Zahl der Straftaten ist gestiegen

Kommissariatsleiter Klaus Waschkewitz (links) und KED (Kriminalermittlungsdienst)-Leiter Kai-Uwe Bebensee präsentierten die Kriminalstatistik für 2017. Foto: A. Wiese

Zunahme der Sachbeschädigungen belastet Kriminalitätsstatistik 2017

Wedemark (awi). Die Anzahl der Straftaten in der Wedemark hat 2017 gegenüber dem Vorjahr um 7,78 Prozent (96 Fälle) zugenommen und dafür sind in erster Linie Sachbeschädigungen ursächlich. Während 2016 insgesamt 115 Straftaten festgestellt wurden, waren es 2017 immerhin 220 Fälle. Auch bei den Diebstählen an und aus Kraftfahrzeugen ist eine signifikante Steigerung um 29 Fälle (34,94 Prozent) auf 112 Taten feststellbar. Das ist das Fazit von Mellendorfs Kommissariatsleiter Klaus Waschkewitz und KED-Leiter Kai-Uwe Bebensee bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik für die Wedemark für 2017.
In allen anderen Deliktsbereichen habe es keine Zunahme gegeben beziehungsweise konnte sogar
teilweise ein deutlicher Rückgang festgestellt werden, zum Beispiel bei den Wohnungseinbrüchen von 114 auf 93, bei den Fahrrad-Diebstählen von 98 auf 80 und bei den Betäubungsmittel-Delikten von 45 auf 31. Gleichzeitig sei die Aufklärungsquote um deutliche 6,58 Prozentpunkte zurückgegangen, betonten Bebensee und Waschkewitz. Die Erklärung dafür: Bei den oben genannten Delikten, die in 2017 deutlich zugenommen haben, handelt es sich um sogenannte „aufklärungsungünstige Straftaten“. Dahingegen sind zum Beispiel die BtM-Delikte, die traditionell eine sehr hohe Aufklärungsquote aufweisen, deutlich zurückgegangen. Die Aufklärungsquote der Ladendiebstähle ist von über 96 Prozent auf 80 Prozent gesunken, bedingt durch ein geändertes Anzeigeverhalten der betroffenen Unternehmen, die mittlerweile nicht nur Anzeige erstatten, wenn sie einen Ladendieb gestellt haben, sondern auch, wenn sie Fehlbestände registrieren oder leere Umverpackungen finden.
Im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariates Mellendorf wurden im Jahr 2017 insgesamt 1.330 Straftaten registriert. Davon fielen insgesamt 1026 in die Bearbeitungszuständigkeit des PK Mellendorf. Gegenüber dem Jahr 2016 mit 932 bearbeiteten Straftaten bedeutet dieses eine Zunahme um 94 Taten, das entspricht plus 10,09 Prozent. Im Verbund der Polizei-
inspektion Burgdorf, zu der neben den Dienststellen in Burgdorf, Lehrte, Langenhagen, Großburgwedel auch das PK Mellendorf zählt, ist in 2017 ein marginaler Anstieg der bekanntgewordenen Straftaten von 15.975 auf 16.009 Taten festzustellen. In der Polizeidirektion Hannover – in den Dienststellen der LHH und der Region – ist sogar ein deutlicher Rückgang der bekanntgewordenen Fälle um 5,76 Prozent feststellbar. Die Aufklärungsquote der im Polizeikommissariat Mellendorf bearbeiteten Straf-taten lag 2017 bei 53,51 Prozent (2016: 60,09 Prozent). Zu den im Jahr 2017 im Zuständigkeitsbereich des PK Mellendorf 1.330 regis-trierten Straftaten konnten 524 Tatverdächtige (TV) ermittelt werden, 411 davon waren Männer, 113 Frauen.
Bei Betrachtung der einzelnen Deliktsgruppen fällt zunächst auf, dass die Anzahl der Körperverletzungsdelikte (gemeint sind einfache, gefährliche und fahrlässige Körperverletzungen) von 127 Fällen in 2016 nur marginal auf 131 in 2017 gestiegen ist. Die Aufklärungsquote konnte 2017 nochmals gesteigert werden und lag bei 97,71 Prozent gegenüber 96,06 Prozent im Vorjahr und damit auf einem sehr hohen Niveau. Für den Bereich der Eigentumskriminalität, der mit 567 registrierten Taten 42,63 Prozent des gesamten Straftatenaufkommens ausmacht, stellte KED-Leiter Kai-Uwe Bebensee fest, dass gegenüber 2016 mit 549 Taten die Eigentumsdelikte 2017 um 18 Taten auf 567 Taten leicht angestiegen sind. Von den im Polizeikommissariat Mellendorf bearbeiteten 429 Diebstahlsdelikten konnten 22,61 Prozent (2016: 37,09 Prozent) aufgeklärt werden. Dieser doch recht auffällige Rückgang der Aufklärungsquote ist dem Umstand geschuldet, dass es sich hierbei traditionell um „aufklärungsungünstige“, weil anonyme Delikte mit geringem oder nicht auswertbarem Spurenaufkommen handelt.
Die Anzahl der Diebstahlsdelikte unter erschwerenden Umständen (schwerer Diebstahl) lag 2017 mit 353 Fällen (2016: 315) deutlich über dem Vorjahr. Die Aufklärungsquote ist unter anderem aus den vorgenannten Gründen von 22,22 Prozent auf 14,73 Prozent zurückgegangen. Erfreulich sei dagegen, so Bebensee und Waschkewitze, dass die Anzahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle in der Wedemark von 114 Taten in 2016 auf 93 Delikte in 2017 zurückgegangen sei. Rund 40 Prozent der Einbrüche waren Versuchstaten. Ganz offensichtlich seien die Objekte in der Wedemark immer besser gesichert, zieht Bebensee Rückschlüsse auf die Präventionsarbeit der Polizei vor Ort. Auffällig sei, dass die Aufklärungsquote der nach wie vor zentral bei der Polizeiinspektion Burgdorf bearbeiteten Taten gesunken sei. Im vergangenen Jahr wurden in der Wedemark lediglich neun Kfz.-Diebstähle angezeigt. Sechs davon wurden in einer zentralen Ermittlungsgruppe beim Zentralen Kriminaldienst in Hannover bearbeitet. 2016 waren in der Wedemark sechs Kraftfahrzeuge als gestohlen gemeldet worden. Seit Dezember 2016 werden sowohl Kfz.-Totalentwendungen als auch Diebstähle von fest verbauten Navis und von Airbags im gesamten Zuständigkeitsbereich der Behörde zentral in der vorgenannten Ermittlungsgruppe bearbeitet.
Bei den registrierten Fahrraddiebstählen war ein deutlicher Rückgang von 98 Taten in 2016 auf 80 angezeigte Fälle in 2017 festzustellen. Häufige Tatorte waren dabei die S-Bahnhöfe Mellendorf, Bissendorf und Bennemühlen. Lediglich 11,25 Prozent der Taten konnten aufgeklärt werden. Die Anzahl der bekanntgewordenen Betrugsfälle ist gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant geblieben (199 in 2017 gegenüber 197 in 2016) Davon wurden 155 Fälle in Mellendorf bearbeitet. Die Aufklärungsquote konnte leicht gesteigert werden und liegt nunmehr bei 76,13 Prozent (2016: 74,34 Prozent). Sowohl die Fallzahlen als auch die Aufklärungsquote blieben im Deliktsbereich „Waren- und Warenkreditbetrug“ nahezu konstant zum Vorjahr.
Eine deutliche Auffälligkeit gab es in der Deliktsgruppe „Sachbeschädigung“. Von 220 Taten wurden 145 Strafanzeigen beim PK Mellendorf bearbeitet. Von diesen konnten erfreulicherweise 44,83 Prozent aufgeklärt werden. In 2016 lag die Quote lediglich bei 26,14 Prozent. Grund hierfür ist ein Sammelverfahren aus April 2017, in dem einem 16-jährigen Wedemärker und einem 19-jährigen Langenhagener die Sachbeschädigung an diversen Kraftfahrzeugen nachgewiesen werden konnten. Die Beschuldigten hatten innerhalb von 75 Minuten in verschiedenen Ortsteilen der Wedemark an insgesamt 47 Personenwagen die Heckscheiben eingeschlagen.
Die bekanntgewordenen Rausch-
giftdelikte sind gegenüber dem Vorjahr deutlich von 45 Taten auf 31 gesunken. Der Anteil der darin enthaltenen sogenannten qualifizierten BtM-Delikte (Handel mit BtM) ist von 15 in 2016 auf fünf Taten in 2017 zurückgegangen. Die Aufklärungsquote ist dabei von 100 Prozent in 2016 auf 85,71 Prozent in 2017 gesunken. Grund dafür sind mehrere Fälle, in denen Cannabispflanzen entdeckt wurden, die jedoch keinem Tatverdächtigen zugeordnet werden konnten. Von den 2017 ermittelten 524 Tatverdächtigen waren 68 Heranwachsende (18 bis 21 Jahre). Der Anteil der jugendlichen (14 bis 17 Jahre) Tatverdächtigen betrug 2017 42 bei 519 Tatverdächtigen. Dazu kommen zehn strafunmündige Kinder. Das entspricht einem Anteil von 1,91 Prozent aller Tatverdächtigen. Insgesamt gebe es im Bereich der Jugenddelinquenz keine Auffälligkeiten, stellte Kai-Uwe Bebensee heraus.