Wedemärker Landwirte: „Fragt uns“

Arne Klages aus Sprockhof (von links), Martin Schönhoff aus Hellendorf, Eberhard Möller aus Negenborn, Florian Wiese aus Abbensen und Kai Kreutzer aus Hellendorf stehen stellvertretend für alel Wedemärker Landwirte, die auf ihre Situation aufmerksam machen wollen. Auch sie fahren mit ihren Schleppern am Dienstag zur zentralen Kundgebung in Hannover. Als weiteres Zeichen bleibt Schönhoffs Hofladen am Dienstag geschlossen, nach dem Motto „Ohne Höfe keine Hofläden“. Foto: A. Wiese

Zentrale Demonstrationsveranstaltung am Dienstag in Hannover

Wedemark (awi). Die Bauern „bitten zu Tisch“ – auch in der Wedemark: Die Bewegung „Land schafft Verbindung – wir rufen zu Tisch lädt am Dienstag, 22. Oktober bundesweit zu Kundgebungen auf. Die Wedemärker treffen sich ab 8 Uhr auf dem Feldweg am Langen Acker im Gewerbegebiet Bissendorf, um um 9 Uhr im Konvoi zur Kundgebung um 11 Uhr am Platz der Göttinger Sieben von Königsworther Straße bis Aegi gemeinsam mit vielen anderen Landwirte auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.
Das berichtete der Sprecher der Wedemärker Landwirte, Arne Klages, im Gespräch mit der Presse auf Schönhoffs Hof in Hellendorf . Die Familie Schönhoff wird ihren Hofladen als Zeichen der Verbundenheit am Dienstag demonstrativ geschlossen lassen: „Ohne Höfe keine Hofläden“ ist das Motto dieser ebenfalls überregionalen Parallelaktion. „Wir wollen und müssen etwas verändern“, lautet der Appell der Landwirte, die sich spontan innerhalb kürzester Zeit der Bewegung in den sozialen Netzwerken angeschlossen haben an die Bürger.
Die jungen Wedemärker Landwirte lassen keinen Zweifel daran, dass die Frage mittlerweile lautet: Landwirtschaft ja oder nein? Es gehe hier um die Existenz der Betriebe, lässt Arne Klages keinen Zweifel daran, wie ernst es ihm und seinen Berufskollegen ist, deren Zukunft durch die aktuelle Entwicklung in Frage gestellt sei. „Wir sind alle mit Leib und Seele Landwirt“, betont Klages. Veränderungen gegenüber seien sie aufgeschlossen, sähen die Notwendigkeit ein, „aber wir wünschen uns eine bessere Umsetzbarkeint“. Dazu gehören ein Abbau des bürokratischen Aufwands, keine Blockade bei der Umsetzung von rechtlichen Vorgaben durch weitere Behörden und die Vermeidung unnötiger, aufgebläher Kosten durch Genehmigungsverfahren. Rechtsvorgaben müssten praxisnah sein und das gesellschaftliche Miteinander müsse wieder aktzeptabel werden. In der Politik und vielen NGOs sei eine permanente negative Stimmungsmache verbreitet. „Kinder werden von anderen gemobbt, weil sie die Kinder von Landwirten sind. Das kann nicht sein“, so Klages und seine Mitstreiter Martin Schönhoff, Florian Wiese, Eberhard Möller und Kai Kreutzer ernst. Sie möchten Probleme fach- und sachgerecht diskutieren, um praktikable Lösungen zu finden. Und auch das Mercosur-Handelsabkommen drückt die heimischen Landwirte: Das Handelsabkommen mit Südamerika stehe stellvertretend für den Import von Waren, die nicht die hiesigenStandards von sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln einhielten. Ohne diese Standards sei eine kostengünstigere Herstellung möglich. Dieser Zusammenhang sei jedoch nirgendwo sichtbar. „Wir möchten die Bevölkerung auch in Zukunft mit tollen Lebensmitteln versorgen, unabhängig von Auslands-Importen“, gibt Arne Klages zu bedenken.
Rund 15.000 Landwirte haben sich bundesweit in den sozialen Medien seit Anfang Oktober der Bewegung angeschlossen, hinter der kein Verband steht. Es ist eine ganz persönliche Initiative von deutschen Landwirten. So auch Martin Schönhoff, der sich ebenfalls dem Schlepper-Konvoi nach Hannover anschließt und mit der Schließung seines Hofladens für einen Tag Verständnis wecken und aufrütteln möchte. „Wir sind als Direktvermarkter von unserem Hof abhängig.“ „Uns geht es nicht um Preise oder Subventionen“, betont Arne Klages: „Wir sind schon einen Schritt weiter, wir fragen, ob es für uns noch eine Zukunft gibt, ob wir in zehn Jahren noch Landwirtschaft in Deutschland haben?“ Die Initiative Land schafft Verbindung habe Schwung in die Sache gebracht und mittlerweile eine immense Dimension angenommen und eine Geschlossenheit fertig gebracht, die in seinem Berufsstand sonst nicht da gewesen sei, so Klages. Alle ständen zusammen und lüden zum Gespräch ein.
„Wir wollen nicht nölen und jammern“, bekräftigen auch die anderen Wedemärker Junglandwirte. Alle suchten sich ihre Nischen, aber die bürokratischen Hürden und Auflagen wüchsen in einem Tempo, dass es den bäuerlichen Familienbetriebenin Deutschland die Luft abschnüre. „Wenn Politik und Verbraucher keine Landwirtschaft vor Ort mehr wollen, dann sollen sie es sagen, dann können wir uns darauf einstellen“, sagt Arne Klages in Richtung Politik. Eberhard Möller aus Negenborn fehlt zunehemend der soziale Konsens in der Bevölkerung mit der Landwirtschaft. In der Wedemark sei die Landwirtschaft noch in bäuerlicher Hand, ergänzt Martin Schönhoff, dennoch erlebe er, dass er und seine Berufskollegen in zwei Klassen eingeteilt würden: „In Direktvermarkter und die anderen.“ Das Vertrauen in die Landwirtschaft müsse wieder wachsen, auch ohne, dass man einmal im Jahr zum Tag des offenen Hofes gehe. „Sprecht nicht nur bei solchen Veranstaltungen mit uns und nicht über uns“, lautet der Appell der Wedemärker Landwirte an die Bevölkerung. „Wir erleben zurzeit auch viel Solidarität, beispielsweise bei den Spenden für Plakat und Flyer für unsere Aktion, die wir nur aus solchen bezahlen können“, erklärt Klages, der beeindruckt von der Dynamik der Initiative ist. Vom Heidekreis werden am Dienstag mehr als 150 Schlepper die L 190 herunterkommen, denen sich die Wedemärker dann an der Kreuzung in Schlage-Ickhorst anschließen werden. Rund um Hannover gibt es sechs Sammelpunkte. Insagesamt rechnen die Initiatoren mit mehr als 1.000 Traktoren, die natürlich auf dem Weg in die Landeshauptstadt für Behinderungen sorgen werden, aber genau das ist ja beabsichtigt, um wachzurütteln, als Ergänzung zu der Aktion mit den grünen Kreuzen auf den Feldern (das ECHO berichtete), mit denen die örtlichen Landwirte ebenfalls auf das Sterben der Landwirtschaft aufmerksam machen wollen.