„Wenn's knallt, dann aber richtig!"

Polizei und Feuerwehr geben Hinweise und Sicherheitstipps

Region. Damit das Silvesterfeuerwerk ein schönes Erlebnis zum Abschluss des Jahres
bleibt und nicht mit Verletzungen und Verbrennungen endet, bitten Polizei und
Feuerwehr, die Vorschriften für den Verkauf und das Abbrennen von
Feuerwerkskörpern zu beachten. Was für die einen faszinierend ist, wird für
andere leicht zum Albtraum. Durch Unachtsamkeit und leichtsinniges Hantieren,
zum Teil auch unter Alkoholeinfluss, haben Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei
an Silvester Hochbetrieb. In den letzten Jahren gab es immer wieder auch Brände,
die gelöscht werden mussten, und es mussten Verletzungen, die auf unsachgemäßen
Umgang mit Feuerwerk zurückzuführen waren, versorgt werden.
Nicht nur beim Feuerwerk um Mitternacht, sondern auch bei der Silvesterparty in
den eigenen vier Wänden kann schnell ein Brand entstehen. Besonders beliebt bei
der Party daheim ist das Funken sprühende Tischfeuerwerk. Beim Abbrennen muss
jedoch darauf geachtet werden, dass das "Highlight" des Abends auf einer
feuerfesten Unterlage steht. Außerdem: "Unbedingt auf die richtige
Sicherheitsklassifizierung achten und das Feuerwerk vor leicht entzündlichen
Materialien wie beispielsweise Girlanden und Luftschlangen fern halten", warnen
Experten der Feuerwehr. Alkoholisierte Personen sollten den Umgang mit Böllern,
Kanonenschlägen und Raketen unbedingt vermeiden und das Anzünden der
Feuerwerkskörper anderen überlassen. Vor dem Zünden der Silvester-Knaller ist es
zudem ratsam, die Gebrauchsanweisung sorgfältig zu lesen.
Nicht zugelassene und gefälschte Feuerwerkskörper gelangen zunehmend durch
illegale Einfuhr nach Deutschland. Zu kurze Zündschnüre oder eine mangelhafte
Verarbeitung sind nur einige Gründe für die Gefährlichkeit der Billigware.
Generell sollte nur Feuerwerk mit der Zulassung von der Bundesanstalt für
Materialforschung und -prüfung (BAM) gekauft werden. Die auf dem
Feuerwerkskörper aufgedruckte "BAM-Zulassungsnummer" und eine seriöse
Bedienungsanleitung zeichnen ein sicheres Feuerwerk aus. Das Angebot an
Feuerwerkskörpern ist reichhaltig. Tüftler sollten deshalb auf "Basteleien"
verzichten, denn das Hantieren mit Schwarzpulver ist hochgefährlich. Was
unterschätzt wird: Bereits durch Stöße, Reibung, Elektrostatik oder jede Art von
Zündquellen kann es zu explosiven Reaktionen kommen. Deshalb nur so viel
Pyrotechnik kaufen, wie an Silvester auch abgebrannt wird. Die gekauften
Feuerwerkskörper sollten dann an einem sicheren und für Kinder nicht
zugänglichen Ort aufbewahrt werden. Vorsicht: Ungeprüfte "Billig-Böller" oder
selbst gebastelte Silvester-Kracher sind lebensgefährlich!
Beim Abfeuern gilt: Feuerwerkskörper nie auf Menschen richten, Raketen und
Böller immer im Freien und niemals aus der Hand abbrennen. Außerdem dürfen
Raketen grundsätzlich nur senkrecht und aus sicheren Behältern abfeuert werden,
wie bspw. aus leeren Flaschen im Getränkekasten. Sie dürfen niemals in
geschlossenen Räumen gezündet werden. Falls Feuerwerkskörper einmal versagen,
sollte man niemals versuchen, sie erneut zu zünden. Blindgänger lieber liegen
lassen und zur Sicherheit mit einem Wassereimer löschen
Neben Verbrennungen ist die zweithäufigste Verletzung beim Feuerwerk der
Hörschaden. Diese Gefahr wird häufig unterschätzt, da der Schaden wegen der
kurzen Dauer des Geräusches oft nicht als schmerzhaft empfunden wird. "Doch
explodierende Feuerwerkskörper erreichen in einem Umkreis von 2 Meter einen
Lärmpegel von bis zu 160 dB im Spitzenwert. Der entstandene Hörschaden wird dann
oft erst später bemerkt. Zu den längerfristigen Schäden zählen irreparable
Hörschäden wie Knalltraumata, Trommelfellperforation oder Hörstürze (Tinnitus)",
so Experten der Feuerwehr weiter. Besonders gefährdet sind Kinder. Die Feuerwehr
appelliert: "Schützen Sie daher Ihre Kinder und Ihr eigenes Gehör mit
Gehörschutz wie etwa Ohrstöpsel."
Insbesondere in Städten kommt es zum Jahreswechsel zu zahlreichen Balkonbränden.
Daher sollte der Balkon schon vor dem Silvester-Feuerwerk um Mitternacht frei
von brennbaren Gegenständen gehalten werden. Außerdem: Fenster, Dachluken sowie
Terrassen- und Balkontüren in der Silvesternacht schließen, so dass keine
abstürzenden Raketen, Leuchtkugeln oder Funken in die Wohnung kommen können.
Auch zum Umgang mit Leuchtmunition aus Schreckschusswaffen gibt es wichtige
Tipps: Das Verschießen von pyrotechnischer Munition aus erwerbserlaubnisfreien
Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen ist vom eigenen eingezäunten
Grundstück ohne eine waffenrechtliche Erlaubnis zulässig. Dies gilt allerdings
nur dann, wenn es den Vorgaben der Verwendungssicherheit - also Schießen
senkrecht nach oben und nicht in der Nähe von leicht brennbaren Objekten -
entspricht. Wer zur Silvesterfeier bei einem Bekannten eingeladen ist, darf auch
vom dortigen Grundstück geschossen werden, wenn der Inhaber des Hausrechts
hierfür seine Zustimmung erteilt. Ist die Verwendungssicherheit nicht gegeben,
muss das Schießen grundsätzlich unterbleiben, da eine Gefährdung Dritter nicht
ausgeschlossen ist. In allen anderen Fällen ist das Schießen mit erwerbserlaubnisfreien
Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen außerhalb einer genehmigten
Schießstätte auch an Silvester grundsätzlich nicht erlaubt. Dies gilt auch für
die Erlaubnisinhaber eines Kleinen Waffenscheins, da die Erlaubnis lediglich zum
Führen der Waffe, aber nicht zum Schießen außerhalb von Schießstätten
berechtigt.
Mit Feuerwerkskörpern darf nicht nach Personen geworfen oder geschossen werden.
Bei Bränden und anderen Notsituationen sollte der Notruf 112 gewählt werden.
„Durch Fahrlässigkeit oder vorsätzliches Fehlverhalten kann aus einem
Silvesterspaß schnell Brandstiftung, Körperverletzung oder Sachbesch digung
werden", weiß die Polizei. Außerdem können zivilrechtlich
Schadensersatzforderungen geltend gemacht werden. Für Kinder und Jugendlich sind
Eltern oder andere Aufsichtpflichtige mitverantwortlich.
Für einen entspannten Jahreswechsel hier einige Sicherheitstipps:
- Nicht nur zum Schutz vor Wind und Wetter, sondern auch für die
Sicherheit, sollte auf die richtige Kleidung geachtet werden.
Gerade Fleece und Kunststoffgewebe sind leicht entflammbar und
sollten deshalb nicht getragen werden.
- Schützen Sie Ihre Wohnung in der Silvesternacht vor
Brandgefahren. Auf Balkonen und Terrassen sollten leicht
entflammbare Gegenstände weggestellt, Fenster und Türen
geschlossen werden.
- Die Gebrauchsanweisung eines Feuerwerkkörpers vor dem Gebrauch
genau durchlesen.
- Knallkörper niemals in geschlossenen Räumen verwenden. Raketen
nur im Freien mit Sicherheitsabstand zu anderen Menschen, Autos
und Gebäuden zünden. Zudem sollten Raketen aus großen Flaschen,
die in Kästen stehen, gestartet werden.
- Nicht gezündete Feuerwerkskörper (Blindgänger) niemals noch
einmal anzünden.
- Feuerwerk darf nur vom 31. Dezember bis 1. Januar abgebrannt
werden. Pyrotechnische Munition darf mit Schreckschuss- und
Signalwaffen nur vom 31. Dezember, 15 Uhr, bis zum 1.Januar, 5 Uhr, verschossen werden.
- Besonders gefährlich - und daher verboten - sind nicht
zugelassene oder selbstgebaute Knallkörper.
- Keinesfalls sollten pyrotechnische Artikel unter, auf oder gar
nach fahrenden Fahrzeugen geworfen werden.
- Mit Feuerwerkskörpern niemals nach Personen werfen oder auf
Personen schießen.
- Kinder und Jugendliche nur ungefährliche Artikel abbrennen
lassen und dabei beaufsichtigen.
Parallel verweist die Polizei auf das absolute "Böllerverbot" in bestimmten
Bereichen: Grundsätzlich ist es verboten, Feuerwerk jeder Kategorie in unmittelbarer Nähe
von Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen sowie von Kirchen abzubrennen. Das
Verbot gilt auch in unmittelbarer Nähe von Reet- und Fachwerkhäusern. Bei
Verstößen drohen Bußgelder bis zu 50.000 Euro. Wegen der erhöhten Brand- und
Verletzungsgefahr haben mehrere Städte und Gemeinden in der Region das Abbrennen
von Feuerwerk untersagt.