Zychlinski warnt vor Wolfshysterie

Ministerpräsident Stephan Weil Zweiter von rechts) besuchte gemeinsam mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Rüdiger Kauroff (rechts) und Bürgermeister Helge Zychlinski die ECHO-Redaktion und wurde in den Räumen in Bissendorf von Verlagsleiter Thorsten Schirmer (links) empfangen. Ein Blick in die aktuelle ECHO-Ausgabe mit dem Bericht über den vom Land zur Verfügung gestellten Hybrid-Streifenwagen in Mellendorf durfte natürlich nicht fehlen. Foto: A. Wiese
 
Bürgermeister Helge Zychlinski nutzte den Besuch des Ministerpräsidenten Stepan Weil und des Landtagsabgeordneten Rüdiger Kauroff in Bissendorf, um diese kurz über den Stand der Bauarbeiten am Amtshaus zu informieren und ihnen einen Blick auf Amtshaus und das der ECHO-Redaktion gegenüberliegende Kavaliershaus zu ermöglichen. Foto: A. Wiese

Mutmaßlicher Angriff eines Wolfs auf eine Heidschnucke ist Gesprächsthema

Wedemark (awi). Niedersachsen Ministerpräsident Stephan Weil nimmt die Beunruhigung in der Bevölkerung angesichts der aktuellen Vorfälle mutmaßlicher Wolfsrisse in der Wedemark und im angrenzenden Heidekreis ernst. Das betonte er am Mittwoch auf die Frage von ECHO-Redakteurin Anke Wiese, wie auf Landesebene der Stand zum Thema Wolf und den Maßnahmen sei, Übergriffe desselben einzudämmen.
Der Ministerpräsident stattete der ECHO-Redaktion gemeinsam mit dem für den Wahlkreis Wedemark-Garbsen zuständigen SPD-Landtagsabgeordneten Rüdiger Kauroff und Wedemarks Bürgermeister Helge Zychlinski einen Besuch ab. Für den Angriff auf eine Heidschnucke in Brelingen macht für die Herdenbesitzer Karl-Heinz Friebe mit großer Wahrscheinlichkeit einen Wolf verantwortlich, auch wenn das Ergebnis der DNA-Analyse noch nicht vorliegt. Friebe hat mittlerweile sogar einen Augenzeugen. Ein Nachbar habe an dem Tag, an dem er die Heidschnucke so schwer verletzt auf der Weide am Braukamp gefunden hatte, dass sie von einem Tierarzt eingeschläfert werden musste, am frühen Morgen beim Spaziergang mit seinem Hund mit hoher Wahrscheinlichkeit zwei Wölfe von der Heidschnuckenweide weglaufen sehen, sich aber nach eigenen Worten nichts dabei gedacht, bis er in der Zeitung von dem Angriff auf das tragende Muttertier gelesen hatte. Weil erinnerte an den Vorfall vor wenigen Wochen, wo ein Friedhofsmitarbeiter auch einen Wolfsangriff gemeldet habe, für den es im Nachhinein aber keinerlei Beleg gegeben habe. Der Wolf steht unter extrem strengen Naturschutz, der den Regeln von Land, Bund und EU unterliegt, so dass das Land allein nichts unternehmen kann. In Niedersachsen sind mittlerweile mindestens 20 Rudel nachgewiesen und die Zahl der Wölfe ist damit definitiv gestiegen, nicht jedoch die Zahl der Nutztierrisse. Der Herdenschutz soll weiter verbessert werden. Tierhalter sollen Zaunbaumaßnahmen erstattet bekommen. Sicherheit geht vor, waren sich Weil, Kauroff und Zychlinski einig. Verhaltensauffällige Wölfe müssten entnommen, also getötet werden können. Kauroff räumte ein, dass er sich mit der Thematik bisher nur am Rande auseinandergesetzt habe, in seinem Wahlkreis Garbsen-Wedemark sei der Wolf bisher kein Thema gewesen. Auch in der Wedemark wäre die tote Heidschnucke in Brelingen – wenn es denn bestätigt wird, dass ein Wolf im Spiel war – der erste offizielle Nutztierriss durch einen Wolf in der Wedemark. Im benachbarten Heidekreis sieht das anders aus. In der Lüneburger Heide und den angrenzenden Gebieten und rund um Cuxhaven gibt es in Niedersachsen die meisten Wölfe und hier hat es auch bereits diverse Vorfälle gegeben. Durch die Presse im Heidekreis gingen in den letzten Wochen unter anderem Berichte von zwei gerissenen Ponys, eins in Stöcken bei Rethem/Aller, ein weiteres vor knapp zwei Wochen bei Nienhagen bei Gilten. In diesem Fall war ein Jäger am Abend gegen 22 Uhr auf dem Weg zum Ansitz darauf zugekommen, wie sechs Wölfe Ponys auf einer Weide jagten. Obwohl er versuchte, die Tiere durch lautes Rufen zu vertreiben, wurde eine tragende Ponystute gerissen und verendete wenig später an ihren Verletzungen. Möglicherweise handelte es sich bei den sechs Wölfen um das mittlerweile mehrfach auffällig gewordene „Rodewalder Rudel“.
Experten beschreiben den Wolf normalerweise als scheues Tier, das aus Selbstschutz jeder möglichen Verletzung aus dem Weg geht. Wölfe, die sich anders verhalten, die Nähe zum Menschen nicht meiden, gelten als auffällig. Die öffentliche Diskussion ist an einem Punkt angekommen, wo man darüber nachdenkt, die Zahl der Wölfe zu begrenzen. Bürgermeister Helge Zychlinski berichtete, dass die Gemeinde immer mal wieder Meldungen von Wolfssichtungen in der Wedemark erhalten und auch schon einmal ein Wolf hinter einer Radfahrerin hergelaufen sein sollte, doch Angriffe seien bis zu dem Vorfall in Brelingen noch nicht gemeldet worden. „Wenn wir in den Jahren zuvor fast eine Wolfsromantik hatten, dürfen wir jetzt nicht den Fehler machen, in eine Wolfshysterie zu verfallen“, so der Bürgermeister. Auch der Vorfall in Brelingen sei für ihn kein Grund, die Bevölkerung vor dem Betreten des Naherholungsgebietes Brelinger Berg zu warnen, so Zychlinski.
Gestern erreichte die Redaktion die Nachricht, dass Umweltminister Olaf Lies den Leitwolf des sogenannten Rodewalder Rudels als zweiten Wolf nach 2016 offiziell zum Abschuss freigegeben hat. Der Wolf habe nachweislich mehrfach Rinder gerissen, die auf eigentlich wolfssicheren Weiden gestanden hätten und überwinde Elektrozäune. Auch die gerissenen Ponys im Heidekreis werden ihm angelastet.