„Wir wollen etwas für unser Dorf tun"

SPD-Ortsbürgermeisterkandidatin Christiana Böttcher engagiert sich gerne für die Politik, aber ihre Familie sowie Hund Ben und ihr Kater dürfen nicht zu kurz kommen.Foto: A. Wiese
 
CDU-Ortsbürgermeisterkandidat Marcus Thies ist seit fünf Monaten stolzer Vater. Jetzt wird die Freizeit zwischen der Poiitik und Söhnchen Henno aufgeteilt. Foto: A. Wiese

Christiana Böttcher (SPD) und Marcus Thies (CDU) sind bereits seit fünf Jahren ein gutes Team

Brelingen (awi). Dieselben Kandidaten wie vor fünf Jahren stellen sich in Brelingen für das Ortsbürgermeis-teramt zur Wahl: Ortsbürgermeisterin Christiane Böttcher hat dieses Amt seit 2004 inne, großen Spaß daran und tritt daher erneut für die SPD in Brelingen an. Herausforderer Marcus Thies (CDU) ist aktuell ihr Stellvertreter, war bereits vor fünf Jahren Ortsbürgermeisterkandidat der CDU und will es jetzt noch einmal versuchen. „So oder so“, sagen beiden übereinstimmend: „Wir sind schon jetzt als Ortsbürgermeisterin und Stellvertreter ein gutes Team und würden es auch andersherum sein.“ Von den Bürgern werde der harmonische Umgang untereinander im Ortsrat, zu dem neben CDU und SPD auch Grüne und WGW gehören, honoriert, sind beide überzeugt.
„Nie woanders gewohnt“
Christiana Böttcher (49) ist als geborene Carstens auf einem Bauernhof in Brelingen mit drei Brüdern aufgewachsen und hat „noch nie woanders als in Brelingen gewohnt“. Nach dem Besuch der Grundschule Brelingen und der Realschule in Mellendorf absolvierte sie von 1978 bis 1980 eine Ausbildung als Arzthelferin und arbeitete anschließend in ihrem Beruf. 1981 lernte sie ihren späteren Ehemann Matthias Böttcher in der Discothek Heckmeckgasse in Hannover kennen. Ein Jahr später wurde geheiratet. Die Bedingungen: Der Hannoveraner musste nach Brelingen ziehen. 1985 und 1988 wurden die Kinder Lea und Tim geboren. Der Sprung in die Politik erfolgte 1996: „Günter Kreft und Erwin Fischer sprachen mich an“, berichtet Christiana Böttcher. Dann ging alles ganz schnell. Sie trat in die SPD ein, kandidierte für Orts- und Gemeinderat und wurde auf Anhieb gewählt und 2001 wiedergewählt. Als Friedel Gießelmann sein Amt als Ortsbürgermeister in der laufenden Periode 2004 aufgab, wählte der Ortsrat
Christiana Böttcher zur Ortsbürgermeisterin und bestätigte dies nach der Kommunalwahl 2006. Ihr Gemeinderatsmandat gab Böttcher 2007 ab, weil ihre mittlerweile verstorbene Mutter schwerst pflegebedürftig war und die Doppelbelastung nicht zu schaffen war. 2009 rückte sie in die Regionsversammlung nach und kandidiert jetzt für alle drei Gremien wieder. Die parteiübergreifende Zusammenarbeit ist ihr ausgesprochen wichtig und das klappe in Brelingen auch sehr gut, betont Böttcher. Ihr gefällt ihr bunter Ortsrat. „Wir wollen alle etwas für unser Dorf tun. Das verbindet uns. „In der abgelaufenen Periode habe das prima geklappt: Der Kindergarten wurde renoviert, der Spielplatz am Eichendamm neu gestaltet, die Turnhalle saniert, eine Hortgruppe und eine Krippe eingerichtet, in moderater Form Bauland auswiesen, ohne den dörflichen Charakter Brelingens zu gefährden, das Lehrerhaus renoviert und für die Grundschule genutzt und die Grundschule bei der Einführung der sonderpädagogischen Grundversorgung unterstützt, um Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam beschulen zu können.
Für die nächste Ortsratsperiode haben sich Christiana Böttcher und die SPD in Brelingen vorgenommen, die Dorfgemeinschaft und entsprechende Privatinitiativen zu fördern und zu pflegen, den dörflichen und lebenswerten Charakter von Brelingen weiterhin zu erhalten, die offene Jugendarbeit zu fördern, für mehr Sicehrheit auf den Hauptverkehrsstraßen und Schulwegen zu sorgen, Vereine und Feuerwehr zu fördern und für ausreichende Ganztagsbetreuung für Kinder in Krippe, Kindergarten und Hort zu sorgen. „Auf diesem Punkt liegt mein besonderes Augenmerk, weil es für junge Familien immer wichtiger ist, dass beide arbeiten“, betont Christiana Böttcher. Bei allem Interesse und Engagement für die Politik stehen für die SPD-Ortsbürgermeisterkandidatin ihre Familie und ihre Tiere ganz oben an. Neben Hund Ben und den Katzen Filou und Oskar tummeln sich drei Wasserschildkröten, 20 Goldfische, vier Halsbandsittiche, Hamster, Kaninchen und Meerschweinchen in Haus, Garten und Teich der Böttchers. Und dann gibt es da ja auch noch den Kreisschützenverband. Als Ehemann Matthias hier 1994 aktiv wurde, stieg auch Christiana Böttcher 1996 als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit ein und hat dieses Ehrenamt bis heute inne. Die Schriftführerin macht sie der Einfachheit halber gleich mit. Sie selbst ist Mitglied in den Schützenvereinen Brelingen und Engel-
bostel. Letzteres ergab sich vor Jahren auf dem Landeskönigsball auf Norderney. „Um im Schützenverein Engelbostel Mitglied zu werden, braucht man drei Bürgen. Die fanden ich und mein Mann auf Norderney. Sie bürgten auf einem Bierdeckel für uns“, erinnert sich Böttcher schmunzelnd. Zurzeit ist sie übrigens fleißig mit Renovieren beschäftigt, im eigenen Haus und im Haus ihrer Kinder nebenan. Langeweile bleibt also ein Fremdwort im Hause Böttcher!
Herausforderer Marcus Thies ist mit seinen 37 Jahren der zweitjüngs-te Ortsbürgermeisterkandidat der CDU, nur Sven Sobanski aus Bennemühlen hat ihm noch drei Jahre voraus. Geboren ist er zwar in Langenhagen, und zwar als Aprilscherz am 1. April 1974 in der Silberseeklinik, aber wie Christiana Böttcher hat auch Marcus Thies sein ganzes Leben in Brelingen verbracht, ist dort zur Grundschule gegangen, dann zur Realschule Mellendorf und ab der zehnten Klasse zum Helene-Lange-Gymnasium in Hannover. Nach dem Abitur leistete er seinen Zivildienst 15 Monate lang in der Sozialstation der Gemeinde Wedemark ab und absovierte von 1994 bis 1996 eine Banklehre bei der Dresdener Bank in Hannover. Marcus Thies studierte Jura bis zum ersten Staatsexamen und arbeitete bereits parallel und anschließend acht Jahre lang bei den Scorpions und Familie Haselbacher, wechselte dann als Makler zu einem Finanzdienstleiter und ist seit drei Jahren im Vertrieb eines gewerblichen Photovoltaikherstellers angestellt. Mit Brelingen ist Thies fest verwurzelt – mit familiärer Vorbelastung: sein Vater ist Schützenvereinsvorsitzender, er selbst ist im Vorstand als Schriftführer, im Scheffer-Club aktiv und hat alle seine Verwandten und Freunde in Brelingen. Auch für Marcus Thies ist die Familie neben guten Freunden ausgesprochen wichtig. Zur Familie gehören Lebensgefährtin Nadine Lauenstein – ebenfalls eine Ur-Brelingerin –, deren neunjähriger Sohn Jari und seit fünf Monaten Söhnchen Henno. Zu vielen anderen Hobbys bleibt da gar keine Zeit mehr, nimmt doch die Politik ebenfalls breiten Raum im Leben von Marcus
Thies ein.
Bereits früh politisch aktiv
Bereits im November 1990 trat er in die Junge Union ein, angesprochen und geworben durch Jan Wisomiersky. Umgehend wurde er in den Vorstand gewählt, durchlief im Laufe der nächsten Jahre alle Vorstandsämter bis hin zum Vorsitzenden der JU Wedemark und zum Kreisvorsitzenden. Mit 18 Jahren trat Thies in die CDU ein, angesprochen von Karl-Heinz Bruns und Fritz Niemeyer, und wurde auch hier sofort in den Vorstand gewählt. Heute ist Thies Beisitzer der CDU Brelingen. Für den Ortsrat kandidierte er 1996 das erste Mal und erneut 2001. Nach der Hälfte der Wahlperiode rückte er für den ausscheidenden Wisomiersky in den Ortsrat nach und wurde 2006 direkt gewählt, ebnso in den Gemeinderat. Auch jetzt kandidiert Thies wieder für den Rat der Gemeinde, auf einem aussichtsreichen achten
Listenplatz. Auch er möchte sich mit der CDU Brelingen im Ortsrat für Vereine, Feuerwehr und Dorfgemeinschaft zur Stärkung des Ehrenamtes und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt von Jung und Alt einsetzen. Krippe, Kindergarten, Hort und Schule sind ihm wichtig, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern und eine qualitativ hochwertige Betreuung, Erziehung und frühkindliche Bildung sicherzustellen. Behutsame Baulandausweisung zur Stützung der Infrastruktur in Brelingen gehören ebenfalls zu den Zielen von Marcus Thies wie die Förderung des Ausbaus einer Senioren gerechten Dorfentwicklung. Und sollte wirklich noch etwas Zeit übrig bleiben würde Thies, der lange dem Fußball nachgejagt ist, gerne wieder Tischtennis spielen. „Da haben gerade wieder Männer in meinem Alter zu spielen angefangen. Da hätte ich schon Lust zu“, verrät der CDU-Ortsbürgermeisterkandidat.