WhatsApp, Flugmodus und Solitaire

Waltraud Mieske (links) und Ilona Müller lernen vom 16-jährigen Schüler Paul Bakenhus den Umgang mit dem Smartphone.

Senioren lernen von Schüler Umgang mit dem Smartphone

Mellendorf. Montagnachmittag, draußen strahlender Sonnenschein und dennoch sitzen in Mellendorf im Mehrgenerationenhaus Waltraud Mieske und Ilona Müller gemeinsam mit Paul Bakenhus an einem Tisch und starren auf ihre neuen Handys. Die beiden Frauen sind gekommen, um von dem 16-jährigen Schüler das nötige Know How für den besseren Umgang mit ihrem Smartphone zu erlernen, denn in kaum einem anderen Bereich macht sich der Generationsunterschied mehr bemerkbar.
Während die junge Generation quasi 24/7 an den Geräten hängt und bestens Bescheid weiß über WhatsApp, Navigationsapps und Co., tun sich ältere Menschen oft schwer beim Bedienen eines Smartphones. Diesem Problem soll entgegengewirkt werden. „Ich habe das Smartphone von meinen Kindern geschenkt bekommen“, erzählt Ilona Müller. „Sie hatten mir auch schon alles schön vorinstalliert. Dann hieß es nur noch: Tschüss Oma – und dann waren sie weg.“
Mit der Benutzung sei sie erst einmal überfordert gewesen, erzählt die frühere Versicherungsangestellte. Die 70-Jährige aus Elze findet es deshalb besonders gut, dass sie in dem zweimal wöchentlich laufenden Kurs des Schülers die Chance erhält, etwas Neues zu lernen. „Es macht mir Spaß und ich bin überrascht, was es für Möglichkeiten gibt. Bedingt dadurch hat sich im Alltag auch der Kontakt mit meinen Kindern vermehrt, das finde ich ganz angenehm."
In den nächsten 60 Minuten geht es um die verschiedensten Dinge – unter anderem wird das Verschicken eines Fotos via WhatsApp geübt, das Downloaden und Löschen von Apps sowie der Neustart des Gerätes. Nachdem Waltraud Mieske gemeinsam mit Paul auch herausgefunden hat, wie viel Guthaben sie noch zur Verfügung hat, möchte die 66-Jährige noch wissen, was eigentlich die 45 Prozent Prozent auf dem Bildschirm zu bedeuten haben. „Das ist ihr Akkustand“, erklärt Paul. „Oh, das ging aber schnell runter“, wundert sich Mieske. „Ich hab's doch gestern erst aufgeladen.“ Die 66-Jährige aus Negenborn hat sich vor zwei Monaten ein Smartphone zugelegt, weil Bekannte ihr gerne über WhatsApp Bilder schicken wollten. Nun übt sie eifrig, was sie mit dem Gerät anstellen kann. Kreuzworträtsel kann man auch machen? Waltraud Mieske ist begeistert. Ilona Müller mag Solitaire lieber.
Paul Bakenhus verdient mit dem Kurs etwas zu seinem Taschengeld dazu, er gibt den Smartphone-Unterricht seit einem knappen Jahr in Mellendorf. Wo liegen aus seiner Sicht die größten Schwierigkeiten der Teilnehmer? „Sie sind mit den meisten Begriffen nicht vertraut.“ Das erschwere ihm manchmal das Erklären der Dinge. Doch „hoffnungslose Fälle“ habe er eigentlich noch nie gehabt, sagt der 16-Jährige.
Waltraud Mieske und Ilona Müller sind beide der Meinung, dass die meisten Jugendlichen zu oft am Handy hängen. Die beiden Frauen finden es aber dennoch sinnvoll, dass sich heutzutage auch schon in Schulen mit dem Smartphone beschäftigt wird – ohne das Gerät gehe es eigentlich nicht mehr, meinen auch sie. „Wenn man damit nicht umgehen kann, steht man heutzutage auch dumm da“, sagt Ilona Müller.
Kurz vor Kursende, nachdem auch geklärt ist, was eigentlich der Flugmodus ist, hat die Rentnerin noch eine Frage: „Können Sie mich mal anrufen? Letztens hat mich wieder mein Sohn angerufen und ich konnte es nicht annehmen“, erzählt die 70-Jährige. „Aber klar“, sagt Paul und so sitzen die beiden kurz darauf nebeneinander, beide mit Handy am Ohr und Müller ist sichtlich zufrieden, dass sie es mit der Unterstützung des Gymnasiasten geschafft hat, den Anruf entgegenzunehmen. „Heute wurden wieder viele Unklarheiten beseitigt“, sagt eine der Frauen. Und nächsten Montag geht es weiter.