Brandt enttäuscht von Politik und Vereinen

Benjamin Drescher (von links), Alwin Spille und Joachim Schulz wurden auf der Delegiertenversammlung für ihr besonderes ehrenamtliches Engagement geehrt. Foto: S. Birkner

Sportringsvorsitzender kritisiert mangelnde Vernetzung und Initiative

Wedemark (sb). Der alte und neue Vorsitzende des Wedemärker Sportrings, Joachim Brandt, hat auf einer Delegiertenversammlung heftige Kritik an Politik und Vereinsfunktionären geübt. Bei seiner Wiederwahl am vergangenen Mittwoch beklagte er einerseits das mangelnde Kommunikationsinteresse politischer Gremien mit dem Sportring, andererseits die fehlende Mitwirkungsbereitschaft der einzelnen Vereine. Den ersten Teil seiner Kritik richtete Brandt insbesondere an den Gemeinderatsausschuss für Jugend und Sport. Die Einbindung des Sportrings als Interessenvertretung sämtlicher Wedemärker Sportvereine gehe kaum über die Gewährung des Rederechts hinaus. "Im Vorfeld der Sitzungen zeigen die Ausschussmitglieder kaum Bereitschaft zu klärenden Gesprächen und gemeinsamen Erörterungen der Probleme", meinte Brandt, ließ seiner deutlichen Kritik aber keine konkreten Verbesserungsvorschläge folgen. Mit Blick auf Gemeindebürgermeister Tjark Bartels erinnerte er an dessen Versprechen aus dem März 2010, nach Abschluss des Schulzentrumsneubaus eine Bedarfsermittlung hinsichtlich einer neuen Sporthalle vorzunehmen. "In diesem Punkt hat sich bis heute nichts getan", meinte Brandt. Im gleichen Atemzug zeigte sich der Sportringsvorsitzende enttäuscht von der Mitwirkungsbereitschaft der Vereine und deren Delegierten. Mit einem Zitat des britischen Schriftstellers John Galsworthy mahnte er zur aktiveren Vertretung der Vereinsinteressen: "Wenn Sie sich keine Gedanken über die Zukunft machen, können Sie keine haben." Den Zukunftsbegriff setzte Brand dabei mit der schwieriger werdenden finanziellen Unterstützung seitens der Gemeinde in Verbindung. "In Zeiten schwieriger Haushaltslagen kann der Status Quo nicht ohne Weiteres aufrechterhalten werden", sagte er. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Änderung der kommunalen Sportförderrichtlininen, die in dieser Legislaturperiode erneut auf der politischen Agenda steht. Ein weiteres Feld der Zukunftsplanung, an dem die Vereine ihre Mitgestaltungsrolle stärker wahrnehmen sollen, sei die Erstellung des Gemeindeentwicklungsplans. "Der Sportring kann die Vereine zwar als Gesamtheit, nicht aber die jeweilig en Einzelinteressen vertreten", gab Brandt zu bedenken. Dass bei einer Diskussionsrunde zur Erarbeitung des Gemeindeentwicklungsplans gerade einmal zwölf Personen anwesend waren, bezeichnete Brandt als "beschämend". Nach kontroverser Diskussion wurde ein zweiseitiges Papier mit den Kernforderungen des Sportrings an den Gemeindeentwicklungsplan mehrheitlich verabschiedet. Auf die Kritik, die sehr kurzfristig kommunizierte Vorlage sei lediglich eine generelle Absichtserklärung ohne konkrete Inhalte, reagierte Brandt mit Gelassenheit. Eine Präzisierung und Erweiterung der Kernforderungen könne jederzeit vorgenommen werden. Im Falle einer Ablehnung der Vorlage durch die Delegierten hätte sich Brandt von der Mitarbeit am Gemeindeentwicklungsplan zurückgezogen. Weder die zahlreich anwesenden Mitglieder des kritisierten Gemeinderatsausschuss noch die als zu passiv kompromittierten Vereinsdelegierten zeigten eine aussagekräftige Reaktion auf Brandts Ausführungen. Neben dem Vorsitzenden, der bei zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen mit 24 Pro-Stimmen in seinem Amt bestätigt wurde, wurde Udo Bitterkleit einstimmig als Kassenwart wiedergewählt. Im vergangenen Jahr verzeichneten die 40 im Sportring organisierten Vereine einen leichten Mitgliederrückgang von insgesamt 120 Personen und zählen nun 10.500 Mitglieder. In ihren Grußworten dankten die stellvertretende Gemeindebürgermeisterin Monika Achterberg und die SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks dem Sportring für die übernommenen Aufgaben. Durch die Vernetzung und Interessenvertretung der Vereine erhöhe sich die ohnehin hohe Dichte an sportlicher Vielfalt in der Wedemark. Besonders die Sportlerehrung fand dabei besondere Würdigung: Sie verbessere die Attraktivität des Wettkampfsports für die Aktiven.
Für langjähriges ehrenamtliches Engagement ehrte Brandt auf der Delegiertenversammlung drei verdiente Vereinsfunktionäre. Joachim Schulz, der von 2002 bis Anfang dieses Jahres Vorsitzender des TC Bissendorf war, und Alwin Spille, der von 2003 bis 2010 die Geschicke der Schützengesellschaft Bissendorf leitete, erhielten die bronzene Ehrennadel des Landessportbundes. Benjamin Drescher wurde mit einem Sachpreis ausgezeichnet, weil er in Eigeninitiative für die Gründung einer Behindertensportabteilung im Schützenverein Meitze gesorgt hatte.