Wenn der Funke überspringt

Die Schauspieltalente brachten das emotionale Auf- und Ab bei der Erbschleicherei authentisch zum Audruck. Foto: S. Birkner

Jugendtheater faszinierte 170 Zuschauer

(sb). Sobald die Chemie innerhalb einer Theatergruppe stimmt, nehmen die Schauspieler die positive Grundstimmung unweigerlich mit auf die Bühne. Wahrscheinlich ist das der entscheidende Grund, weshalb die Jugendtheatergruppe der katholischen Kirchengemeinde mit ihren jüngsten Auftritten derart zu überzeugen wusste. "Erben ist nicht leicht" heißt das Stück, das die neun Jungen und Mädchen am vergangenen Wochenende zweimal aufführten. Wie es bei Laienschauspielern fast immer der Fall ist, hätten Theaterperfektionisten sicherlich auch dieser Gruppe den einen oder anderen Fehler angekreidet - die rundum positive Stimmung, die sich im kleinen Gemeindesaal des Karl-Heine-Hauses von der Bühne aus direkt auf das Publikum übertrug, ließ allerdings gar keinen Raum für Kritiker. Neben der charmanten Leichtigkeit, die die Jungschauspieler auf der Bühne lebten, war der dargebrachte Humor ein weiterer Grund dafür, dass der berüchtigte Funken auf das Publikum übersprang. Die Kriminalkomödie deckte mit trocken-derben, aber auch pointierten und intelligenten Gags im Niveau eine ganze Bandbreite ab. Der präsentierte Inhalt wäre so beinahe zur Nebensache geraten, trug durch seine Kurzweiligkeit aber sein Übrigens zum Unterhaltungswert bei. In "Erben ist nicht leicht" geht es um die reiche Tante Lina, die früher oder später das Zeitliche segnen wird. Weil sich die gesamte Verwandtschaft dieser Tatsache bewusst ist, scharen sich Töchter und Söhne, Nichten und Neffen regelmäßig und nicht ganz uneigennützig um sie. Was niemand ahnen kann: Dieses Mal ist es soweit - Lina stirbt. Schnell stellt sich heraus, dass ihre Todesursache keinesfalls natürlich war. Mit einem spitzfindigen Testament hilft die Verstorbene anschließend posthum bei der Suche nach ihrem Mörder, sodass brisante Sticheleien und Intrigen vorprogrammiert sind...
Mit der Auswahl des Stücks von Walter W. Pfaus hat die Gruppe im vergangenen Juni ihre Arbeit an dem Theaterstück begonnen. Als Koordinatorin, Regisseurin und einfach als gute Seele stand Gabi Klages dabei an der Seite der 15- bis 18-Jährigen. Ihr ist es überhaupt erst zu verdanken, dass die auf Eis gelegte Theaterarbeit der katholischen Kirche zu neuem Leben erweckt werden konnte. "Ich habe gegenüber Gemeindereferent Thomas Schenk mein Interesse an der Arbeit als Regisseurin bekundet. Er hat mich beim Wort genommen", sagte sie und erklärte so das Zustandekommen ihrer Beteiligung. Ungeachtet der positiven Zuschauerresonanz sei allein die Besucherzahl von 170 Interessierten Motivation, die Zusammenarbeit fortzufsetzen. "In welcher Form das passieren wird, steht bislang in den Sternen, da einige Darsteller nach dem Abitur nicht noch einmal mitwirken können", sagte sie. Die Regisseurin erkannte das Theaterspielen als große Chance für Jugendliche, ihr Auftreten und Selbs
tvertrauen zu stärken und zeigte sich hoffnungsfroh, neue Schauspieler werben zu können. Ein weiterer Anreiz könnte der soziale Hintergrund der Mühen sein: Während ein Teil der Einnahmen in Höhe von 760 Euro der kirchlichen Jugendarbeit zugute kommen wird, kann sich auch der Elternverein krebskranker Kinder Hannover über eine Spende freuen.