„Wohlfühlverkehr für die Wohlfühlgemeinde“

Antje Pobloth von Parents for Future überreichte Bürgermeister Helge Zychlinski beim Start der Fahrraddemo vor dem Rathaus die Forderungen der Organisatoren. Foto: A. Wiese
 
Die Initiatoren trugen vor dem Start ihre Forderungen an Politik und Verwaltung vor dem Rathaus vor.

Parents for Future stellten bei ihrer Fahrraddemo klare Forderungen an Bürgermeister und Rat

Wedemark (awi). Taten wiegen bekanntlich mehr als Worte und so lag der Fokus der Fahrraddemo von Parents for Future auch nicht auf den Reden, sondern auf dem Radeln. Die Beteiligung von rund 165 Radlern, die bei der angemeldeten Demo hinter dem Polizeiwagen her vom Mellendorfer Rathaus bis zum Bissendorfer Amtshof und zurück fuhren, übertraf sogar die Erwartungen der Organisatoren. Sie freuten sich, dass Bürgrermeister Helge Zychlinski beim Start persönlich zugegen war und überreichten ihm ihren Forderungskatalog. „Wir fordern vom Bürgermeister und vom Gemeinderat Wohlfühlverkehr für die Wohlfühlgemeinde“, so Antje Pobloth. Und Flora von Maltzahn trug die weiteren Forderungen vor:
1. Die Förderung einer Fahrradkultur in der Wedemark durch Öffentlichkeitskampagnen.
2. Sichere Fahrradwege, die alle Ortschaften in der Wedemark miteinander verbinden.
3. Sichere Straßenüberquerungen auf allen Fahrradstrecken.
4. Fahrradwege, die in Stand gehalten und auch im Winter frühzeitig und regelmäßig geräumt werden
5. Ausreichend sichere überdachte Fahrradparkplätze an den S-Bahn-Stationen und größeren Bushaltestellen.
6. Mehr Fahrradparkplätze mit Stahlbügeln an Bushaltestellen und an Geschäften, um die Räder sicher abzustellen.
7. Ein Lastenfahrrad in jeder Ortschaft.
8. Kostenlose Mitnahme der Fahrräder in der S-Bahn zu allen Uhrzeiten, wie in vielen anderen Verkehrsverbünden schon lange Standard.
9. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung erhöht die Verkehrssicherheit für alle VerkehrsteilnehmerInnen und reduziert Luftverschmutzung und Verkehrsbelastung.
Daher forderten die Demonstranten innerorts eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer, damit alle sicher fahren können.
Hintergrund der Aktion war auch ein hervorragendes Ergebnis für die Wedemark im Stadtradeln: In den letzten drei Wochen haben 408 Wedemärker sich am Stadtradeln beteiligt. 29 Teams sind fast 95.000 Kilometer in den drei Wochen gefahren. Auch sechs Ratsmitglieder und 17 Personen aus der Verwaltung waren dabei. Das Team Campus alleine hat 47.000 Kilometer gesammelt, gefolgt vom Sennheiser Team mit 8800 Kilometer, dem ADFC und Natourtalent mit jeweils 6500 Kilometer. Das ist großartig! Das Team Campus W ist auf dem dritten Platz in der Region und die Wedemark auf Platz sieben in der Region. Zusammen haben die Wedemärker mit dem Radfahren etwa 14 Tonnen C02 vermieden.
Diese Zahlen zeigen, dass die Wedemärker Rad fahren wollen und dass es ein großes Potential gibt, durch eine fahrradfreundlichere Politik einen gesellschaftlichen Mehrwert für alle zu leisten, waren sich die Organisatoren einig. Jeder Fahrradkilometer bringt der Wedemark 30 Cent: Fahrradfahren lohnt sich für alle! Genau berechnet erwirtschaftet jeder Fahrradkilometer 30 Cent für das Gemeinwesen. Mit den 94.917 Kilometern, die die Wedemärker Bürgerinnen und Bürger während des dreiwöchigen Stadtradelns gefahren sind, haben sie für alle einen gesellschaftlichen Nutzen von 28.500 Euro geschaffen. Diese Zahl beruht auf der Berechnung von Verkehrswissenschaftlern, die sich vielfältige Faktoren wie Subventionen, Lärm, Luftverschmutzung, Reisezeit, Parken, Umwelt- und Klimaschutz, Unfälle und höhere Lebenserwartung angesehen haben. Radfahren ist klimafreundlich – vor allem für Kurzstrecken, gesund für Radfahrer und Anwohner, sicherer, kostengünstig, platzsparend und macht Spaß. Der größte Nutzen des Fahrradfahrens liegt jedoch in den gesundheitlichen Vorteilen für uns selbst und für das Gesundheitssystem. Jeder Autokilometer kostet die Wedemark 20 Cent: Jeder Autokilometer kostet das Gemeinwesen. Über die Kosten hinaus, die von Autofahrenden selbst gezahlt werden, trägt das Gemeinwesen 20 Cent pro Kilometer. Eine Autofahrt von etwa 6,6 Kilometer von Bissendorf nach Mellendorf und zurück kostet somit 1,32 Euro. Der wichtigste Faktor für diese Kosten ist die Instandhaltung der Straßen und die Luftbelastung.
Vor diesen Hintergründen ist es eine wichtige Aufgabe der Verkehrspolitik, Menschen dazu zu bewegen, vor allem kurze Wege mit dem Rad zurück zu legen. Das Klimaschutzaktionsprogramm der Gemeinde Wedemark von 2010 geht von deutlichen Einsparpotentialen der CO2-Emissionen im Verkehr aus. Nach zehn Jahren gibt es von der Gemeinde jedoch keinen Bericht dazu, wie das Aktionsprogramm umgesetzt wurde. Das Potential für klimafreundlichen Verkehr ist bei weitem nicht ausgelastet. Stattdessen sind die Straßen voller Autos. Die Gemeinde Wedemark hat bereits ein Verkehrskonzept und Radwegekonzept, in dem die Mängel in der Verkehrs- und Fahrradpolitik aufgezeigt werden. Darüber hinaus wurden auch in der Aktion Stadtradeln viele konkrete Mängel in der Sicherheit und der Qualität der Fahrradwege gemeldet.
Tempo 30: Die Ortschaften in der Wedemark sind alle durch Hauptverkehrsstraßen mitten durch die Ortschaft belastet. Darum ist die Einführung eines Tempolimits ein wichtiger Beitrag Fahrradfahren attraktiver zu machen. Laut Studien des Umweltbundesamtes führt eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Hauptverkehrsstraßen zu einer geringeren Luftverschmutzung, geringerer Lärmbelastung und höherer Sicherheit. Auch ohne Radarkontrolle senkt die Einführung von Tempo 30 durchgehend die Geschwindigkeit, und die Leistungsfähigkeit der Hauptverkehrsstraßen wird durch das Tempolimit nicht nennenswert beeinflusst. Die Reisezeit der Autofahrenden wird durch Tempo 30 wenig beeinflusst, da der Verkehrsfluss wichtiger ist als die Geschwindigkeit.
Die Einführung von Tempo 30 in allen Ortschaften der Wedemark würde auch einen großen Beitrag zum Lärmschutz leisten. Gegenwärtig führt die Gemeinde Wedemark eine Lärmaktionsplanung durch, an der sich auch Bürgerinnen und Bürger beteiligen können. Fast 50 Prozent der Wedemärker sind von Lärmbelastung betroffen (14100 von 29500 Menschen). Allein 3700 Menschen sind mit Nachtlärm belastet. Die Fahrgeschwindigkeit spielt für den Lärm eine große Rolle. Auch vor dem Hintergrund ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h in allen Ortschaften sinnvoll.