Wird Bissendorf-Wietze abgehängt?

30 Meter vom Bordstein bis in Richtung Haus ist der Glasfaseranschluss kostenlos, das sind zehn Meter mehr als eigentlich geplant, freuen sich Christiane Krefeld, die die Bürgerinitiative „Glasfaser für Bissendorf-Wietze“ gerufen hat, und Ortsbürgermeister Daniel Leide. Sie wollen sich jetzt massiv dafür stark machen, dass die erforderliche Zahl von 40 Prozent der Haushalte, die den Vertrag mit htp unterschreiben, erreicht wird. Foto: A. Wiese

Christiane Krefeld fürchtet um kostenlosen Glasfaser-Anschluss und gibt Gas

Bissendorf-Wietze (awi). Ortsbürgermeister Daniel Leide und Geschäftsfrau Christiane Krefeld sind überzeugt: Der Grund dafür, dass nach aktuellen Informationen von htp in Bissendorf-Wietze die 40-Prozent-Marke für das Glasfaser-Ausbaugebiet bei weitem nicht erreicht ist, liegt vor allem an einer Fehleinschätzung der Dringlichkeit der Lage, ist Christiane Krefeld überzeugt. Daher hat sie sich entschieden, die Initiative zu ergreifen, um im Rahmen der gewährten Fristverlängerung noch möglichst viele Bissendorf-Wietzer von der Notwendigkeit des Glasfaserausbaus zu überzeugen.
„Vielen ist nicht bewusst, dass sie, wenn sie jetzt keinen Glasfaseranschluss beantragen, absehbar keine Chance auf schnelleres Internet bestehen wird. Denn bei Nicht-Erreichen der 40 Prozent-Marke wird das Ausbaugebiet von der Liste gestrichen. Es ist nicht so, dass man später lediglich die Anschlusskosten fürs Haus selbst bezahlen muss, es wird einfach gar kein Glasfasernetz im Ort geben“, mahnt Christiane Krefeld eindringlich und ist überzeugt: „Dann ist der Zug abgefahren und ob sich je eine neue Chance für einen schnellen Internetanschluss ergeben wird, steht in den Sternen. Die Telekom habe dieses Gebiet bereits aufgegeben. htp und Deutsche Glasfaser werden nach diesem Anlauf – wenn er tatsächlich scheitere – sicher so schnell keinen neuen Anlauf starten. Andere Anbieter werden dieses Gebiet meiden, weil htp bereits einen hohen Marktanteil hat, so die Einschätzung der Anliegerin am Bussardweg. Sie wohnt relativ weit vorne, hat meistens noch einigermaßen Internet. Andere, die weiter hinten ihren Anschluss haben, wie Ortsbürgermeister Daniel Leide, haben eine wesentlich schwächere Leitung. „Eigentlich ist es kaum zu glauben“, so Krefeld im Gespräch mit dem ECHO, „dass ausgerechnet Bissendorf-Wietze von der 40-Prozent-Marke so weit entfernt ist. Jeder, den ich bisher angesprochen habe und der bereits unterschrieben hatte, war regelrecht entsetzt über das aktuelle Ergebnis. Alle waren sich sicher, dass der Glasfaseranschluss hier kommen würde. Krefeld vermutet, dass die Resonanz in Bissendorf-Wietze deshalb so gering ist, weil viele bereits eine vermeintlich ausreichende Internetgeschwindigkeit haben und derzeit die Notwendigkeit nicht sehen, eine noch schnellere Verbindung zu bekommen, die obendrein auch noch zusätzlich Geld kostet. Wer seinerzeit mit dem Internetvertrag zu htp gewechselt ist und nah genug am nächsten Schaltkasten wohnt, bekommt nun bis zu 50 MB. Meis-tens kommen davon nur 32 bis 36 MB tatsächlich an, was für die momentanen Anforderungen aber durchaus reicht. Weil es aber immer mehr Anwendungen gibt, die überdies immer komplexer und höher werden – die Anforderungen also immer höher werden - wird es nicht mehr lange dauern, bis das Netz wieder zu langsam wird. Es ist daher dringend vorausschauendes Denken erforderlich. Jeder neue Fernseher mit neuer Technik bei besserer Bildqualität lässt das Internet für den, der „dahinter“ wohnt, langsamer werden.
„Derzeit reicht uns selbst als Firma die Geschwindigkeit noch aus, auch wenn wir gern noch etwas schneller arbeiten würden“, schildert Christiane Krefeld ihre Situation: „Bei mir im Bussardweg steht der Server, auf dem die Mitarbeiter aus Magdeburg, Genthin und Pattensen zentral arbeiten. Wir bekommen hier aktuell rund 38 MB. Unser Buchhaltungsprogramm und die Anforderungen für die Verbindung zum Rechenzentrum wächst aber von Jahr zu Jahr. Das Arbeiten wird damit zwangsläufig verlangsamt.“ Für die Geschäftsfrau ist absehbar, dass in Kürze die Geschwindigkeit nicht mehr reichen wird. Und dies gelte sicher nicht nur im Geschäftsleben, sondern auch im Privatbereich. Wer samstags abends Netflix oder ähnliches streamen wolle, werde kaum einen Film störungsfrei und ohne Verzögerungen ansehen können. Für Ultra-HD-Streaming würden bereits jetzt mindestens 25 Mbit benötigt. Diese Art von Fernsehen wird sich immer mehr durchsetzen, nicht nur bei den jüngeren Leuten, ist Krefelds Ansicht.
Immer mehr Anwendungen im normalen Leben seien vom Internet abhängig, von Smart-Home-Anwendungen über Fernsehen, Musikhören, für Cloud-Anwendungen, Online-Banking, vermehrt auch die Kommunikation mit Behörden und Verwaltung, bis hin zum Telefonieren. Jede Software und jedes Betriebssystem-Update werde per Download aktualisiert. Das Internet werde bald so wichtig sein wie Strom und Wasser.
Um als Gemeinde attraktiv zu bleiben, habe sich die Wedemark für die Kooperation htp und Dt. Glasfaser stark gemacht, wohl wissend, dass ohne ein schnelles, zukunftsfähiges Internet die Wedemark irgendwann „abgehängt“ sein und insbesondere für Neubürger weniger interessant sein werde, gibt Krefeld zu bedenken: „Ich meine, dass dieses Engagement unterstützt werden sollte. Die Mehrkosten für ein doppelt so schnelles Internet via Glasfaser liegen bei uns gerade mal bei rund zehn Euro im Monat. Das dürfte, wenn man nicht gleich den 1.000 Mbit-Tarif bucht, auch für die meisten Privathaushalte gelten.“
Die Initiatorin der Bürgerinitiative führt auch noch ein anderes Argument ins Feld. Am Wohnungsmarkt werde bereits immer auf die verfügbare Bandbreite der angeboten Wohnungen und Häuser hingewiesen. Man sollte sich also darüber im Klaren sein, dass ein schneller Glasfaseranschluss bis ins Haus auch eine Wertsteigerung des Objekts bedeutet.
Nicht zuletzt sei auch das Problem der Oberlandleitungen in Bissendorf-Wietze nicht zu unterschätzen. Jeder Anwohner der Waldsiedlung wisse, wie häufig bei Sturm ein Baum umknickt. Trifft dieser eine der Oberleitungen, gebe es kein Telefon und kein Internet mehr – unabhängig von der Geschwindigkeit. Glasfaser wird dagegen unterirdisch verlegt, womit die Störanfälligkeit deutlich reduziert wird. Die Glasfaserleitung bringt in diesem Fall nicht nur eine höhere Bandbreite für die Zukunft, sondern die Möglichkeit, eine sichere Grundversorgung für Internet und Telefon zu realisieren!
„Ich hoffe, dass es unserer Initiative gelingt, noch viele Bewohner von Bissendorf-Wietze zu motivieren, sich für den Glasfaseranschluss zu entscheiden. Es sollte allen klar werden, was für eine Chance sich hier derzeit bietet. Ein Glasfaser-Hausanschluss, der normalerweise mehrere tausend Euro kostet, wird hier für die meisten Fälle kostenlos angeboten“, so Christiane Krefeld, die Ortsbürgermeister Daniel Leide voll auf ihrer Seite hat. Doch nicht nur ihn, viele Ortsratsmitglieder haben sich in den letzten Woche für den Glasfaseranschluss stark gemacht, Gespräche mit Bissendorf-Wietzern, aber auch mit htp geführt. „Denn bei der Informationsveranstaltung im Oktober kristalliserte sich heraus, dass zum Beispiel noch nicht klar war, wie Privatwege, und davon gibt es hier in Bissendorf-Wietze viele, gezählt werden. Der Glasfaseranschluss sollte von der Bordsteinkante ab 20 Meter kostenlos sein, hieß es zunächst“, berichtet der Ortsbürgermeister. Doch zählt ein Stichweg dann bei dieser Berechnung schon mit? Roland Fischer und Lydia Bock aus dem Ortsrat haben sich dahinter geklemmt. Daniel Leide berichtete beim Pressetermin mit Christiane Krefeld am Donnerstag: „Mittlerweile ist klar, dass der Privatweg wie eine normale Straße berechnet wird, also die Meter auf dem Weg nicht mitzählen, und die Distanz von 20 Metern ab Bordsteinkante wurde auf 30 Meter verlängert. Damit ist in Bissendorf-Wietze fast jedes Haus abgedeckt und es entstehen für die Verlegung der Leitung bis zum Haus keine zusätzlichen Kosten.“
Leide und Krefeld bitten alle Bissendorf-Wietzer, den Vertrag für den Glasfaseranschluss mit htp so bald wie möglich abzuschließen. Man kann sich per E-Mail an sie wenden unter daniel_leide@web.de oder an ckrefeld@nilaplan-hannover.de.Sie stellen den Kontakt zu htp her, falls keine Anträge mehr vorhanden sind oder Fragen aufkommen. Leide und Krefeld kündigten am Donnerstag an, htp noch einmal auf eine aktive Werbeaktion in Bissendorf-Wietze anzusprechen. Das überschnitt sich mit der Pressemitteilung von htp zu allen Gebieten, die die Zielzahl noch nicht erreicht haben (siehe Text unten).