Ziegelherstellung in der Wedemark 1790 – 1921

Karen Kolp hat zehn Jahre für ihr Buch „Ziegelherstellung in der Wedemark 1790 – 1921“ recherchiert. Foto: B. Stache

Karen Kolp stellt ihr Buch vor – eine wichtige, lokalhistorische Studie

Mellendorf (st). Seit vielen Jahren beschäftigt sich Karen Kolp mit der Mellendorfer Ortsgeschichte. Jetzt hat sie ein Buch veröffentlicht, das der Historiker Reinhard Tegtmeier-Blanck als eine wichtige, lokalhistorische Studie bezeichnet. Der Titel lautet: „Ziegelherstellung in der Wedemark 1790 – 1921“. In der einst klassischen Ziegelfarbe rot-orange auf den Umschlagseiten präsentiert sich das Werk auf 330 Seiten – mit 349 Abbildungen und einem 176 Eintragungen umfassenden Quellenverzeichnis. Die fünfzigjährige Autorin wuchs in Mellendorf auf. Zehn Jahre lang war die gelernte Industriekauffrau der Geschichte der Ziegelherstellung in der Wedemark auf der Spur. „Es war für mich ein Hobby“, erklärt sie heute. „Besonders Annamarie Buschbaum aus Scherenbostel hatte mich motiviert, aus dem Material, das ich über die Jahre gesammelt hatte, ein Buch zu machen.“ Die Neugierde habe sie damals getrieben, herauszufinden, was das für Ziegel seien, die sie auf ihren Spaziergängen mit dem Hund im Wiechendorfer Wald fand. Die wenigen gemauerten Backsteinblöcke mitten im Wald, aus denen Gewindeschrauben herausragten, konnten von Karen Kolp als Fundamente von Ziegelei-Maschinen identifiziert werden. Es handelte sich dabei um Überbleibsel einer der fünf Wedemärker Ziegeleien, die es von zirka 1790 bis 1921 in den Bereichen Mellendorf (2), Scherenbostel (2) sowie Wiechendorf (1) an insgesamt sechs Standorten gab. Hinter dem heutigen Emaillierwerk Mellendorf lag der Badeteich ihrer Kindheit – dieser entpuppte sich im Zuge ihrer Recherche als wassergefüllte, ehemalige Tongrube. In dem Buch erfährt der Leser sehr detailliert alles über die damalige Ziegelproduktion. So wird der Weg von der kräftezehrenden, harten Arbeit der Wander- und Saisonarbeiter, die zum größten Teil aus dem Bereich Ostwestfalen/Lippe in die Wedemark kamen, beim Abbau des Rohmaterials aus den Tongruben ebenso aufgezeigt, wie die Bearbeitung des Tons und das Brennen in Feldbrandöfen. Die fertigen Ziegel fanden sich unter anderem auf den Dächern der Häuser und Scheunen in der Wedemark wieder. Neben historischen Informationen beschreibt Karen Kolp in ihrem Buch unter anderem auch die sozialen Aspekte von einst, wie Arbeitszeiten, Herkunft der Ziegler, Entlohnung, Wohnsituation und Ernährung sowie Gesundheitsgefahren der Ziegeleiarbeit. Heute kann sich das umfassende Werk von Karen Kolp sehen und lesen lassen. Es ist im Selbstverlag unter dem Titel „Ziegelherstellung in der Wedemark 1790 – 1921“ erschienen und kostet 39,80 Euro. Eine direkte, verbindliche Bestellung kann über die Autorin unter der E-Mail-Adresse ziegeleien@gmail.com oder auch telefonisch (0 51 30) 37 73 40 erfolgen. Einige Exemplare können in der Bissendorfer Buchhandlung Bücher am Markt erworben werden. „Die vergangenen Jahre der Recherche und Fertigstellung des Buches waren anstrengend. Jetzt freue ich mich über mehr Zeit mit meiner Familie“, erklärte Karen Kolp.