Von Kooperation immer profitiert

Wedemarks Bürgermeister Helge Zychlinksi hat letzte Woche Isernhagens Bürgermeister Arpad Bogya verabschiedet und sich für die gute Zusammenarbeit der beiden Gemeinden bedankt. Foto: A. Wiese

Helge Zychlinski trifft sich zum letzten Mal mit seinem Isernhagener Kollegen

Wedemark (awi). Weder der Altersunterschied noch die unterschiedliche Parteizugehörigkeit haben sich negativ auf ihre Zusammenarbeit ausgewirkt: Wedemarks alter und neuer Bürgermeister Helge Zychlinski (SPD) und sein bisherige Amtskollege aus Isernhagen, Arpad Bogya (CDU) haben in den letzten Jahren oftmals an einem Strang gezogen, gemeinsame Projekte angeschoben und davon beide deutlich profitiert. Jetzt haben sich beide ein letztes Mal im Bissendorfer Bürgerhaus getroffen, wo Zychlinski seinem Amtskollegen mit einer Flasche Wein – „natürlich Roter, was anderes gibt es von mir nicht“ – alles Gute für den bevorstehenden Altersruhestand wünschte. Ob es das gemeinsame Rechnungsprüfungsamt ist, die überparteiliche Arbeitsgruppe der hauptamtlichen Verwaltungsbeamten zur Regionsumlage, der Umsatzsteuer und der gemeinsamen Lebensberatungsstelle – beide seien sich in der Sache oft einig gewesen, hätten sich zielstrebig für das Wohl ihrer Gemeinden eingesetzt und gemeinsam Lösungsansätze gefunden, betonten Zychlinski und Bogya letzte Woche beim gemeinsamen Pressetermin. Herausragend ist vor allem das gemeinsame Rechnungsprüfungsamt. Beide Gemeinden teilen sich seit 1. Janaur 2018 Rechnungsprüferin Cornela Erxlebe und haben damit beide schon bares Geld gespart. „Rund 30.000 Euro weniger Prüfungskosten“ seien für die Gemeinde Wedemark weniger angefallen, seit sie das Rechnungsprüfungsamt – zumindest die Hälfte der Woche – im Haus hat, schätzt Zychlinski. Mit der Lösung sei alles viel effizienter geworden und bei den Jahresabschlüssen, bei denen man dramatisch hinterhergehangen habe, hole die Gemeinde Wedemark jetzt gewaltig auf. 2011 bis 2016 seien bereits abgearbeitet. Die Eröffnungsbilanz, die mit der Einführung des Doppik-Haushaltes erstellt werden musste, habe die Kräfte doch arg gebunden. Jetzt sei aber absehbar, dass die Gemeinde mit ihren Jahresabschlüssen baldsynchron sein werde. Zusätzlich habe Erxlebe auch die Prüfung der beiden Tochtergesellschaften Abwasser GmbH und Bau- und Entwicklungsgesellschaft übernommen. Bogya ergänzte, Isernhagen sei zwar zum eigenen Rechnungsprüfungsamt wie die berühmte Jungfrau zum Kind gekommen, wisse dies mittlerweile aber hoch zu schätzen. „Es ist viel flexibler, den Mitarbeitern mögliche Fehler vor Augen zu führen und diese im laufenden Jahr im Gespräch auszumerzen. So kann man Wiederholungen vermeiden“, resümiert der Isernhagener Bürgermeister. So eine Eröffnungsbilanz sei immerhin „ein hochsensibles Instrument, wo unheimlich viel Drehmoment drinsteckt“, betonte Bogya. Es gebe Kommunen, die sich jetzt noch mit ihren Eröffnungsbilanzen herumquälten. Isernhagen und Wedemark gehörten aber nicht dazu. Die Kollegen in der Wedemärker Verwaltung wüssten zu schätzen, dass es im Haushaltsvollzug jetzt ganz viel Ansprechbarkeit gebe, ergänzte Zychlinski. Im Mellendorfer Rathaus sei der Satz „Wir fragen mal Frau Erxlebe“ zum geflügelten Wort geworden.
Zychlinski bescheinigte seinem Kollegen Arpad Bogya, „Isernhagen nachhaltig geprägt zu haben“. 1994 war Bogya in die Isernhägener Verwaltung gekommen, 1995 wurde er Gemeindedirektor, 2001 hauptamtlicher Bürgermeister. Er sei durchaus mal angeeckt, auch in den eigenen Reihen, gestand Zychlinski Bogya zu. Doch habe er Isernhagen zu einer starken Gemeinde gemacht, die gerade auch im Bereich Gewerbeansiedlung gut aufgestellt sei. Bogya erklärte, ihm hätten die letzten 27 Jahre sehr viel Spaß gemacht, „vor allem die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten und das selbstständige Arbeiten“.
Er erinnere sich an sehr schöne gemeinsame Abende am Rande von Klausurtagungen, schmunzelte Zychlinski. Mit Bogya habe man immer über unglaublich viele Themen sprechen können, und dieser habe auch sehr interessant von seinen Reisen und seiner privaten Leidenschaft, dem Golfspielen, erzählt. Jetzt wünsche er seinem scheidenden Amtskollegen einen bewegten Ruhestand und auch mit 68 Jahren noch viele neue Erlebnisse und Erkenntnisse, so Zychlinski am Dienstag im Bürgerhaus in Bissendorf.