„Wir waren ein gutes Führungsduo“

Debora und Christian Becker verabschieden sich aus Brelingen. Foto: Florian Kohne

Pastorin Debora Becker verabschiedet sich aus Brelingen

Brelingen. „Brelingen ist der Ort, an dem ich bisher am längsten gelebt habe“, erzählt Pastorin Debora Becker. Es ist wohl auch der Ort, der sie in ihrem Leben als Erwachsene am meisten prägte: Im Januar 2011 trat sie hier ihre erste Stelle als Pastorin im Probedienst an, blieb auch nach Ablauf der dreijährigen Probezeit und war damit die erste Frau im Pfarramt der Wedemärker Kirchengemeinde.
„Diese mehr als zehn Jahre waren für mich eine sehr intensive Zeit“, sagt die Pastorin, die sich nach der Geburt ihrer Tochter Hella im August in Elternzeit befindet. Ende Oktober endet ihre Zeit in Brelingen: Gemeinsam mit ihrem Mann Christian Becker und ihren beiden Kindern zieht sie in die Kleinstadt Vienna in Washington, D.C.; ihr Mann tritt im November eine Stelle als Austauschoffizier beim Heer in einer Abteilung des Pentagon an.
Vorfreude und Traurigkeit hielten sich bei ihr gerade die Waage, erzählt Debora Becker im Gespräch über ihren bevorstehenden Abschied aus Brelingen. Sie wird in den USA keine Arbeitserlaubnis erhalten, kann sich aber gut vorstellen, sich ehrenamtlich in einer deutschen evangelischen Gemeinde zu engagieren. Zwei, vielleicht auch drei Jahre wird die Familie in den USA leben; in dieser Zeit bleibt Debora Becker Pastorin der hannoverschen Landeskirche. Ihre ältere Tochter Henrike wird gleich nach dem Umzug die Vorschule ganz in der Nähe der neuen Wohnung besuchen und freut sich auf Amerika – der Abschied vom Brelinger Pfarrhaus fällt aber auch ihr schwer.
Im Rückblick auf ihre Zeit als Pastorin in Brelingen hebt Debora Becker vor allem eine Konstante hervor: die gute Zusammenarbeit mit der Kirchenvorstandsvorsitzenden Marion Bernstorf, mit der sie die Gemeinde über mehr als zehn Jahre gemeinsam leitete. „Zu Beginn war sie mir eine große Hilfe, mich hier in meine Aufgaben hineinzufinden“, erzählt Becker. „Später wurden wir dann immer mehr zu einem guten Führungsduo.“ Pastorin und KV-Vorsitzende hätten sich nie gegeneinander ausspielen lassen, erinnern sich beide; entscheidend dafür waren wohl immer wieder die große gegenseitige Wertschätzung und das Bemühen um eine gute Kommunikation. Der Kontakt wird auch über die gemeinsame Zeit in Brelingen hinaus halten, dafür haben Debora Becker und Marion Bernstorf gesorgt: Noch im Oktober wird Bernstorf Patin der kleinen Hella.
Rückblickend erinnert sich Brelingens Pastorin auch an wunderbare Gottesdienste und Gemeindefeste, an die Feier der Osternacht und an die Weihnachtsmärkte, an den Bau des Hortes im Gemeindehaus und den Ausbau der Pastoren-Waschküche zum Jugendraum. Sie erinnert sich an Begegnungen mit vielen Menschen im Dorf und daran, dass der Konfirmand*innenunterricht für sie zunächst eine große Herausforderung war, sie dann aber immer mehr Sicherheit gewann. Ein besonderes Anliegen waren ihr über all die Jahre die Beerdigungen: „Es ist jedes Mal ein Geschenk, die Geschichte eines Lebens zu hören“, sagt Debora Becker. „Das ist wie ein Buch.“ So war auch jede Traueransprache bei ihr wie eine Geschichte mit eigener Überschrift – die Geschichte des Lebens, dass die oder der Verstorbene gelebt hatte.
Ein ganz besonderes Ereignis, an das sich viele Brelinger gerne erinnern, war auch die Hochzeit von Debora und Christian Becker in der St.-Martini-Kirche. „Ich bekomme noch heute eine Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt Marion Bernstorf. „Das ganze Dorf war dabei und die Menschen warteten in langen Schlangen darauf, persönlich zu gratulieren – die Gemeinschaft hier im Ort ist schon etwas Besonderes.“
In einem Gottesdienst am 17. Oktober wird Debora Becker durch Superintendent Holger Grünjes aus ihrem Dienst in Brelingen verabschiedet. Die Vakanzvertretung in der Kirchengemeinde übernimmt Pastor Michael Brodermanns aus Hellendorf; für den Konfirmand*innenunterricht und Kasualien steht Karl-Martin Harms, Springerpastor im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen, zur Verfügung. Beerdigungen werden im Wechsel von den Wedemärker Pastorinnen und Pastoren übernommen.