Windmühle beschäftigt Ortsrat

An ihr hat der Zahn der Zeit genagt: Die alte Windmühle in Abbensen. Foto: A. Wiese

Unfall: Ortsratspolitiker verwahren sich gegen Vorwürfe

Abbensen (awi). Zwei wichtige Themen wurden am Donnerstagabend im Ortsrat Wedemark I (Abbensen, Negenborn, Duden-Rodenbostel) diskutiert: Der tragische Unfall auf der Landesstraße am Nachmittag (siehe Artikel auf Seite 1) und die Zukunft der Windmühle in Abbensen, die in Privatbesitz ist, aber den Abbensern sehr am Herzen liegt. Das bestätigten zumindest mehrere Zuhörer im vollbesetzten Sitzungszimmer.
Der bauliche Zustand der Holländermühle, deren Ursprungsjahr nicht hundertprozentig feststeht, aber auf Grund einer Inschrift möglicherweise auf 1822 datiert werden kann, ist besorgniserregend, erklärte Holger Zorn von der Bauaufsicht der Wedemark. Die Mühle ist seit 1918 außer Betrieb. Mehrere Anläufe, sie als Denkmal zu erhalten, hat es offensichtlich schon gegeben. Sie scheiterten aus verschiedenen Gründen. Jetzt hat Gutachter Hagen aus dem Nachbardorf zusammen mit der Gemeinde die Mühlen noch einmal in Augenschein genommen und ist sicher, dass eine Erhaltung der Mühle nicht wirtschaftlich wäre. Auf mindes-tens 400.000 Euro beziffert er eine Restaurierung, die mit 90 Prozent einem Neubau gleichkommen würde, so dass die Mühle dann auch ihren Denkmalstatus verlieren würde. Die Abrisskosten würden rund 30.000 Euro betragen, da so abgetragen werden müsste, dass die Teile vorsichtig auseinandergenommen und sortiert würde, was möglicherweise für andere historische Mühlen noch zu gebrauchen wäre. Denn die Abbenser Mühle enthält durchaus Bestandteile, die einmalig seien, bestätigte Gutachter Hagen. Er bestätigte auf Nachfrage auch, dass andere Mühlen sogar noch weniger als zehn Prozent erhaltenswertes Material aufgewiesen und dennoch restauriert beziehungsweise neu aufgebaut worden seien. Es könne jedoch nicht darum gehen, eine Hülle hinzustellen, die schön anzusehen wäre, sondern es müsste eine Mühle wiederaufgebaut werden, die auch betrieben werden könne. Nur dann sei mit Genehmigungen und Zuschüssen zu rechnen. Dazu brauche es aber einen Träger und ein Konzept und selbstverständlich auch die Einwilligung des Eigentümers. An all diesen Dingen fehlt es aber in Abbensen, dessen Dorfverschönerungsverein bereits vor mehr als zehn Jahren einen Vorstoß in dieser Richtung unternommen hatte. Ortsrat und Abbenser kamen am Donnerstagabend überein, die Mühle zwecks abstützender kurzfristiger Maßnahmen zum Zeitgewinn ausräumen und begutachten zu lassen und danach die Abbenser zu einer Versammlung einzuladen, um das Gutachten vorzustellen und das weitere mögliche Vorgehen abzustimmen.
Zu Beginn der Sitzung hatte der Unfall auf der L 383 am Nachmittag die Diskussion um eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 50 und mögliche Versäumnisse des Ortsrates ausgelöst. Die Ortsratsmitglieder verwahrten sich gegen den Vorwurf, sich nicht genug für die Sicherheit an der L383 eingesetzt zu haben. Der stellvertretende Ortsbürgermeis-ter Wolfgang Kasten belegte das gestern vormittag noch einmal mit einer Auflistung der Forderungen des Ortsrates aus der Vergangenheit: 2009 haben sich der Ortsrat für das Buswartehäuschen an der Haltestelle Paul-Lincke-Weg eingesetzt, das Überholverbot vom Ende des Festplatzes bis zum CVJM-Zentrum mit Ausnahme von Treckern erreicht und von 2007 bis 2011 für die Ampel auf der Alten Zollstraße gekämpft. Seit einiger Zeit bereits fordere der Ortsrat jetzt ein Warnschild „Ampel“ vor der Kurve, betonte der Ortsrat am Donnerstag.