Wedemarks Sportring Vorstand erwägt Rücktritt

Joachim Brandt (am Beamer) informiert bei der Mitgliederversammlung auch über die Aufgaben des Sportring Wedemark. Foto: B. Stache

Enttäuschung über Verwaltung und eigene Vereine sitzt tief

Mellendorf (st). Keinen Hehl macht der 1. Vorsitzende des Sportring Wedemark, Joachim Brandt, aus seiner Enttäuschung über die Vorgehensweise der Verwaltung der Wedemark bei der Erstellung des Sportentwicklungsplans sowie das Verhalten der örtlichen Sportvereine. Während der Mitgliederversammlung am Mittwochabend im Schießsportheim kündigte er vor zirka 30 Teilnehmern den Rücktritt der Sportring-Vorstandsmitglieder an, falls sich bei der Delegiertenversammlung am 27. März 2014 keine Kandidaten für die noch offenen Vorstandsposten des 2. Stellvertretenden Vorsitzenden, des Pressewartes sowie des Veranstaltungswartes finden. „Aufgrund der seit Jahren fehlenden Unterstützung und jetzt noch verstärktem Desinteresse an dem Projekt Sportentwicklungsplan ist es der Wunsch des Vorstandes, als erstes die noch offenen Posten zur Wahl zu stellen. Sollten diese Positionen unbesetzt bleiben, werden sich die derzeitigen Vorstandsmitglieder bei der Wahl nicht mehr zur Verfügung stellen“, begründete Vorsitzender Brand: „Dieser Sportentwicklungsplan kostet einen Sportring Vorstand ganz schön Nerven. So ruppelig wie es beim Bürgerbefragungsbogen war, so ruppelig ging das mit dem Vereinsfragebogen aus unserer Sicht weiter.“ Brand hatte unter anderem moniert, dass die Vorschläge des Sportrings bei der Erstellung des Vereinsfragebogens keinerlei Beachtung seitens des Bürgermeisters Tjark Bartels und der Gemeinde fand. Die einst harmonische Zusammenarbeit habe sich gravierend gewandelt, so der Sportring-Vorsitzende. Alles hatte sich um die Frage entzündet: Verfügt der Verein über genügend Sportstätten? Der Sportring verschickte diese Frage mit Ergänzungen an seine 41 Vereine. „17 Fragebögen wurden an uns zurückgegeben, fünf von Mehrsparten- und zwölf von Einspartenvereinen“, berichtete Brandt. Die Frage nach den Sportstätten wurde sechsmal mit Ja und elfmal mit Nein beantwortet. Es sei dabei mehrfach auf das Fehlen von Sporträumen für alle Hallensportarten hingewiesen worden, wie Turnen, Gymnastik, Funktionstraining, Handball, Volleyball, Leichtathletik und Fußball. Nach Angaben einiger Vereine fehlten Tennishallen, zudem wurden ein Tennisplatz, eine Reithalle sowie eine 25-Meter-Duellanlage im Sportring-Fragebogen genannt. Ein weiterer Grund für seinen Unmut sei die mangelnde Beteiligung der Vereine an der Präsentation der Ergebnisse der Bürgerbefragung am 15. Juni, zu dem die Gemeinde in das Forum des Campus W eingeladen hatte: auch als Gelegenheit zum Dialog. Trotz ausdrücklichen Appells seitens des Sportring Vorsitzenden hatten nur wenige Vereine den Weg zu dieser Veranstaltung gefunden. Konstanze Beckedorf, die mit Jörg Clausing, Leiter Fachbereich Bildung, Familie und Sport der Gemeinde Wedemark, zur Mitgliederversammlung eingeladen worden war, behielt trotz der verbalen Attacken des Sportring Vorsitzenden Brandt gegen Bürgermeister und Verwaltung die Fassung und äußerte sich äußerst sachlich, was ihr viel Applaus einbrachte: „Wir hätten uns gefreut, wenn wir viele von Ihnen zur Vorstellung der repräsentativen Bürgerbefragung hätten begrüßen dürfen und Sie sich das Ergebnis hätten präsentieren lassen“, erklärte die Erste Gemeinderätin „Wir wären gerne mit Ihnen zu vier Themenschwerpunkten ins Gespräch gekommen. Es konnte leider nicht stattfinden“, bedauerte Beckedorf und erklärte, dass der Sportentwicklungsplan weiterverfolgt werde. „30 Vereine haben sich bisher auf unsere Befragung gemeldet“, erklärte sie. Nach Auswertung der Vereinsfragebögen werde über die inhaltlichen Schwerpunkte des Sportentwicklungsplanes in enger Verzahnung mit der Gemeindeentwicklungsplanung nachgedacht. „Ich gehe davon aus, dass wir spätestens im ersten Halbjahr 2014 einen Sportentwicklungsplan haben. Wir vergessen dabei nicht, den Sportring zu beteiligen“, so Konstanze Beckedorf, die noch einmal deutlich machte, dass der Sport in der Gemeinde Wedemark nicht nur aus Vereinssport besteht, wie dies die Bürgerbefragung deutlich gezeigt habe, sondern auch aus dem sogenannten unorganisierten Sport sowie dem Schulsport: „Am Ende soll ein Ergebnis stehen, an dem sich möglichst alle beteiligt haben und an dem sich auch alle wiederfinden.“ Zu Beginn der Mitgliederversammlung hatte Vorsitzender Brandt die vielfältigen Aufgaben des Sportrings in Erinnerung gerufen: sei es die Absicherung der Vereinsmitglieder durch den Sportversicherungsvertrag mit der ARAG, das Bereitstellen von Mitteln zur Förderung der lizenzierten nebenamtlichen Übungsleiter und Jugendfreizeiten oder die Förderprogramme zur Ausbreitung des Behindertensports. Veranstaltungen wie beispielsweise der Frauensporttag und die Sportabzeichen Tour fanden ebenfalls Erwähnung. Der Sportring unterstützt die Vereine auch mit EDV-Programmen zur Vereinsführung und sorgt für Internetauftritte mit Downloads. Joachim Brandt erinnerte die Vereinsvertreter daran, das BuT-Programm (Leistungen für Bildung und Teilhabe) in Anspruch zu nehmen: „Das gilt für Kinder unter 18 Jahren. Das neue Verfahren ist von allem Ballast befreit, den es zu Anfang gab“, sagte der Sportring Vorsitzende. Ein Angebot zur Mitgliederverwaltung durch eine Servicegesellschaft unterbreitete anschließend die Steuerberaterin Elvira Spyrka auf Bitten des Sportrings den Vereinen. Der Vorsitzende Brandt erinnerte noch an den letzten Abgabetermin 30.11.2013 für Vorschläge zur Sportlerehrung am 28. Februar 2014 im Forum Campus W. Die eigenen Fragebögen zur Sportstättensituation in der Wedemark werde er Jörg Clausing übergeben, damit diese in die weiteren Beratungen zum Sportentwicklungsplan einfließen, kündigte Joachim Brandt an.