„Von gegenseitigem Respekt geprägt"

Bürgermeister Helge Zychlinski

Neujahrsgrußwort von Bürgermeister Helge Zychlinski

Liebe Wedemärkerinnen und Wedemärker, hinter uns liegt ein aufreibendes Jahr.
Bei allen Unannehmlichkeiten, Gefahren, wirtschaftlichen Katastrophen und Leiden, die das vergangene Jahr durch die Pandemie mit sich gebracht hat, blicke ich aber doch auch mit einem guten Maß an Dankbarkeit zurück und mit Zuversicht nach vorne.
In dieser Krise hat sich nämlich wieder einmal gezeigt, wie gut es ist, in dieser Zeit in Deutschland und noch dazu in der Wedemark leben zu dürfen. Ich betrachte dies als ein Privileg. Bundeskanzler Helmut Schmidt hat einmal gesagt: „In der Krise beweist sich der Charakter.“ Auch mit diesem Kommentar hat er Recht behalten. Denn unser Land hat in den zurückliegenden Monaten bewiesen, dass es Alles in Allem einen guten Charakter besitzt. Es hat sich deutlich gezeigt, dass wir einen starken und solidarischen Rechtsstaat haben, der auch in Zeiten großer Herausforderungen hervorragend funktioniert.
Wir wurden allenthalben gut regiert. Für die Probleme der Corona-Pandemie wurden, wie ich finde, zumeist angemessene Regelungen gefunden. Die Gerichte auf allen Ebenen haben diese Regelungen stets überprüft und auf die Einhaltung geltender Gesetze geachtet. Dort wo Regierungen doch einmal über das nötige Maß hinaus in die Bürgerrechte eingegriffen haben, stoppten die Richterinnen und Richter solche Verordnungen und schrieben den Ministerien Nachbesserungen ins Pflichtenheft. Auf der anderen Seite wurden Corona-Einschränkungen für uns alle aber auch bestätigt, wenn sie sich vor Gericht als gesetzeskonform erwiesen haben. Diese funktionierende Gewaltenteilung, die Unabhängigkeit der Richterinnen und Richter, ist ein unvorstellbar hohes Gut und ich bin froh, dass sie bei uns in Deutschland so exzellent funktioniert. Und das gerade im aktuellen Hinblick auf Regierungen, sogar auch in Europa, die immer wieder versuchen, den eigenen Rechtsstaat durch Einflussnahme auf die Gerichte zu schwächen. Unser System funktioniert, und dafür bin ich froh und dankbar.
Natürlich waren wir von Zeit zu Zeit genervt, wenn in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen erlassen wurden. Aber unser Föderalismus hat sich schlussendlich von seiner guten Seite gezeigt. Auch wenn oftmals die unterschiedlichen Regelungslagen in den Bundesländern als chaotisches, uneinheitliches System verballhornt wurden, hat sich doch gezeigt, dass es richtig ist, in unterschiedlichen Ausgangslagen auch differenzierte Corona-Regeln zu verordnen. Natürlich ist das Bessere der Feind des Guten und im Nachhinein hätten manche Entscheidungen anders, härter oder schneller getroffen werden können. Wichtig dabei ist aber immer der, gerne auch heftige, Diskussionsprozess, der schlussendlich in der Regel angemessene Entscheidungen herbeigeführt hat. Das schließt im Übrigen auch das Ertragen von Corona-Leugnern und Impfgegnern mit ein, selbst wenn ich deren Standpunkte nicht einnehmen kann. Wir leben in einer guten Demokratie, in der selbst krude Sichtweisen und Meinungen geäußert werden dürfen.
Schließlich bin ich dankbar für unser gutes Gesundheitssystem, dessen Stärke sich auch in dieser Krise wieder einmal gezeigt hat. Uns blieben die schrecklichen Situationen erspart, die uns in den Nachrichten täglich aus Spanien, Norditalien, den USA oder anderen Ländern der Welt geschildert wurden. Wir erinnern uns noch an die Bilder von Leichensäcken, in denen nachts hunderte Verstorbener auf Militärlastwagen zu anonymen Massenbestattungen abtransportiert wurden. Dies waren Bilder, die uns in Deutschland erspart blieben. Bis jetzt funktioniert unser komplexes Gesundheitssystem, über das wir vor Corona oftmals nicht ganz berechtigt die Nase gerümpft haben. Und natürlich genügt es auch in diesen Zeiten nicht, dem Klinikpersonal oder dem Pflegepersonal in Heimen Applaus zu spenden. Auch im Gesundheitsbereich muss gerade in Personalfragen und bei deren Bezahlung noch deutlich nachgebessert werden – hoffentlich verlieren wir diese gemeinsame Erkenntnis in besseren Zeiten nicht aus den Augen und aus dem Sinn.
Wir verfügen, Gott sei Dank, über ein großartiges Gesundheitssystem, das uns auffängt und hilft, wenn wir krank sind. Jetzt ist es an uns allen, dem System zu helfen, indem sich jeder und jede einzelne von uns so verhält, dass unsere Gesundheitseinrichtungen ihre Arbeit weiter in hoher Qualität verrichten können. Und an diesem wird es nun in diesen Tagen brandgefährlich – auch in der Region Hannover sind die Zahlen der Menschen, die aufgrund schwerer Krankheitsverläufe ins Krankenhaus müssen, regelrecht nach oben geschnellt. Dieser Trend muss gestoppt werden und dafür müssen wir uns alle weiterhin in unseren üblichen Gewohnheiten einschränken.
Ich habe mich dazu in den vergangenen Monaten immer wieder an Sie gewendet, liebe Wedemärkerinnen und Wedemärker. Die Solidarität in unserer Gemeinde ist überwältigend und manchmal komme ich mir vor, als würde ich mit meinen Appellen Eulen nach Athen tragen. Dennoch dürfen wir nicht müde werden, wir müssen unbedingt die Regeln weiter beachten – erst recht, wenn diese, wie zurzeit, immer strenger werden. Ich hoffe, dass wir diese Zeit des Verzichtes bald hinter uns haben werden. Die Aussicht auf einen funktionierenden Impfstoff stimmt mich zuversichtlich. Eine hohe Impfrate sollte im kommenden Jahr unser gemeinsames Ziel sein, damit die Pandemie gestoppt werden kann und sich unser Leben wieder normalisiert. Ich werde mich jedenfalls impfen lassen, sobald meine Personengruppe an der Reihe ist und bitte Sie alle, dies ebenfalls zu tun. Bis dahin heißt es: Nicht unterkriegen lassen und nicht notwendige Kontakte meiden – auch wenn uns gerade an den Feier- und Freudentagen besonders schwerfällt.
Auch ich könnte klagen, dass mein Bruder und mein Schwager zu diesem Weihnachtsfest nicht aus Berlin in die Wedemark kommen konnten. Die Gesundheit und der Schutz unserer Eltern ging auch unserer Familie über das dringende Bedürfnis, sich wiederzusehen, in die Arme zu nehmen und ein besinnliches Weihnachtsfest miteinander verbringen zu können. Dank der modernen Videotechnik konnten wir doch, wenn auch nur virtuell, im weihnachtlichen Wohnzimmer zusammen sein. Das ist zwar nur ein kleiner Trost, aber die Gesundheit der Liebsten ist unendlich viel wertvoller. Nur wenn wir gesund bleiben, können wir unsere Verwandten, Freunde, Nachbarn und schließlich uns selbst schützen. Mit dem Bewahren der eigenen Gesundheit üben wir Solidarität für unser Umfeld.
Ich bin also auch dankbar für unsere verständnisvolle und solidarische Gemeinschaft, die von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Behüten wir uns auch im kommenden Jahr diese Werte! Ich bitte Sie daher weiterhin um Optimismus, Rücksichtnahme und Durchhaltevermögen. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, kann 2021 das werden, was ich uns allen wünsche:
Ein gutes neues Jahr! Ihr
Helge Zychlinski