„Zusammen die Ärmel hochkrempeln“

Helge Zychlinski, Bürgermeister der Gemeinde Wedemark. Foto: Maren Kolf

Grußwort von Bürgermeister Helge Zychlinski zum Jahreswechsel 2018/2019

Liebe Wedemärkerinnen, liebe Wedemärker, das Jahr 2018 stellt sich für mich als ein Jahr dar, in dem wir uns von vielen Gewissheiten und Klarheiten verabschieden mussten. Eine der harmloseren Einsichten dieses Jahres ist, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft offensichtlich international nur noch die zweite Geige spielt, dass der HSV doch aus der 1. Bundesliga absteigen kann und dass mein Hannover 96 scheinbar alles daran setzt, dem sogenannten großen HSV zu folgen.
Vielmehr jedoch belastet mich die Tatsache, dass die Schlagzeilen dieses Jahres dadurch geprägt waren, dass rund um den Globus alte Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt wurden, die zumindest uns in Europa eine nie dagewesene Friedensperiode von über 70 Jahren gesichert haben. In nahezu allen Ländern unseres Kontinents werden die Gemeinsamkeiten der europäischen Wertegemeinschaft in Frage gestellt. Kurzfristige Mitnahmeeffekte einer egomanischen und auf nationalistischen Ansätzen fußenden Politik, sollen die Überlegenheit gegenüber einer auf Ausgleich und Kompromissen basierenden europäischen Gemeinschaft demonstrieren. Der Brexit ist bisher der traurige Höhepunkt dieser „Nach mir die Sintflut“-Mentalität und viele, leider allzu viele, fallen darauf herein. Populistische Parteien und Politiker versprechen wider besseren Wissens einfache Lösungen. Sie fangen damit leider unbedarfte Menschen in vielen demokratischen Ländern. Wohin die Wege Europas nach den Wahlen zum Europaparlament Ende Mai 2019 führen werden, ist offen. Fakt ist: Die Zeiten, in denen sich Europa als sicherer Urkontinent der Gegenwart fühlen konnte, sind jedenfalls vorbei. Diese Unsicherheit ist ein Grund mehr, auch hier in der Wedemark aktiv für ein geeintes Europa zu kämpfen. Eine gute Gelegenheit hierfür bietet die große Veranstaltung „Bürgerdialog Europa“ am 12. Februar im Mellendorfer Schulzentrum.
2018 hat auch gezeigt, dass die politische Landschaft immer weniger durch sichere Mehrheiten der Volksparteien geprägt ist. Sowohl CDU als auch SPD verloren bei den Wahlen große Stimmenanteile, vormals kleine Parteien konnten zu ihnen aufschließen und sie stellenweise sogar überholen. Dies ist zunächst einmal ein Zeichen größerer parteipolitischer Vielfalt in Deutschland. Zurecht dürfen wir aber erwarten, dass alle demokratischen Parteien untereinander koalitionsfähig bleiben oder werden, damit aus Vielfalt nicht Zersplitterung wird. Polarisation, Abgrenzung, mangelnde Empathie sind der Wind unter den Flügeln der Populisten und führen uns auf einen völlig falschen Weg. Wie kann es uns aber gelingen, die aktuellen Tendenzen in unserer politischen und gesellschaftlichen Landschaft in eine gute Richtung zu lenken? Wichtig ist zunächst einmal festzuhalten, dass es uns allenthalben gut geht. Noch nie hat unsere Gesellschaft ein solch hohes Wohlstandsniveau erreicht wie heutzutage – dies sollten wir uns auch von Angstmachern nicht zerreden lassen. Ausgehend von dieser Erkenntnis, müssen wir uns aber gerade den Menschen zuwenden, die an diesem Wohlstand nicht ausreichend teilhaben können. An kaum einem Thema lässt sich diese Notwendigkeit so deutlich festmachen, wie an der Frage nach bezahlbarem Wohnraum. Auch in der Gemeinde Wedemark wird dies in absehbarer Zeit zu der bedeutenden sozialen Frage werden. Deshalb sorgen wir schon jetzt dafür, dass in unserer Gemeinde bei Neubaugebieten auch öffentlich geförderte Wohnungen entstehen.
Wir leisten zudem einen großen Beitrag zur Chancengleichheit aller bei uns wohnenden Kinder, indem wir viel Geld in den Ausbau von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen investieren. Wir halten mit unseren Schulen und Kindertagesstätten ein hervorragendes Bildungsangebot vor.
Daraus und aus vielen weiteren Zukunftsinvestitionen, ergeben sich natürlich auch Herausforderungen für unseren Gemeindehaushalt. Ich bin aber davon überzeugt, dass diese Ausgaben gut und wichtig sind. Unsere wohlhabende Gesellschaft ist in der Lage, diese elementaren Aufgaben zu finanzieren. In der Wedemark haben wir in der Vergangenheit gezeigt, dass wir hierzu bereit und in der Lage sind. Über den Weg, auch zukünftig diese Aufgaben zu finanzieren, kann und soll konstruktiv gestritten werden.
Wenn wir zusammen die Ärmel hochkrempeln und die Herausforderungen angehen, blicke ich mit viel Zuversicht auf das kommende Jahr.
Mit herzlichem Gruß
Ihr



Helge Zychlinski