Warum braucht Politik eigentlich Frauen?

Die Wedemärker Mentees Karin Kuhlmann (außen rechts) und Beate Doering (2. von links) folgten zusammen mit ihrer Mentorin Maria Hesse (außen links) der Einladung von Editha Lorberg (2. v. rechts) zum Erfahrungsaustausch anlässlich des Weltfrauentages am 8. März. Foto: N. Mandel

Mentoringprogramm unterstützt Frauen auf dem Weg in die Politik

Wedemark (nm). Nur sieben bis 20 Prozent Frauen sind – je nach Branche – im Jahr 2013 in Führungspositionen in deutschen DAX-notierten Unternehmen zu finden, auch in der Politik spiegeln sich diese Zahlen häufig wider. Während in den letzten Jahren im mittleren Management und auf vergleichbaren Ebenen auch schon mal ein Drittel bis ein Viertel der Belegschaft weiblich ist, dünnt sich diese Zahl in den obersten Führungsetagen bis auf drei Prozent aus. Damit liegt Deutschland im europaweiten Vergleich hinter Ländern wie Spanien und Frankreich. Norwegen und Schweden sind Vorreiter in puncto Gleichstellung.
Im Hinblick auf den Fachkräftemangel in Deutschland liegen Ressourcen brach, bedenkt man, dass Frauen häufig die bessere Schulbildung und die besseren Abschlüsse aufweisen als ihre männlichen Mitbewerber. Trotzdem bekommen sie für gleiche Arbeit 25 Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen.
Sollten die Gender Studies – die Wissenschaft rund um die Geschlechterrollenbilder – etwa Recht
behalten mit der Theorie der „glass ceiling“, der gläsernen Decke für Frauen? Ist es so, dass Frauen noch so gut sein können und sich noch so anstrengen können, die meist männlichen Chefs trauen ihnen die Posten trotzdem nicht zu oder wertschätzen ihre Arbeit nicht mit höheren Gehaltschecks? Verwunderlich wäre das nicht, blickt man auf die Geschichte der Frauenrechte, womit das Thema politische Dimensionen annimmt. Bis 1977 war im deutschen Grundgesetz verankert, dass eine Frau nur mit Zustimmung ihres Ehemannes arbeiten darf. Das mutet in der heutigen aufgeklärten Gesellschaft wie ein Gesetz auf vergangenen Jahrhunderten an. Doch die Damen, die der Einladung von Editha Lorberg ins Ristorante Italiano gefolgt waren, konnten über Auswüchse dieser alten festgefahrenen Geschlechterrollenbilder, die ihnen während der eigenen Karriere begegnet waren, berichten. Die Frau gehört ins Haus und der Mann regelt alle äußeren Angelegenheiten, das ist ein Denken, das in manchen Kreisen – und nicht nur in anderen Kulturkreisen – bis heute nachwirkt.
Auch wenn die Gleichstellung heute gesetzlich verankert ist, und es viele Programme wie das Gender Mainstreaming gibt, die helfen sollen, diese umzusetzen. Mit Blick auf die nächste Kommunalwahl in 2016 hat das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung das Mentoring-Programm „Politik braucht Frauen!“ ins Leben gerufen. Unterstützt werden sollen alle engagierten Frauen, die erste Schritte in Richtung Kommunalpolitik gehen wollen. Das Programm bietet ihnen für die Dauer eines Jahres die Möglichkeit, mit Unterstützung einer Mentorin den kommunalpolitischen Alltag von innen kennenzulernen. Fortbildungsreihen und Vernetzungsveranstaltungen ergänzen das Angebot, hier können sich die Mentees (die an dem Programm teilnehmenden Frauen) mit verschiedensten Themen rund im Politik vertraut machen und wichtige Kontakte knüpfen. Koordiniert wird es in der Region Hannover von der Gleichsstellungsbeauftragten Petra Mundt. Für die interessierten Damen aus der Wedemark konnte Maria Hesse, Abgeordnete der CDU-Fraktion, als Mentorin gewonnen werden. Dabei läuft das Mentoringprogramm über alle Parteigrenzen hinaus. Über diese Vielfalt freuen sich Karin Kuhlmann aus Brelingen, sowie Beate Doering und Pia Schlesinger. Auf den Treffen, die seit Anfang des Jahres stattfanden, konnten sie schon viele Kontakt knüpfen. „Sich mit Frauen zu vernetzen ist anders“, so Beate Doering. Der Konkurrenzgedanke stehe häufig nicht so sehr im Vordergrund, so dass es im Gespräch dann mehr um die Sache gehe. Das sei eher zielführend. Die Wedemärker Mentees können sich so aus erster Hand einen Eindruck des politischen Alltags verschaffen und erfahren, wie sie sich einbringen können. Dabei ist der erste Einstieg immer die Kommunalpolitik, das kann ihnen ihre Mentorin mit auf den Weg geben. Auch für sie ist es ein Prozess, die interessierten Damen für dieses eine Jahr zu unterstützen. „Ich muss mir überlegen: Welche Einblicke in meinen politischen Alltag möchte ich weitergeben, was ist hilfreich zum Einstieg?“, sagt Maria Hesse, die gleichzeitig auch noch eine Mentee aus Garbsen und eine aus Hannover betreut. Denn 90 Frauen aus der Region Hannover hatten sich für das niedersachsenweite Programm gemeldet, in ganz Niedersachsen sind es in diesem Jahr 440 teilnehmende Mentees. Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März lud Editha Lorberg zum Erfahrungsaustausch in das Ristorante Italiano ein. Die Resonanz bisher ist einhellig positiv.