Wedemärker tun ihr Möglichstes

Physiotherapeutin Gundula Leide arbeitet in ihrer Praxis in Mellendorf nur mit Mundschutz: für sich und ihr Team, ebenso wie für die Patienten.

Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten, Podologen – alle sitzen in einem Boot

Wedemark (awi). Das ECHO wollte exemplarisch von Vertretern einiger Heilberufe aus der Wedemark wissen, wie ist die Situation hier vor Ort? Logopädin Denise Wöhler, die in Bissendorf und Burgwedel zwei logopädische Praxen betreibt, hatte die letzten beiden Wochen geschlossen, weil die Termine wegbrachen. Weiter lief für sie und ihr Team die Arbeit in der Klinik in Burgwedel. Ab Montag wird Denise Wöhler ihre „SprachOasen“ in Bissendorf und Burgwedel wieder öffnen – unter strenger Einhaltung der Regeln. „Wirtun unser Bestmögliches, um die Kontakte zu reduzieren und achten akribisch auf entsprechende Hygienemaßnahmen“, betont Wöhler: „Wartezimmer bleiben geschlossen, wir therapieren seitlich nicht von gegenüber, Hände werden vor und nach der Therapie gewaschen und zwar für Therapeut und Patient, und es wird nur noch Therapiematreial verwendet, das wir desinfizieren können.“ Mundschutz wird sie in den nächsten Tagen selbst nähen müssen, überlegt Denise Wöhler, damit zum Teil Masken getragen werden können. Auch die Mutter eines ehemaligen Patienten hat bereits Hilfe beim Maskennähen angekündigt. Denise Wöhler würde sich aber auch freuen, wenn noch jemand für sie, ihr Team und die Patienten nähen würde. Die Desinfektionsmittel werden in der SprachOase zum Glück noch nicht knapp, aber das könnte sich wie überall langfristig ändern, weiß die Logopädin, die gut vorgesorgt hat. Wichtig ist ihr zu betonen, dass „wir auf die Mithilfe unserer Patienten angewiesen sind, indem sie bei den kleinsten Erkältungssymptomen ihre Termine absagen und nicht in die Praxis kommen. „Wir hoffen, dass wir durch diese schwere Zeit kommen, denn es gibt auch eine Zeit nach Corona. Und wo sollen in der Zukunft dann alle Patienten bleiben?“, sagt Denise Wöhler ernst. Podologin Christiane Steinbach wollte ihre Praxis eigentlich schließen, darf es aber als Dienstleister im medizinischen Bereich nicht, weil sie die Verordnungen für die Krankenkassen abarbeiten muss. Als medizinische Fußpflegerin hat sie eine andere Stellung als kosmetische Fußpflegerinnen oder Friseure. Aber natürlich haben viele ihrer Patieten ihre Termine abgesagt. Auch in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen kann sie zurzeit nicht fahren. Ebenfalls können ihr die Patienten aus den Alten- und Pflegeheimen nicht mehr gebracht werden. Steinbach hat bereits einen Zuschuss bei der N-Bank beantragt und ist auf die Resonanz gespannt. Ihre größte Hoffnung ist, dass sich die Situation so schnell wie möglich wieder normalisiert.
„Ich bin weiter für meine Patienten da, weil Schmerzen keinen Halt vor Quarantäne machen“, sagt die Mellendorfer Physiotherapeutin Gundula Leide in einem Post des Bundesverbandes der Physiotherapeuten auf facebook unter dem Motto „Ich bin weiter für dich da“. Auch sie darf weiterhin medizinische Behandlungen vornehmen. Alle Mitarbeiter ihrer Praxis tragen Mundschutz und auch für die Patienten sind ausreichend Masken vorhanden, wenn diesen keine eigenen haben, um alle Beteiligten nach besten Kräften zu schützen. „Wir hoffen sehr, dass die Patienten ihre Termine wieder wahrnehmen, denn es weiß ja auch niemand, wielange diese Ausnahmesituation noch dauert“, so Gundula Leide. Sie und ihre Mitarbeiterinnen merken den Rückgang schon, machen zurzeit alle ein bisschen weniger und hoffen, dass es sich wieder einpendelt. „Aber lange halten auch wir so starke Umsatzeinbrüche nicht durch“, weiß Gundula Leide, die vorsichtshalber bereits die Anträge auf Kurzarbeit ausgefüllt hat. „Herr Spahn hat ganz klar gesagt, dass wir Physiotherapeuten im Rettungsschirm der Bundesregierung nicht vorkommen“, sagt sie und macht sich große Sorgen um die Heilberufe in dieser Corona-Krise. Auf Dauer könnten weder sie noch ihre Kollegen mit „angezogener Handbremse arbeiten“. Auch Torsten Liebert ist Physiotherapeut, aber gleichzeitig ist er auch Heilpraktiker und macht Osteopathie. Als Heilpraktiker ist er nicht auf medizinische Verordnungen angewiesen, darf bei medizinischer Notwendigkeit tätig werden. Auch er hat in seiner Praxis in Bissendorf alle notwendigen Schutzmaßnahmen ergriffen, spürt die Verunsicherung der Patienten, die teilweise Termine absagen, weil sie selbst nicht aus demHaus gehen mögen, teilweise aber auch die Veröffentlichungen falsch interpretieren und nicht einordnen können, ob Lieberts Praxis nun geöffnet hat oder nicht. „Zu mir können die Patienten auch in Corona-Zeiten gerne kommen“, versichert der Heilpraktiker und Physiotherapeut, der aber auch großes Verständnis für die Patienten hat, die sich das zurzeit gerade nicht trauen.
Die Bissendorfer Ergotherapeutinnen Alexandra Gehrke und Elena Schulze-Reimann machen sich ebenfalls große Sorgen um ihr Personal, wenn sich die Situation nicht bald wieder normalisiert. Nachdem sie zunächst mangels Schutzkleidung geschlossen hatten, läuft der Betrieb in ihrer Praxis am 6. April wieder an, doch der bisher gut gefüllte Terminkalender hat sich auf Grund von Absagen deutlich gelichtet. Alexandra Gehrke geht für April von rund 70 Prozent Umsatzeinbußen aus und hat vorsichtshalber Kurzarbeit angemeldet. „Die Patienten sind verunsichert“, sagt auch sie. Sie und ihre Kolleginnen wägen jedoch Therapieziel und Risiko ganz genau ab, insbesondere auch bei den Älteren, die zu den Risikogruppen gehören. Zudem sind natürlich die Schutzmaßnahmen deutlich verstärkt worden, zum Beispiel mit Schutzwänden für Gespräche im psychiatrischen und geriatrischen Bereich. Bei der Therapie mit Kindern wird ebenfalls sehr genau abgewogen, denn hier kann in den meisten Fällen die vorgeschriebene Abstandsregelung von eineinhalb bis zwei Metern bei der Therapie nicht eingehalten werden.