„Wir vertrauen auf Gott, der nicht in Palästen wohnt“

Evangelische Kirchengemeinden verzichten auf Präsenzgottesdienste

Wedemark. Wohl selten ist den Pastorinnen und Pastoren im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen eine Entscheidung so schwer gefallen wie diese. Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen entschlossen sie sich gestern Vormittag dazu, die meisten Heilig-Abend-Gottesdienste in Präsenzform abzusagen. „Ich fühle mich nicht wohl dabei, Ehren- und Hauptamtliche in eine Veranstaltung zu schicken, die ich selber aktuell nicht besuchen würde“, hatte eine ehrenamtliche Kirchenvorsteherin aus der Elisabeth-Kirchengemeinde Langenhagen dazu im Vorfeld der Entscheidung mitgeteilt. „Die Einschläge kommen immer näher und wir müssen alles tun, um die Situation zu beruhigen.“ In einem Videomeeting hatte die Konferenz der Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakone bereits am Mittwoch das Für und Wider abgewogen: das Bedürfnis der Menschen nach Gemeinschaft und Spiritualität auf der einen, die Gefährdung durch das Corona-Virus auf der anderen Seite. „Mein Kopf sagt, dass der Verzicht auf Präsenzgottesdienste richtig ist, aber meinem Herzen fällt diese Entscheidung sehr schwer“, formulierte es Pastorin Reni Kruckemeyer-Zettel aus der St.-Marcus-Kirchengemeinde Wettmar.
„Wir geben zu: Auch wir sind ratlos, ob unsere Entscheidung richtig ist“, sagen Pastor Thorsten Buck und Pastorin Wibke Lonkwitz aus den evangelischen Kirchengemeinden in Bissendorf und Resse. „Überall im Land stehen Kolleginnen und Kollegen vor dieser Entscheidung und überall hören wir, wie schwer ihnen dies fällt.“ Er sei sehr froh, so Thorsten Buck weiter, dass sich die Pfarrämter im Kirchenkreis Burgwedel- Langenhagen miteinander abgestimmt hätten. „Ich wünsche mir für unseren Kirchenkreis, dass wir alle uns in unseren Entscheidungen der Solidarität über Gemeindegrenzen hinweg sicher sein können – egal,
wie diese Entscheidungen in den einzelnen Gemeinden auch getroffen wurden“, sagt auch Superintendent Holger Grünjes.
Bewusst betrifft die Entscheidung zum Verzicht auf Präsenzveranstaltungen auch die geplanten Freiluftgottesdienste: „Zunehmend teilen mir Ehrenamtliche mit, dass sie sich für unsere Weihnachtsgottesdienste vor der Kirche nicht mehr zur Verfügung stellen können“, berichtet Pastor Sebastian Müller aus der Christophorus-Kirchengemeinde Altwarmbüchen. „Ich brauche aber dringend Unterstützung, um das Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln sicherstellen zu können.“
Trotz des Verzichts auf die meisten Präsenzgottesdienste haben die evangelischen Kirchengemeinden für Heiligabend und die Weihnachtstage viele Angebote liebevoll vorbereitet: Krippenspiele als Video und in Form von Spaziergängen durch den Ort, die Weihnachtsgeschichte als Videobotschaft, Andachten von der Wäscheleine und im Netz, Fensterkrippen als verbindenden Gruß, musikalische Weihnachtsgrüße auf Video-Kanälen, gemeinsames Glockenläuten und offene Kirchen, in denen Pastorinnen und Pastoren präsent sind und Menschen still für sich beten oder das Licht aus Bethlehem mit nach Hause nehmen können. „Wir vertrauen auf den Gott, der nicht in Palästen wohnt, sondern sich den Menschen da gezeigt hat, wo sie im Alltag leben“ – so haben es Wibke Lonkwitz und Thorsten Buck formuliert.
In allen Gemeinden im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen werden am 24. Dezember von 18.50 bis 19 Uhr die Glocken läuten. Für 19 Uhr sind dann alle Menschen in Burgwedel, Isernhagen, Langenhagen und der Wedemark eingeladen, vor die Tür zu treten und miteinander „O du Fröhliche“ zu singen.
In der Wedemark verzichten die Kirchengemeinden St. Georg Mellendorf-Hellendorf, Elze-Bennemühlen, St. Michaelis Bissendorf und Kapernaum Resse zunächst auf alle geplanten Präsenzgottesdienste vom 20.Dezember bis 10. Januar. Lediglich für die Kirchengemeinde St. Martini Brelingen gilt, dass sie nur auf die Präsenzgottesdienste am 24. Dezember verzichtet und die übrigen Gottesdienste voraussichtlich wie geplant stattfinden, also der Gottesdienst am morgigen Sonntag, 20. Dezember, um 10 Uhr , der Bechergottesdienst am Freitag, 25. Dezember, die Gottesdienste to go in Negenborn und Brleingen am Sonnabend, 26. Dezember, und die musikalische Abendandacht am Sonntag, 27. Dezember, um 18 Uhr. In der Kirchengemeinde Elze-Bennemühlen ist auch die Lebendige Krippe in der Pfarrscheune abgesagt.
Die Kirchengemeinde Helstorf/Abbensen hat sich ebenfalls schweren Herzens entschlossen, sämtliche Gottesdienste ab Heiligabend bis einschließlich 10. Januar abzusagen.Trotzdem hält sie einige Angebote bereit. Am Heiligabend wird die Kirche in Helstorf von 16.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet sein, die Kerzen am Baum
brennen, Orgelmusik ertönt. Ein Andachtsblatt zum Mitnehmen liegt in der Kirche bereit. Die Kapelle in Abbensen wird in der Christnacht von 22 Uhr bis Mitternacht geöffnet sein.
Die katholische Kirchengemeinde St. Maria Immaculata in Mellendorf führt ihre Gottesdienste aber durch: am Heiligabend die Krippenandacht um 15, 16 und 17 Uhr und die Christmette um 22.30 Uhr, und auch die Heilige Messe amersten und zweiten Weihnachtstag, jeweils um 11 Uhr, sowie die Heilige Messe um 11 Uhr am Sonntag, 27. Dezember und um 17 Uhr am Silvestertag, 31. Dezember.
^Weihnachten wird anders – aber es wird", so die Bissendorfer Pastoren Wibke Lonkwitz und Thorsten Buck. Einige Ideen sollen die Menschen dabei unterstützen, zuhause Weihnachten zu feiern:  Ab Heiligabend brennt in St. Michaelis und vor der Christophoruskirche das Friedenslicht aus Bethlehem und kann bei einem Weihnachtsspaziergang in einer Kerzenlaterne nach Hause getragen werden. Man kann den Waldweihnachtsbaum der Pfadfinder besuchen oder die Bilder vom Krippenspiel der Scherenbosteler Konfis unter dem Glockenturm in Scherenbostel entdecken. Die Michaeliskirche ist von 15 bis 18.30 Uhr zum Gebet geöffnet, Pastor Thorsten Buck steht für Gespräche bereit. Zuhause kann eine Andacht am Christbaum gefeiert werden. Um dies zu ermöglichen, wurde im Bissendorfer Weihnachtsgemeindebrief ein Vorschlag veröffentlicht – und wer möchte, feiert mit den Pastoren eine Videoandacht. ES wurden
Fensterkrippen verschenkt und eingeladen, Sterne als #hoffnungsleuchten weiterzugeben.
Ein Vorschlag für eine Weihnachtsfeier am Lagerfeuer liegt im Turmraum von St. Michaelis bereit. Am 27. Dezember feiert St. Michaelis um 10 Uhr einen familiengerechten Zoom-Gottesdienst am Frühstückstisch – bis zu 100 Haushalte können sich dort einklinken. Details zu allen Angeboten finden Interessierte unter www.kirche-bissendorf.de.
In Resse wird Pastorin Wibke Lonkwitz von 16 bis 18 Uhr in der Kapernaumkirche ansprechbar sein und das Licht aus Bethlehem ausgeben. Hier kann die Krippe besucht werden und vor der Tür hängen über die Weihnachtstage die Bilder des Krippenspieles der Resser Konfis. Weitere Informationen unter www.kirche-resse.de. Ab dem vierten Advent wird in Bissendorf jeden Abend um 18 Uhr stellvertretend für die Gemeinde von einer Person das kleine Abendgebet im Turmraum der Michaeliskirche gefeiert – wenn die Glocken läuten.