud orientalische Lebensart einhauchte. Ganz afrikanisch wurde es, als Thea Soti mit der Kalimba durch die dicht gedrängten Zuschauerreihen der Brelinger Mitte zog und dazu „Tanzen im Nebel“ anstimmte. Bei der Kalimba handelt es sich um ein kleines Brett, auf dem mehrere Lamellen angebracht sind, die mit den Fingern angezupft werden. Eine klassische, südamerikanische Liebesgeschichte brachte Thea Soti im Duett mit Bassist Johannes Keller ausdrucksstark zu Gehör. Die WinterJazz-Konzerte sind eine Initiative des Orgelbauvereins St. Martini Brelingen und des Kulturvereins Brelinger Mitte, dessen Vorsitzende Bettina Arasin unter den Gästen war. Nach der Pause präsentierte NaNaya ein besonderes Stück – es stammt aus den gesammelten Werken des ungarischen Komponisten und Pianisten Béla Bartók und trägt den Titel: „Ein Gebet für ein Stück Brot“. Sehr gefühlvoll trug Thea Soti wenig später die Ballade „Stummes Schaukeln“ vor, die sie selbst komponiert hat. NaNaya brachte feinsten Jazz nach Brelingen auf die Bühne, die an diesem Abend nicht nur musikalisch einen besonderen Farbtupfer präsentierte, auch Lichteffekte sorgten für starke Stimmungsbilder. Das begeisterte Publikum wurde mit zwei Zugaben belohnt: zunächst mit einem Volkslied aus Südungarn, das von einem Schäfer auf seinem Weg nach Hause erzählt. Dieser Jazzbeitrag war eine eindrucksvolle Demonstration vom Zusammenspiel von Thea Sotis Stimme und den sie begleitenden Musikinstrumenten. Bei der zweiten Zugabe „Meine süße Geliebte“ lud die Sängerin ihre Gäste zum Mittanzen ein. NaNaya spielt seit zirka sechs Jahren zusammen und hat Auftritte deutschlandweit in Clubs, auf Kleinkunstbühnen und Festivals sowie in Ungarn. „NaNaya ist die verbale Urformel der vokalen Improvisation im Balkanraum. Mit NaNaya spart man sich den Umweg vom Ohr über den Kopf, es geht vielmehr gleich ins Herz“, hatte Dietrich von Mirbach, Mitglied des Orgelbauvereins, in seiner Begrüßung angekündigt – und nicht zu viel versprochen!