WinterJazz jetzt neu mit Filmabend

Haben wieder ein spannendes WinterJazz-Programm zusammengestellt: Dietrich von Mirbach (von links), Bettina Arasin, Harald Platte, Lisa Sacht und Peter Junker vom Kulturverein Brelinger Mitte und vom Orgelbauverein. Am 18. Januar geht es mit Stimmakrobat Andreas Schaerer los. Foto: A. Wiese
 
Das Quartett A Novel of Anomaly von Andreas Schaerer ist auch für die erfahrenen WinterJazz-Macher eine Herausforderung.Foto: Gregor Hohenberg

In Brelingen geht in den nächsten Wochen wieder so richtig die Post ab

Brelingen (awi). Man nehme einen Kulturverein, der sich gegründet hat, um ein ehemaliges denkmalgeschütztes Gasthaus zu erhalten und mit Leben zu füllen, ein Orgelbauverein, der als Kulturförderverein der Kirchengemeinde nicht nur Renovierungsarbeiten an, sondern auch kulturelle Veranstaltungen in dieser Kirche St. Martini mit der einzigartigen Akustik unterstützt.
Dann füge man eine gute Handvoll musik- oder besser jazzbegeisterter Ehrenamtlicher hinzu, die zufälligerweise auch noch was von Organisation und Technik verstehen, würze das ganze mit der entsprechenden finanziellen Defizitförderung durch Sponsoren wie Region und Kulturregion Hannover, die Gemeinde Wedemark und hannover airport und gebe zum Schluss eine große Prise Liebe, Lust und Leidenschaft dazu – fertig ist das WinterJazz-Programm.Wer keines der fünf Konzerte plus Kurzfilmabend verpassen möchte, ist gut beraten, sich gleich eine Dauerkarte für 70 Euro (ermäßigt 46 Euro) zu holen und alle Termine in seinem Kalender zu blocken: Den 18. Januar, den 1. Februar, den 15. Februar, den 29. Februar sowie den 6. und 14. März – getreu dem bewährten Brelinger WinterJazz-Motto „Gut zu wissen. Gutzu hören.“ Eine absolute Neuerung ist der von Filmesammler und -liebhaber Peter Struck aus Hannover konzipierte und präsentierte Kurzfilmabend mit nostalgischen Jazz-Filmen im Rhythmus der 50er bis 70er Jahre am 6. März um 20 Uhr in der Brelinger Mitte. Die Gemeinde Wedemark sponsert die Veranstaltung, daher ist der Eintritt frei. Die Zuschauer erleben mitreißende, historische Impressionen im 16-Millimeter-Format zu ganz unterschiedlichen Stimmungen des Jazz – und ganz nebenbei auch zur Kunst dieser Zeit. Doch das ist erst im März. Übernächstes Wochenende startet WinterJazz erst einmal mit Andreas Schaerer & a Novel of Anomaly in die neue Saison: am 18. Januar um 20 Uhr in der Kirche St. Martini. Der Schweizer Stimmkünstler Andreas Schaerer steht für Stimm-akrobatik und Weltjazz. Er und sein Quartett-Projekt sind eines der Highlights der internationalen Jazz-Szene, ausgezeichnet mit zahlreichen internationalen Preisen und Auszeichnungen. Und wenn der Akkordeon-Virtuose Luciano Biondini jazze Italianitá serviert, wird es geradezu poetisch. Kühl und rau hingegen, wenn der finnische Gitarrist Kalle Kalima elektronisch verfremdete Klänge einmischt. Mit „Zwischen den Welten“ können sich die Zuhörer auf jeden Fall auf ein energiegeladenes Programm mit Lucas Niggli am Schlagzeug freuen. Weiter geht es am 1. Februar um 20.30 Uhr in der Brelinger Mitte mit einem Doppelkonzert: Die hannoversche Nachwuchsband MØA aus dem Umfeld der Hochschule für Musik und Theater mit ihren Eigenkompositionen und die 2014 in Bremen zusammengefundene Nachwuchsband „Die letzte Hoffnung“: Vier risikofreudige Musiker produzieren sowohl düstere als auch eigensinnig heitere Klänge. Ihre kontrastreiche Musik reicht von energetischem Lärm bis zu melancholischen Balladen.
Am 15. Februar um 20 Uhr geht es dann wieder in die Kirche: Nur ihre Akustik kann dem Ensemble Eden, der Einheit von Jazz- und Streichquartett gerecht werden. Die treibende Kraft hinter dieser überzeugenden Fusion ist Bassist und Komponist Janosch Korell.
Vorsichtig herantastend entwickelt MØA durch Improvisation und Interaktionen geleitet ein farbenprächtiges Klangbild mit pulsierendem Groove, das die Energie und Leidenschaft der Musik widerspiegelt und die Zuhörer mitnimmt auf eine Reise mit überraschendem Ausgang. Hingabe und Mut zum Risiko sind das Leitmotiv von MØAs Erzählstücken. Dagegen wandelt „Die letzte Hoffnung“ auf genussvoll experimentellen, gleichermaßen traditionsbezogenen wie dem Unsinn frönenden Abwegen. Die vier risikofreudigen Musiker produzieren sowohl düs-tere als auch eigensinnig heitere Klänge.
Am meisten gespannt sind Harald Platte, Peter Junker, Dietrich von Mirbach, Peter und Bettina Arasin und Lisa Sacht allerdings auf das Ensemble Eden: Ein Streich- und ein Jazzquartett führen am 15. Februar um 20 Uhr in der St.-Martini-Kirche in ihrer Musik Einflüsse der europäischen und amerikanischen Musiktradition zusammen. Da spiegelt sich natürlich der emotionale Gehalt aller musikalischen Einflüsse in den Stücken wider. Die von vielen Musikern bereits hochgelobte Akustik der Kirche ist auch am 29. Februar gefordert, wenn um 20 Uhr das Adam Baldych Quartet ihr Projekt Sacrum Profanum – passend zum kirchlichen Ambiente – einläuten. Adam Baldych hat himmlische Klänge zu wunderbar irdischen Arrangements umgearbeitet, die ganz im Hier und Jetzt verortet und doch zwischen den Welten zu schweben scheinen. Dem gegenüber stellt er seine neuen Kompositionen. Doch sie alle eint der Geist der improvisatorischen Freiheit. Mit Sacrum Profanum beweist der polnische Violinst einmal mehr, dass er „der größte lebende Geigentechniker des Jazz ist“, wie es die FAZ formuliert hat.
Krönender Abschluss des aktuellen WinterJazz-Programms ist dann am 14. März um 20.30 Uhr in der Brelinger Mitte der Auftritt des Fynn-Grossmann-Quintetts. Der Bandleader gibt mit seinem
ersten Album „Halbwahrheiten“ einen fulminanten Einstand als Komponist und Arrangeur für sein niedersächsisches Quintett. Er schöpft dabei aus dem Vollen. Unter Verzicht auf technische Spielereien entfaltet er im Zusammenspiel von fünf Instrumenten eine Soundpalette, die von intimen kammermusikalischen Eindrü-cken bis zur explosiven Anmutung einer Big Band reicht. Die Wahrheit über „Halbwahrheiten“ ist, dass es die Msuker trotz aller Spiel-intensität schaffen, höchst anspruchsvolle, komplexe Kompositionen zwischen modernem Jazz und feinster Kammermusik ungemein luftig und leicht tönen zu lassen. Karten für alle Veranstaltungen gibt es ab sofort im Vorverkauf in der Brelinger Mitte (freitags von 9 bis 13 Uhr), bei Bücher am Markt in Bissendorf und in der Buchhandlung von Hirschheydt in Mellendorf. Die Konzerte von Schaerer und Adam Baldych kosten 22 Euro Eintritt (ermäßigt 15 Euro), die anderen Konzerte 18 Euro (ermäßigt zwölf Euro). Reservierungen sind auch unter konzerte.in.st.martini@gmail.com möglich.