Wedemärker Drachenboot-Team überrascht

Auf beeindruckendste Weise erarbeiteten und erpaddelten sich die Nachwuchssportler, die beinahe ausschließlich aus der Wedemark stammen, des Drachenboot-Teams „Hellmann Dragons“ ihren Erfolg. Foto: T. Holland

„Hellmann Dragons“ belegen beim Maschsee-Rennen einen starken fünften Platz

Wedemark (th). Gleichmäßig und kraftvoll tauchen die Paddel ins Wasser, als sich die 20 Sportler auf ihrem exotisch anmutenden Drachenboot vom Steg entfernen und sich auf den Weg zur rund 300m vom Nordufer des Maschsees entfernten Startlinie begeben.
Schnell sind sie außer Reichweite des Tele-Objektives und werden immer mehr zu anonymen Punkten auf dem Wasser, gesellen sich zu den übrigen Booten, die bemannt mit weiteren anonymen Punkten ebenfalls zur Startposition gleiten, und, angekommen an ihrer Startposition, scheinbar in angespannte Bewegungslosigkeit verfallen. „Attention,…GO!“. Wie vom Donner gerührt paddeln sie los, hektisch und kraftvoll, aber stets im selben monotonen Rhythmus des Trommlers vorne im Bug. Bereits nach den ersten Metern ist das Boot auf Bahn 6 den Kontrahenten eine Fingerspitze voraus, versucht seinen Vorsprung weiter auszubauen. Doch die übrigen sechs Mannschaften haben sich noch längst nicht abgeschrieben und kämpfen sich wieder heran. Kopf and Kopf steuern die insgesamt sieben Drachenboote auf die Ziellinie zu, 250m lang wird um jeden Zentimeter gekämpft. Noch einmal werden alle Kräfte mobilisiert, frei nach dem Motto: „Wenn´s weht tut, noch acht!“. Doch auch 250m sind irgendwann zu Ende, die Ziellinie ist schließlich überquert. Nur, wer war jetzt vorne? Ein ratloser Blick auf die sofort aktualisierte Anzeige verrät es: Als Erste im Ziel waren die „Hellmann Dragons“! Damit ist es offiziell, gesetzter Viertelfinalist in der Leistungsklasse FunFun des „Drachenboot Festival Hannover“ ist das Wedemärker Team „Hellmann Dragons“. Ungläubiger Jubel bricht am Steg unter den Wedemärker Nachwuchspaddlern aus, als sie die frohe Kunde von ihrem überraschenden Sieg ereilt. Nicht nur sie sind überrascht, auch von den anderen Drachenbootlern hätte kaum jemand mit einem Sieg der unerfahrenen Mannschaft gerechnet. Erst Mitte letzten Jahres gründete sich das Team, das nahezu ausschließlich aus Wedemärker Schülern besteht.
Nach Sponsor benannt
Trainer Thomas Bothur suchte damals den Kontakt zum Gymnasium Mellendorf, aus dem Dank der Initiative des Lehrers Dirk Kießling schließlich das nun bestehende Drachenboot-Team hervorging. Doch trainiert hatte die Mannschaft bisher noch kaum, sechs bis sieben Mal ging es erst auf das Wasser des Maschsees. Und nun traten die nach ihrem Sponsor benannten „Hellmann Dragons“ bereits zu ihrer ersten Regatta auf dem Maschsee an, dem Drachenboot Festival Hannover 2013, das am vergangenen Pfingstwochenende bereits zum 19. Mal stattfand. Für die etwas über 20 Paddler ging es nach ihrem ersten Achtungserfolg erst einmal zurück zum Zeltplatz, zu dem die umliegenden Grünflächen am Freitagabend bei strömenden Regen kurzerhand umfunktioniert wurden für die Regatta. Direkt hinter dem geöffneten und kurz darauf auch besuchten Stadionbad campierten die Wedemärker und die beiden aus Pattensen stammenden Schlagmänner des Teams. Mittagszeit, Essenszeit. Klar, dass ein Sportler Kraft und Proteine braucht, ein ordentliches Steak ist da die erste Wahl. Nebenbei auch die einzige, denn Grundnahrungsmittel das gesamte Wochenende über war Gegrilltes, vorzugsweise Wurst, Fleisch oder scharf. Mit dem Nachmittag begannen auch die Rennen wieder, darunter die Viertelfinals. Hatten manche zunächst noch an einen Glückssieg der „Hellmann Dragons“ im Vorlauf geglaubt, so wurde er schnell eines Besseren belehrt: Denn auch im Viertelfinale fand man den Namen „Hellmann Dragons“ wieder ganz oben auf der Liste, mit ungewöhnlicher Technik deklassierten sie auch deutlich erfahrenere Teams. „Hudelei“, nannte Trainer Thomas Bothur abwertend die diesmal gar nicht gleichmäßige, dafür umso energischere Paddelei, doch auch er konnte nicht umhin zuzugeben: Erfolgreich war sie dennoch. Zwar noch nicht sicher im Finale, aber immerhin schon grandios ins Halbfinale eingezogen ließ es sich dann auch abends auf der in der nahegelegenen Swiss-Life-Hall stattfindenden Aftershowparty ordentlich feiern. Doch auch auf die längste Nacht folgt irgendwann der morgen und damit auch das nächste Rennen. Zum Frühstück schnell, nein, kein Steak, sondern das bei Sportlern mindestens ebenso beliebte Nutella-Brot und dann ging es auch schon umgezogen los zum Steg. Auch das Wetter entschied sich da zu guter Laune und das triste Grau des Regenwetters vom Vortag wich wärmendem Sonnenschein. Zurückgeblieben waren nur die wirklich sehr schlammigen und wirklich sehr rutschigen Wege, die Fotograf und Kamera jedoch unbeschadet und mit nun verwegenem Tarn-Look überstanden. Voller Einsatz auf und abseits der Strecke machten sich bezahlt: Zwar riss die Serie, doch auch der nur zwei hundertstel Sekunden vom Ersten entfernte zweite Platz im Halbfinale qualifizierte ohne Umwege direkt für das Finale. Finale, davon habe man anfangs gar nicht zu träumen gewagt, strahlt Trainer Thomas.
Die Aufregung war groß
Alles was nun komme, sei nur noch das i-Tüpfelchen auf einer ohnehin beeindruckenden Leistung. Und was das für ein i-Tüpfelchen war! Der Absatz für Ersatz-Fingernägel zum Kauen wäre astronomisch gewesen, so aufgeregt zeigten sich die Ersatzleute und Fans kurz vor Start. „Attention,…GO!“, hallte es über das Wasser, als der Startschuss für das große Finale der untersten der vier Leistungsklassen, „FunFun“, fiel. Noch einmal gaben die „Hellmann Dragons“ alles, paddelten, bis die Muskeln brannten und auch noch die vom Trainer vorab geforderten „zwanzig Schläge in den Tod“. In den Tod paddelten sie dann zwar nicht, auf das insgeheim doch ersehnte Treppchen jedoch auch nicht. Die Enttäuschung auf den Gesichtern der erschöpften Paddler beim Anlegen hielt jedoch nicht lange, zu groß die Freude über den nichtsdestotrotz sensationellen 5. Platz. Immerhin hatte man 44 weitere Teams, teils mit mehr Erfahrung am Paddel, teils mit mehr Muskeln am Oberarm, hinter sich gelassen. Kein Wunder, dass es die Schülerinnen und Schüler aus der Wedemark da noch einmal so richtig krachen ließen bei der Siegerehrung und anschließender Party in der Swiss-Life-Hall. Während die Jugendlichen ausgelassen ihren Erfolg genossen, war der Trainer in Gedanken aber schon im August. Dann werden die „Hellmann Dragons“ in Schwerin zur Regatta antreten, dann jedoch mit den gewonnen Erfahrungen des Pfingstwochenendes. Man werde bis dahin auch noch jede Menge trainieren, erklärte Thomas Bothur.
Hünenhafte Kraftpakete suche man vergeblich in den Reihen seiner Mannschaft, daher werde nun vor allem auf die Technik geachtet. Die ist schließlich vor allem anderen entscheidend für den Erfolg eines Drachenbootes. Die Erwartungen sind nach dem vergangenen Wochenende jedenfalls deutlich gestiegen, man darf gespannt sein auf das Abschneiden der „Hellmann Dragons“ im August in Schwerin.