Zeitschiene für Planung verlängert

Der Saal im Gasthaus Bludau war während der Ortsratssitzung bis auf den letzten Platz besetzt. Foto: A. Wiese

Am 5. April erfahren Anlieger der Firma Sennheiser Einzelheiten zu Bauvorhaben

Wennebostel (awi). Es ging um die bereits im Vorfeld heiß diskutierten Erweiterungspläne der Firma Sennheiser – wo jetzt Parkplätze sind, soll ein Innovationscampus mit Cafeteria, Laborarbeitsplätzen und Präsentationsräumen entstehen und wo jetzt Wiese ist, sollen dafür 420 Parkplätze im hinteren Bereich Richtung Wennebos-
teler Kirchweg entstehen. Es war eine lange und wortreiche Sitzung des Ortsrates Wennebostel, bei der jeder Platz im großen Saal des Gasthauses Bludau besetzt war, doch am Ende waren sich die Beteiligten einig: Es war eine konstruktive Sitzung in guter Atmosphäre, manchmal hart in der Sache, aber fair im Umgang. Unter Beifall bestätigte die Mehrheit der Anwesenden im Saal schließlich noch einmal, dass sie die Entwicklung Sennheisers grundsätzlich begrüßen und Ortsbürgermeister Achim von Einem betonte ausdrücklich, dass sich das Unternehmen in Wennebostel zuhause und wohl fühlen kann. Damit das möglichst auch auf die unmittelbaren Anlieger zutrifft, bemüht sich die Firma im Gegenzug, deren Wünsche bei ihren Plänen zu berücksichtigen. Die Gemeinde, explizit Bürgermeister Tjark Bartels, hat sich die Vermittlerrolle auf die Fahnen geschrieben: „Ich möchte beiden Interessen gerecht werden“, betonte er im Laufe des Abends mehrfach: „denen der Firma und denen der Wennebosteler Bürger“. Zunächst einmal hat Bartels erreicht, dass die Zeitschiene spürbar entkrampft wird. Bei einem neuen Termin für die Anlieger am 5. April wird die Erweiterungsplanung mit der Verschiebung der Parkplätze detailliert vorgelegt. „Dann liegen die entsprechenden Gutachten vor und dann können wir auch Näheres zu Bauhöhen sagen. Zurzeit verhandeln wir noch mit der Firma“, erklärte Bartels. Bisher existierten nur Skizzen und unvollständige Dinge wolle er nicht präsentieren, bat Bartels um Verständnis. Nach der Präsentation vor den Wennebostelern könnte die Planung am 15. April vom Rat abgesegnet werden und dessen Beschluss dann Grundlage für die öffentliche Auslegung der Pläne sein. Als Reaktion darauf wären dann weitere Einwendungen der betroffenen Anlieger möglich. Der zweite Punkt, der von den Anliegern und der Bürgerinitiative, die sich gegründet hat, um deren Interessen zu vertreten, bei dem Gespräch mit dem Bürgermeister am 8. Januar angesprochen war, war das Licht aus den Produktionshallen in den späten Abend- und Nachtstunden. Man bemühe sich um eine Lösung, versicherte Dr. Andreas Sennheiser, der am Donnerstagabend persönlich als Ansprechpartner für die zahlreichen Zuhörer fungierte. So werde zurzeit geprüft, ob die Jalousien während der Nachtschicht geschlossen bleiben könnten. Das sei nur bei Sturm technisch problematisch. Natürlich hätten die Mitarbeiter ein Recht auf freie Sicht, aber die sei ja nachts durch die Dunkelheit ohnehin eingeschränkt. Er sei zuversichtlich, dass dieses Problem lösbar sei, so Andreas Sennheiser. Auch für die Befürchtungen der Bürger, die Beleuchtung des neuen geplanten Parkplatzes mit 420 Stellplätzen könnte für weitere Beeinträchitungen sorgen, zeigte Sennheiser Verständnis. Zwar müsse aus Sicherheitsgründen natürlich eine Grundbeleuchtung vorgehalten werden, aber er könne sich eine technische Lösung vorstellen, bei der die Grundbeleuchtung sehr niedrig gehalten und bei Bedarf punktuell verstärkt werde, erklärte Sennheiser. Er bat die Anlieger um Verständnis dafür, zurzeit noch nichts Konkretes über langfristige Pläne seines Unternehmens sagen zu können. Eine gewisse Skepsis, dass dies wirklich noch nicht möglich sei, blieb zwar bei einigen Zuhörern, doch Sennheisers offensichtliche Bereitschaft, alle Fragen zu beantworten und den Anliegern in kontroversen Punkten entgegen zu kommen, kam bei den Zuhörern gut an. Warum denn die Erweiterung mitten im Dorf notwendig sei und das Unternehmen nicht gleich in ein Gewerbegebiet in der Wedemark aussiedele, wenn doch absehbar sei, dass der für Erweiterungen zur Verfügung stehende Platz endlich sei, wurde Sennheiser gefragt. Der Enkel des Firmengründers begründete dies zum einen mit dem Kommunikationsfluss innerhalb der Firma, für den kurze Wege immens wichtig seien, zum anderen mit den gewachsenen Strukturen. In diese Kerbe hieben auch Bürgermeister Tjark Bartels und Ortsbürgermeister Achim von Einem: Beide betonten, Sennheiser gehöre zum Ort, Gewerbe im Dorf mittlerweile „wennebosteltypisch“.
Eine weitere Frage an Sennheiser war, wann konkret er die Grund-
stücke, auf denen jetzt zunächst Parkplätze entstehen, für die die Firma von der Gemeinde aber eine Bauoption für später haben möchte, gekauft habe. „Im zweiten, dritten und vierten Quartal letzten Jahres“, erklärte der Firmenchef. Bürgermeister Bartels bestätigte auf Nachfrage, dass sich Sennheiser selbstverständlich bei ihm erkundigt habe, wie Gemeindeverwaltung und Politik den Erweiterungsplänen gegenüberständen. Und er habe gesagt, dass er sie begrüßen würde. Da auch die Politiker dies so sähen, sei ein völlig korrektes Bauleitverfahren in Gang geschoben worden, dessen Ausgang jetzt abgewartet werden müsse. Entschieden trat der Bürgermeister Befürchtungen entgegen, durch die Verlagerung der Parkplätze käme eine verstärkte Verkehrsbelastung auf den Wennebosteler Kirchweg zu. Der Begriff „Sekundäre Zufahrt“ betreffe lediglich die Feuerwehr und in Ausnahmefällen Zulieferverkehr. Primär werde das Firmengrundstück immer über die Landesstraße erschlossen. Erst wenn irgenwann in ferner Zukunft einmal die Erweiterung der Parkflächen auf die andere Seite des Wennebosteler Kirchweges in Betracht gezogen werde, könne möglicherweise über eine Verlängerung des Gailhofer Damms zur Erschließung nachgedacht werden. Abschließend bot Dr. Andreas Sennheiser allen interessierten Wennebostelern eine Gruppen-Führung über das Betriebsgelände an und stieß damit auf große Zustimmung unter den Anwesenden.