Toller Sommer war gut für die Stromproduktion

Ein Speicher für eine Photovoltaik-Anlage ist für einen durchschnittlichen Haushalt nur etwa so groß wie eine Kiste Mineralwasser.

Photovoltaikanlagen auf den Dächern haben viel Strom erzeugt

Wedemark. Die Urlaubszeit neigt sich dem Ende zu. Viele werden sagen: Endlich mal wieder ein richtig toller Sommer. Andere freuen sich jetzt auf kühlere Tage. Für die einen perfektes Badewetter, für die anderen schweißtreibende Arbeitstage – etwas Gutes haben diese langen Sommertage auf jeden Fall: die Photovoltaikanlagen auf den Dächern in der Gemeinde Wedemark haben viel Strom erzeugt. Aber was passiert eigentlich mit dem ganzen Sonnenstrom? Die meisten älteren Photovoltaikanlagen speisen den gesamten Strom in das öffentliche Stromnetz ein und der Anlagenbetreiber erhält dafür eine Vergütung. Da sich Strom – ähnlich wie auch Wasser – immer den kürzesten Weg sucht, wird Sonnenstrom trotzdem immer dort verbraucht, wo er erzeugt wird, also im Gebäude, auf dem sich die Photovoltaikanlage befindet und in der unmittelbaren Umgebung, zum Beispiel in den Nachbarhäusern. Andere Photovoltaikanlagen arbeiten so, dass sie den angeschlossenen Haushalt zunächst direkt mit Sonnenstrom versorgen. Der Nutzer erspart sich im Gegenzug den Zukauf von Strom vom Energieversorger. Erzeugt die Photovoltaikanlage mehr Strom, als benötigt wird, werden die Überschüsse ins öffentliche Stromnetz eingespeist und der Anlagenbetreiber erhält dafür eine Vergütung.
Da die Vergütung bei jüngeren Photovoltaikanlagen gering ist, ist es wirtschaftlich, so viel Strom wie möglich selber zu nutzen. Bei Photovoltaikanlagen, die heute aufgebaut werden, erhält der Betreiber für eine eingespeiste Kilowattstunde Sonnenstrom etwa zwölf Cent. Wenn man bedenkt, dass alle Verbraucher beim Versorger Strom für etwa 30 Cent pro Kilowattstunde einkaufen, wird schnell klar, warum Eigenverbrauch sinnvoll und wirtschaftlich ist. Neue Photovoltaikanlagen werden darum heute auch fast nur noch mit Speicher gebaut, in dem produzierte Stromüberschüsse des Tages für die Nutzung in der Nacht zwischengespeichert werden.
Bei älteren Photovoltaikanlagen, die zwischen Januar 2009 und März 2012 gebaut wurden, werden häufig Speicher nachgerüstet, weil Anlagenbetreiber noch eine zusätzliche Vergütung für eigenverbrauchten Strom erhalten. Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt kann sich mit einer Photovoltaik-Speicheranlage im Durchschnitt zu 60-70 Prozent vom Stromversorger unabhängig machen. Dabei liegt die Amortisationszeit einer solchen Anlage bei etwa 10 bis 14 Jahren (die Angaben hängen unter anderem von Anlagen- und Speichergröße sowie vom jährlichen Strombedarf ab). Dabei ist ein Speicher für einen durchschnittlichen Haushalt nur etwa so groß wie eine Kiste Mineralwasser.
Sonnenstrom hat aber nicht nur Vorteile für Anlagenbetreiber. Jede Photovoltaikanlage auf einem Privathaus oder einem Gebäude eines Landwirtschafts- oder Gewerbebetriebes trägt zur Dezentralisierung des Strommarktes und damit zur Marktmachtbeschneidung der vier großen deutschen Energiekonzerne RWE, Eon, EnBW und Vattenfall bei.
Aufgrund der großflächigen Verteilung der Photovoltaikanlagen stellt sich auch nicht die Frage nach dem Abtransport großer Strommengen (Stichwort „neue Stromtrassen“). In Haushalten mit oder in der Nähe von Photovoltaikanlagen wird klimaschonender, fossilenergiesparender, vor Ort erzeugter Strom genutzt.
Übrigens gibt es für eine Photovoltaik-Speicheranlage für Eigenstromerzeugung keine „falsche Dachausrichtung“. Viele meinen immer noch, nur Süddächer seien geeignet. Ost- und Westdächer bieten den Vorteil, länger über den Tag verteilt Sonnenstrom im Haushalt zur Verfügung zu haben – morgens schon früh über die Ostseite und lange bis in den Abend hinein über die Westseite.
Wer mehr Informationen benötigt oder sich mal eine Photovoltaik-Speicheranlage in Aktion ansehen möchte, kann sich an Fachleute vom Planungsbüro für Photovoltaikanlagen wenden.
Hans-Georg Stolze