Wennebosteler Chronik erscheint in zwei Bänden

Ein erfolgreiches Team: Dr. Hellmuth Hahn (von links), Friedrich Thümler und Friedrich Lüddecke haben die Wennebosteler Hofgeschichten in zwei Bänden zusammengetragen, in Form gebracht und herausgegeben. Foto: A. Wiese

Hahn hat recherchiert, Thümler hat Bilder gesammelt und Friedrich Lüddecke layoutet

Wennebostel/Evensen (awi). Sie sind bereits ein bewährtes Team und auch bei den Wennebosteler Hofgeschichten hat es wieder hervorragend geklappt: Dr. Hellmuth Hahn hat recherchiert, Kirchenbücher und Archivakten gewälzt, Friedrich Thümler ist in Wennebostel von Tür zu Tür gegangen und hat nach Fotos gefragt. Dabei waren sowohl Einfühlungsvermögen als auch die „richtige Nase“ gefragt, denn vieles, was für die Chronisten äußerst wertvoll ist, erscheint den Eigentümern der Fotografien absolut nicht so. Doch auf diese Weise kam eine erkleckliche Anzahl interessanter Fotos zusammen, die Familiengeschichte, Dorfleben und Feldarbeit abbilden. An Friedrich Lüddecke blieb schließlich die Aufgabe hängen, all dies in Buchform zu bringen, Fotos zu scannen und druckfähig zu bearbeiten, Urkunden und Lis-ten zu digitalisieren und dies zusammen mit den Texten von Dr. Hellmuth Hahn in insgesamt zwei Bänden mit knapp 1.000 Seiten zusammenzufassen. Der Prototyp der Chronik ist jetzt einmal zum Korrekturlesen ausgedruckt und wird in Kürze im Gasthaus Bludau in Wennebostel den interessierten Bürgern vorgestellt. Einen festen Termin für diese Veranstaltung, die vom Chronisten Hahn gemeinsam mit Ortsbürgermeister Achim von Einem organisiert wird, gibt es aber noch nicht. Das ECHO wird ihn rechtzeitig bekanntgeben. Dann können sich die Bürger das Ansichtsexemplar ansehen und entscheiden, ob sie die zweibändige Chronik bestellen möchten. Nach dieser Bestellliste wird dann gedruckt und aus der Höhe der Auflage wird sich der Preis ergeben, erklärte Dr. Hellmuth Hahn beim Pressegespräch im Haus von Friedrich Lüddecke in Evensen. Der seit vielen Jahren durch seine schwere Erkrankung an den Rollstuhl gefesselte Lüddecke wohnt zwar in Evensen, ist aber gebürtiger Bissendorfer und kann nicht verleugnen, dass er im Herzen ebenso wie seine Frau Christa, die aus Mellendorf stammt, immer Wedemärker geblieben ist. 60 Chroniken und Bildbände hat er in den letzten 20 Jahren layoutet, schwerpunktmäßig aus der Wedemark und dem Neustädter Land. Initialzündung war vor 20 Jahren die Bitte des Vorsitzenden des Heimatvereins Helstorf, Diethard Hensel, sich der Helstorfer Chronik anzunehmen. Damals und auch später hat Friedel Lüddecke trotz fortschreitender Einschränkungen durch seine Krankheit niemals „Nein“ gesagt, wenn er gefragt wurde – und das alles – dies muss man ausdrücklich betonen – ehrenamtlich. Selbstverständlich arbeiten auch alle anderen ehrenamtlich, Dr. Hellmuth Hahn ebenso wie Friedrich Thümler und weitere Unterstützer. Bereits 1971 hatte Hahn angefangen, Daten für die Wennebosteler Hofgeschichten zu sammeln, diese dann liegen lassen, 1994 wieder angefangen und nach Differenzen über die Flurkarte, in der alle sechs Hofstellen und 40 Anbauernstellen verzeichnet sind, wieder pausiert. Doch seit einem Jahr hat der 84-Jährige Gas gegeben und seine Rechercheergebnisse sind beeindruckend. Die Karte, in der alle Ländereien und Höfe verzeichnet sind, liegt der Chronik ebenso bei wie eine CD mit Urkunden, für deren große Darstellung kein Platz im gedruckten Werk ist. Durch wieviele Urkunden sich Chronist Hahn letztendlich „gewühlt“ hat, kann er heute gar nicht mehr sagen. Die Kirchenbücher aus den Jahren 1677 bis 1850 habe er quasi neu geschrieben, weil sie so schwer zu lesen und in altdeutscher und Sütterlin-Schrift geschrieben waren. Für Hahns Recherchen reichten die Tauf-, Sterbe- und Trauungsbücher nicht aus, er verglich die gewonnenen Erkenntnisse auch mit Unterlagen aus dem Hauptstaatsarchiv in Hannover und verfolgte den Weg der Mädchen, die aus dem Kirchspiel Bissendorf weg heirateten. Es sind überhaupt die kleinen Geschichten, die Chroniken wie auch diese Wennebosteler so wertvoll und unnachahmlich machen: Da braucht man nur das Foto auf der Rückseite von Band 2 zu nehmen: Es zeigt ein Pferd im Frankreich-Feldzug 1941, das ein Schild um den Hals trägt: „Ich will zurück nach Wennebostel“. Friedrich Thümlers Vater kannte als Schmied in Bissendorf die Pferde aus seinem Umfeld genau und als er als Heeresschmied in Frankreich dieses Pferd entdeckte, wusste er genau, dass es von einem Wennebosteler Bauern stammte und für den Feldzug eingezogen worden war. Diese und noch viele andere Geschichten sind in der Wennebosteler Chronik nachzulesen.