Ziel ist der Erhalt des Charakters des Dorfes

Örtliche Bauvorschrift über die Gestaltung im Ortskern von Elze

Elze (awi). Jetzt hat der Rat sie definitiv becshlossen: die örtliche Bauvorschrift über die Gestaltung des Ortskerns Elzes. Vorausgegangen ist dem eine lange und nicht immer einfache Diskussion in der Arbeitsgemeinschaft und im Ortsrat. Ausgangspunkt war die Anregung des Vereins Dorfbild Elze, der sich Sorgen machte um eben das: das Dorfbild, das sichnach der Auffassung der Initiatoren zu verändern drohte.
Doch nun gibt die Satzung vieles vor, wenn neu gebaut oder umgebaut werden soll. Auf die Geltungsbereich befindlichen Baudenkmale sind die Vorschriften allerdings nicht anzuwenden, heißt es ausdrücklich. Und Gebäude und Einfriedungen, die vor Inkrafttreten der Satzung errichtet wurden, können mit Ausnahme kompletter Dachneueindeckungen oder Erneuerung von Fassaden in den bislang verwendeten Materialien, Farben und Formen instandgehalten und modernisiert werden. Lediglich im Falle baugenehmigungspflichtiger Umbaumaßnahmen oder Erweiterungen vorhandener Bausubstanz oder bei der kompletten Erneuerung von Dacheindeckungen und Fassaden sind die Regelungen der Satzung anzuwenden.
Es geht hier nicht darum, die komplette Satzung abzubilden. Die kann im Rathaus der Gemeinde Wedemark eingesehen werden. Es soll lediglich auf ein paar Punkte aufmerksam gemacht werden. So sind zum Beispiel als Dachformen nur Sattel-, Walm- und Krüppelwalmdächer mit gleicher Dachneigung beider Hauptflächen zulässig. Für die Dachneigung gibt es Vorschriften. Für die Dacheindeckung sind Dachzielge und Dachsteine in den Farbtönen Rot und Rotbrauen nach dem RAL-Farbenregister zulässig. Lediglich für die Dächer landwirtschaftlicher Betriebsgebäude können aus andere, nicht glänzende Materialien verwendet werden. Eingeschossige Gebäude dürfen maximal 4,50 Meter Traufhöhe haben, zweigeschossige maximal 7,50 Meter. Fassaden dürfen aus Ziegeln in den bereits für Dächer genannten RAL-Tönen errichtet werden, aber auch naturbelassene Holzverkleidungen oder mit einem Anstrich in vorgegebenen Brauntönen ist zulässig.
Grundstückseinfriedungen dürfen nicht höher als 1,20 Meter sein und sind zulässig als Holzzaun, auch mit Mauersockel, mit einem Anstrich in Braun oder Grün (nicht in Weiß), einem Sichtmauerwerk aus Ziegeln in Rot oder Rotbraun oder als Hecken, auch in Kombination mit einem transparenten Metallzaun. Vorgärten und Hausvorbereich mit einer Tiefe bis zu zehn Metern sind zu mindestens 50 Prozent zu begrünen, in Ausnahmefällen kann der Grünanteil reduziert werden.
Auch auf die Zielsetzung geht die Satzung ein: Der historische Ortsskern von Elze zwischen Schmiedestraße, Moorheestern und In der Horst sei noch durch alte Hofanlagen und dorftypische Freiräume geprägt. Elze zeichne sich durch einen sehr alten und hochwertigen Gebäudebestand aus. Es seien mehrere Hofstellen aus dem 17. Jahrhundert erhalten, deren Fachwerkkonstruktionen eine hohe Qualität aufwiesen. Stark ortsbildprägend seien außerdem die dörflichen Freiräume in Form von Gärten, Grünland und Obstwiesen, die Reste von Eichenhainen sowie zahlreiche alte Hofbäume. Die Initiatoren der Satzung sahen allerdings dieses traditionelle dörfliche Erscheinungsbild durch Innenverdichtung und Nachnutzung leerfallender landwirtschaftlicher Bausubstanz zunehmend gefährdet. In den letzten Jahren hatten bereits viele alte Wirtschaftsgebäude und auch komplette Hofstellen samt den dazugehörigen Bäumen einer Neubebauung mit Einfamilien- und Reihenhäusern wichen müssen. Auch durch die zunehmende Lückenbebauung mit städtischen Gestaltungsweisen drohte die Identität des Ortes verloren zu gehen.
Das allgemeine Gebot, dass sich Neubebauung in die vorhandene Umgebung einfügen müssen, reichte den Initiatoren der Satzung nicht mehr aus. Sie forderten darüber hinausgehende, differenziertere Regelmöglichkeiten und so wurde im Dorferneuerungsplan die Aufstellung einer örtlichen Bauvorschrift vorgesehen. Ein harmonisches Ortsbild im Dorfkern steigert den Wohn- und Grundstückswert im gesamten Ort, heißt es in der Begründung zur Satzung. Bewohner und Besucher fühlen sich in einem Ort mit eigenem Charakter und Wiedererkennungswert wohler. In den anderen Bereichen von Elze bleibt die Gestaltungsfreiheit auf Grundlage der vorhandenen planungsrechtlichen Rahmenbedingungen weiterhin vorhanden.