Weltumradler beenden Tour in Bissendorf

Michael Hennebo (l.) aus Bissendorf und seine Frau Anke sind froh, Andrea Künstle und Klaus Breuer mit ihren Hunden wohlbehalten wieder in die Arme schließen zu können. Foto: A. Wiese

Klaus Breuer und Andrea Künstle haben die große Freiheit gesucht und gefunden

Bissendorf (awi). Letzte Station nach zwei Jahren, 11.000 Fahrrad- sowie 5000 Auto- und Fährenkilometern ist Bissendorf in der Wedemark: Klaus Breuer und Andrea Künstle aus Bonn haben gemeinsam mit ihren beiden Hunden Momo (12) und Sammy (15) zwei Jahre lang Europa per Fahrrad erkundet und sind jetzt bei Andrea Künstles Schwester Anke Hennebo in Bissendorf glücklich gelandet. Eine Woche wollen die beiden Radler jetzt hier Atem holen, bevor sie zurück ins „zivile Leben“ starten. Im Juli 2009 hatten sie Wohnung und Job aufgegeben, das Nötigste in den Satteltaschen verstaut, ihre Hunde in einen Fahrradanhänger gesetzt und waren losgeradelt: von Deutschland nach Österreich über Ungarn, Kroatien, Griechenland, die Türkei, Syrien, Jordanien und Ägypten nach Israel und dann zurück über Griechenland, Italien, Frankreich, Belgien und die Niederlande nach Deutschland. Was sie unterwegs erlebt haben, würde Bücher füllen. Zumindest eins – wahrscheinlich ein E-Book – wollen sie schreiben. Den Kontakt zur Verwandtschaft in Deutschland hielten sie über ein kleines Netbook. Internet funktioniert – fast – überall. Unterwegs haben der 48-jährige Computerfachmannund seine 43-jährige Lebenspartnerin auch für ihren Lebensunterhalt gearbeitet: Bei der Olivenernte in Griechenland, auf einer Biofarm auf dem Sinai und in einer ägyptischen Schule. „Geld brauchten wir vor allem, um Fährkosten zu bezahlen“, erzählt Klaus Breuer: „Sonst haben wir fast umsonst gelebt.“ Vor allem eins haben die beiden deutschen Weltumradler unterwegs erlebt: wahnsinnig freundliche Leute, die ihnen sichere Quartiere für ihr Zelt besorgt haben, sie zum Essen einluden und sie „weiterreichten“ an Verwandte und Bekannte. Ein Franzose, der Urlaub auf dem Sinai machte, und den sie dort trafen, lud sie zu sich nach Paris ein, wenn sie durch Frankreich kämen. Als sie dort waren, nahmen sie das Angebot an und wurden mit offenen Armen aufgenommen. Nur Jordanien bildete eine Ausnahme. Hier wurden die Radler und ihre Hunde mit Steinen beworfen. „Aber das machen die mit allen Radfahrern so“, wissen Andrea Künstle und ihr Partner mittlerweile. Mindestens 30 Platten und ein kaputtes Tretlager haben die Tour begleitet, die das gehalten hat, was sich beide davon versprochen haben: „Wir haben die große Freiheit gesucht – und gefunden.“