Windkraft ist noch nicht vom Tisch

Der Rotmilan unweit des Vorranggebietes Windkraft zwischen Brelingen und Wiechendorf. Foto: J. Brucks

IG Brelingen 03 ruft erneut zum Widerstand auf

Brelingen (awi). Die Interessengemeinschaft Brelingen 03 hat aus ihrer Perspektive über die Entwicklungen zur Windkraftkonzentrationsfläche Wedemark 03 informiert. Dabei standen insbesondere die Themen gerichtliches Vorgehen gegen das Regionale Raumordnungsprogramm der Region Hannover, die neuen avifaunistischen Erkenntnisse im Gebiet „Wedemark 03“, der aktuelle Stand der Flächennutzungsplanänderung und die vermutlich nächsten Schritte der Gemeindeverwaltung im Fokus.
Kommunen wie Wennigsen, Egestorf und Barsinghausen klagen gegen die dortigen Konzentrationsflächen für Windkraftanlagen. Sie haben ernsthafte Bedenken gegen die Planungen. Daneben laufen auch private Klagen gegen die Regionspläne in den Gebieten Neuwarmbüchen und Wedemark. „Die Gemeinde Wedemark halte sich allerdings extrem bedeckt, so Dieter Schröder und Jörg Brucks von der IGS Brelingen O3. Das könne möglicherweise an den avifaunistischen Erkenntnissen liegen, mutmaßen die IG-Mitglieder.
Schon bei Aufstellung des RROP habe es eine massive Widerspruchswelle von Trägern öffentlicher Belange - auch seitens der Naturschutzbehörden - und Bürgern gegeben. Die Bürger wollten die Nähe von über 200 Meter hohen Anlagen zur Wohnbebauung mit den dabei entstehenden negativen Einflüssen nicht hinnehmen. Auch wurden zusätzlich andere technische Gründe wie die Einflugschneise zum Flughafen Wunstorf und die Position innerhalb des Anlagenschutzbereiches von DFS- und DWD-Anlagen vorgebracht.
Bei der Aufstellung des RROP wurden dann viele fundierte umweltrelevante und avifaunistische Argumente vorgebracht. Die Verwaltungen hatten demnach schon frühzeitig Hinweise über Horste des Rotmilans im Bereich um und innerhalb des Gebietes Brelingen 03. So ist schon bei der Aufstellung Brutverdacht im Gebiet beim NLWKN dokumentiert worden. Durch die nun erfolgreiche Aufzucht von Milanen hat sich der Wert als Brutgebiet erneut bestätigt. Letztes Jahr war Brutverdacht gemeldet worden. Es klappte jedoch nicht mit einer Aufzucht wegen des ungünstigen Wetters. Dieses Jahr wurde an anderer Stelle erfolgreich gebrütet und zwei Jungtiere aufgezogen. Beides war in unmittelbarer Nähe zum Vorranggebiet. Sämtliche Behörden wurden informiert und haben die Dokumentationen vorliegen, betonte Jörg Brucks, der das Milan-Vorkommen in dem betroffenen Gebiet mit der Kamera dokumentiert hat.
Obere-, Untere Naturschutzbehörde sowie die Gemeindeverwaltung sind davon erneut und offiziell informiert. In dem Zusammenhang erinnern die Mitglieder der IG Brelingen 03 an die Ortsratssitzung mit der Vorstellung der Pläne zum Windkraftvorranggebiet in Brelingen vom 24. November 2015. Diese Veranstaltung sei von vielen Besuchern als eine von der Gemeinde initiierte Werbeveranstaltung für die REON AG als Windparkentwickler empfunden worden. Gemeindebürgermeister Helge Zychlinski habe in dieser Sitzung erklärt, wenn sich dort ein Horst des Rotmilans befindet, sei „der Drops gelutscht“. „Nun wird sich der Bürgermeister nicht an Worten, sondern an Taten messen lassen müssen", so Brucks und Schröder im Pressegespräch.
Die Gemeinde hat nach Informationen der IG trotz knapper Kassen und Kenntnis der Klagen gegen Teile des RROP das Planungsbüro planGIS GmbH für einen höheren fünfstelligen Betrag beauftragt, die Änderung des Flächennutzungsplans auszuarbeiten.
Nach einigen Verzögerungen könne wohl davon ausgegangen werden, dass die Unterlagen noch in diesem Jahr vorliegen werden, meinen Schröder und Brucks.  Die Bürger würden dann die Gelegenheit haben, ihre Stellungnahmen zu dem Entwurf einzubringen. Die Gemeinde werde den Entwurf in die Gremien geben und mit der öffentlichen Auslegung die Bürger auffordern, Stellung zu nehmen. Dies sei ein wesentlicher Bestandteil des Verfahrens und sollte von allen interessierten und betroffenen Bürgern wahrgenommen werden, so der dringende Aufruf der Interessengemeinschaft.
Diese aktuellen Widersprüche seien insoweit von besonderer Wichtigkeit, weil damit der Bürger auf das Verfahren und die Planung Einfluss nehmen könne.
Die Interessengemeinschaft erwartet, dass sich die Fraktion der Grünen und der NABU, die sich bislang nicht geäußert haben, jetzt positionieren und sich das Thema Rotmilan, der unter strengem Artenschutz der EU steht, zu eigen machen. Gleiches gelte natürlich auch für die anderen Ratsfraktionen. Der Ortsrat Brelingen habe – seinerzeit noch unter SPD-Führung – sich damals gegen das an dieser Stelle geplante Windkraftvorranggebiet ausgesprochen. Jetzt erwartet die IG die Erneuerung der Position. Das häufig von den Verwaltungen strapazierte Argument des Verbotes der Verhinderungsplanung ziehe an dieser Stelle nicht, da bei einer vertiefenden Planung vom RROP abgewichen werden könne und müsse, so Brucks und Schröder.