Wiedervernässung von Hochmooren

Ein ehemaliger Entwässerungsgraben im Schwarzen Moor wird mit einem Bagger verschlossen. Wo erforderlich, muss mit dem Bagger Vegetation entfernt werden, um an darunterliegenden Boden zu kommen. Vegetationskundlich wertvolle Bereiche werden von vornherein von den Arbeiten ausgespart. Foto: Jens Fahning, NLWKN

Bauarbeiten stoßen bei Anwohnern teilweise auch auf Kritik

Resse (awi). Nach dem Beginn der bauvorbereitenden Arbeiten im Otternhagener Moor haben auch im Schwarzen Moor bei Resse die Baumaßnahmen zum Wasserrückhalt begonnen. Wie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mitteilt, rückte hierzu vor rund zwei Wochen die beauftragte Baufirma mit den erforderlichen Maschinen an. Die Arbeiten dienen der Wiedervernässung von insgesamt vier Hochmooren in der Region Hannover im Rahmen des LIFE+-Projekts „Hannoversche Moorgeest“.Allerdings wurde aus Resse auch Kritik an den massiven Bauarbeiten und Bodenbewegung laut, die sich vor allem auf die Frage konzentriert, was mit den vielen Igeln auf dem Grundstück passiert ist? „Wenn sie nicht plattgefahren wurden von den schweren Maschinen, haben sie auf jeden Fall kein Winterquartiert mehr“, so ein Anlieger im Gespräch mit dem ECHO. Warum wurde das nicht bedacht, fragt er und ob Moorschutz über Tierschutz geht. Unverständnis wurde auch laut, dass mit Flutlicht bis Mitternacht gearbeitet werde. Auf den Wagen würden rund 30 Festmeter Holz verladen. Dadurch seien die Fahrzeuge sehr schwer geworden und hätten tiefe Spuren hinterlassen. Und die Bäume wurden gefällt, aber alle Stucken stehen gelassen. Es werde ewig dauern, bis diese verrottet sind, gibt der Anlieger zu bedenken und fordert Informationen ein. Aufgrund der aktuell trockenen Bedingungen konnte das Gebiet im östlichen Zentrum des Schwarzen Moores mit einem Minibagger befahren und an ersten Grabenverschlüssen gearbeitet werden, berichtet Susanne Brosch vom NLWKN Hannover auf Anfrage. „An vorher gekennzeichneten Stellen in Entwässerungsgräben wurden bereits erste Staupunkte gesetzt, welche künftig den Regenwasserabfluss verhindern“, erklärt die Projektmanagerin.
Der Landesbetrieb ist Projektträger für das LIFE+-Projekt und setzt es im Auftrag des Umweltministeriums gemeinsam mit der Region Hannover um. IhreMitarbeiter seien regelmäßig vor Ort und besprächen mit der Baufirma den weiteren Fortgang der Bauarbeiten. Die Grabenverschlüsse seien weitestgehend abgeschlossen. Hier sei mit einem Minibagger sehr schonend gearbeitet worden. Gehölze hätten in der Regel nicht entfernt werden müssen, so Brosch. Aktuell laufen die vorbereitenden Arbeiten zur Herstellung des Staubauwerkes am Vorwerk.
Um das Baufeld frei zu machen, müssen in geringem Umfang auch einige Bäume weichen. Hier kommt es teilweise auch zum Einsatz von schwererem Gerät undzu Vermessungsarbeiten zum Höhennivellement stattfinden, bestätigte Brosch. Um die aktuell trockenen Bedingungen auszunutzen sei es möglich, dass mit Beleuchtung bis in den Nachmittag hinein gearbeitet werde. Zweites Staubauwerk
Weiterhin ist die Errichtung eines zweiten, kleineren Staubauwerkes im Süden geplant. Die Arbeiten hierzu haben jedoch noch nicht begonnen. Das EU geförderte Naturschutzprojekt hat die Wiederherstellung moortypischer und naturnaher Wasserstände in den Mooren zum Ziel. Das Schwarze Moor ist mit rund 140 Hektar das kleinste von insgesamt vier Mooren und seit langem als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Im LIFE+-Projektgebiet liegen außerdem das Otternhagener, das Helstorfer und das Bissendorfer Moor. Im Süden und Südosten sind dem Schwarzen Moor etwa 23 Hektar Grünland vorgelagert, welche bereits überwiegend der öffentlichen Hand gehören und extensiv bewirtschaftet werden.
Teile des Moores im Süden und Westen sind weitgehend gehölzfrei, was zum einen dem hohen Grundwasserstand, und zum anderen den regelmäßigen Entkusselungen – die Entfernung junger Gehölze – im Rahmen der Gebietspflege zu verdanken ist. Hier hat sich eine artenreiche Moorlandschaft bei vergleichsweise hohen Wasserständen etabliert. Der größere Teil des Moores besteht aus mehr oder weniger feuchten Kiefern-Birkenwäldern auf einer unterschiedlich starken Resttorfschicht.
Regenwasser zurückhalten
Ziel der jetzt begonnenen Maßnahmen ist es, so viel Regenwasser wie möglich im Naturschutzgebiet zurückzuhalten. „Die Arbeiten dienen der Sicherung der schützenswerten Moor-Biotoptypen und damit auch der Lebensräume der feuchtigkeitsliebenden Tier- und Pflanzenarten der Moore“, so Susanne Brosch. Im Moor seien beispielsweise der Moorfrosch, verschiedene Libellenarten, Schlingnattern sowie der Kranich beheimatet. In Bereichen mit einer größeren Torfauflage sind typische Moorpflanzen wie Moosbeere, Rosmarinheide und Wollgras anzutreffen.
CO2-Gase reduzieren
Darüber hinaus dient die geplante Wiedervernässung des Torfkörpers der Reduzierung von klimaschädlichen CO2-Gasen. Die nach Wasserrecht genehmigten Maßnahmen umfassen die Herstellung punktueller Verschlüsse und Teilverfüllungen von Entwässerungsgräben im Moor. Auf knapp vier Kilometern Grabenstrecke wird so durch Verfüllungen mit örtlich vorhandenem Bodenmaterial der Regenwasserabfluss unterbunden und ein nachhaltiger Rückhalt ermöglicht. Darüber hinaus werden am Rand des Schwarzen Moores zwei kleinere Staubauwerke errichtet, welche den Wasserrückhalt unterstützen. „Gleichzeitig wird sichergestellt, dass bei Starkregenereignissen überschüssiges Wasser schadlos aus dem Gebiet abgeführt wird“, betont der NLWKN. Es ist geplant, die Baumaßnahmen bis zum Monatsende abzuschließen. Dies ist jedoch stark von der Wetterlage abhängig. Zunächst werden die Grabenverschlüsse fertiggestellt. Zuletzt wird das Staubauwerk im Westen des Moores in der Nähe der Straße „Zum Vorwerk“ errichtet. Dort informiert auch ein Bauschild des NLWKN über die Maßnahme. Spätestens Ende Februar 2022 müssen die Arbeiten beendet sein, um keine Störungen im Naturschutzgebiet zu verursachen.
Gehölze entfernt
Die Anwohnerkritik beziehe sich jedoch vor allem auf die Arbeiten im Otternhagener Moor, so Brosch auf Nachfrage. Dort würden seit Mitte Oktober Trassenfreistellungen in den äußeren Moorbereichen zur Herstellung von Arbeitsstreifen für die spätere Herstellung der Moordämme vorgenommen. Hierzu seien zunächst die Gehölze entfernt und die Stämme in Poltern an den Zufahrtswegen abgelegt worden. Das Reisig und Astmaterial liege noch auf den Flächen, werde aber ebenfalls noch abtransportiert. Die Stubben würden je nach baulicher Notwendigkeit in nachfolgenden Arbeitsgängen teilweise noch gefräst, teils verblieben sie auch im Boden.
Tabuflächen ausgewiesen
Bei allen Arbeiten werde auf bodenschonende Geräte und Arbeitsweise geachtet. Der Unternehmer habe hierzu eine Einweisung bekommen. Naturschutzfachlich sehr wertvolle Bereiche seien als Tabuflächen ausgewiesen und dürften nicht tangiert werden. Diese Arbeiten dürfen nur in einem Zeitfenster vom frühen Herbst bis in das zeitige Frühjahr durchgeführt werden, um keine Störungen in den Naturschutzgebieten zu verursachen. Grundlage der Planungen ist der Planfeststellungsbeschluss zum Otterhagener Moor einschließlich einer Umweltverträglichkeitsprüfung.
Schutzgüter berücksichtigt
Hierin wurden alle Belange und Schutzgüter wie Mensch, Boden, Wasser, Klima, Luft, Flora, Fauna, biologische Vielfalt, kulturelles Erbe berücksichtigt, als Anforderungen formuliert und auch in die Ausschreibungsunterlagen für die ausführenden Baufirmen aufgenommen. Im Verfahren habe eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung stattgefunden.
Zeitfenster ausnutzen
Die Maßnahmen seien ausführlich kommuniziert und mit den lokalen Akteuren abgestimmt worden, betont die Projektleiterin. Es sei richtig, dass im südlichen Otterhagener Moor die Arbeiten zur Holzrückung und zum Holzabtransport in den letzten Tagen teils bis Mitternacht und bei Beleuchtung erfolgt seien. Dies werde sich auch, je nach Wetterbedingungen, noch fortsetzen. Es sei notwendig, um die aktuell trockene Witterung auszunutzen. Beim ohnehin schmalen Baufenster vom frühen Herbst bis in das zeitige Frühjahr nutze die Baufirma das momentan trockene Wetter aus, um möglichst wenig Schäden durch Befahren zu verursachen. Je nasser die Bedingungen seien, desto tiefer würden die Fahrzeuge einsinken und Bodenverdichtungen verursachen. Sollten dennoch Bodenschäden verursacht werden, seien diese durch die bauausführende Firma nach Beendigung der Maßnahme zu beheben, versichert Brosch.