MTV erzürnt über Pokalabsage

Mellendorfer empfangen heute Blau-Gelb Elze

(sb). Wenn sich selbst jemand wie Oliver Gaglin, der für seine Schlagfertigkeit bekannt ist, nur noch mit Zynismus behelfen kann, dann spricht das eine deutliche Sprache. Nach der Absage des Kreispokalhalbfinalspiels beim SV Gehrden am vergangenen Mittwoch sagte der Mellendorfer Erstherrentrainer: "Es wäre glaubwürdiger gewesen, eine defekte Flutlichtanlage als Grund vorzuschieben."
Die offizielle Begründung für die Absage ist aber kein technischer Defekt, sondern die vom Platz ausgehende Verletzungsgefahr. Bereits mit der Ansetzung des Spiels im vergangenen Jahr stand fest, dass die Lichtverhältnisse das Bespielen des B-Platz erfordern würden, weil nur dort die benötigte Flutlichtanlage zur Verfügung steht. Dass nun die generelle Beschaffenheit dieses Platzes als Grund für die Absage herangezogen wird, ist für Gaglin absolut unverständlich. "Ich wurde am Vortag des Spiels kurz vor dem Zubettgehen über die Absage in Kenntnis gesetzt. Der Zustand eines Fußballplatzes ändert sich doch nicht von heute auf morgen", kritisierte er und sprach von einer "Riesensauerei". Die Stadt Gehrden trägt die Entscheidung, die übrigens unabhängig von den Wetterverhältnissen gefällt wurde, offiziell mit. Die Neuansetzung der Begegnung fällt auf Mittwoch, den 4. April.
Gaglin bezichtigt die Gastgeber, die Absage aus sportlichen Gründen vorgenommen zu haben. "Ich weiß, dass am Wochenende einige unerwartete Ausfälle zu den Langzeitverletzten hinzugekommen sind", sagte er. Es sei für jeden Fußballer offensichtlich, dass die Unbespielbarkeit der Plätze nur ein vorgeschobener Grund sein kann. Gaglins Assistent Philipp Dudat hat sich noch am Sonntag ein Bild vom Gehrdener Geläuf gemacht, das "um einiges besser" sei als der guten Gewissens bespielbare Mellendorfer C-Platz.
Besonders ärgerlich an der Spielabsage ist für den MTV die Stornierung des eigens gecharterten Fanbusses. Dadurch entstehen unvorhergesehe Kosten, die wohl aus der Vereinskasse gezahlt werden müssen.
Dennoch sind den Mellendorfern nicht gänzlich die Hände gebunden. Der Verein hat bereits Einspruch beim Niedersächsischen Fußballverband (NFV) gegen die Absage eingelegt. Dieser konzentriert sich auf den tatsächlichen Zustand des Platzes. Grund zur Hoffnung bereitet Gaglin und seiner Elf dabei die Niedersächsische Spielordnung. In Paragraf 28 sieht sie für die missbräuchliche Nutzung der Spielabsage im Pokalwettbewerb eine sofortige Wertung für den Gegner vor. Es ist also durchaus möglich, dass der MTV nun am Grünen Tisch ins Pokalfinale einzieht. Verantwortliche vom NFV haben gestern Abend bereits eine Platzbegehung vorgenommen und werden in Kürze eine Entscheidung treffen. Gaglin beziffert die Chance auf eine Wertung der Halbfinals dennoch auf "unter 50 Prozent". Ebenso pikant wie die Spielabsage ist der Blick auf die Nachholbegegnung. Weil das Tageslicht am 4. April noch nicht ausreichen wird, um die Begegnung ohne Flutlicht auszutragen, müsste dieses Mal wirklich auf dem B-Platz gespielt werden. "Die Gehrdener sind jetzt also in der Pflicht, etwas zu unternehmen", meinte Gaglin und spielte damit auf mögliche Instandsetzungsmaßnahmen an. Sollten diese ausbleiben und eine weitere Absage nach sich ziehen, wird definitiv das Heimrecht getauscht werden. Wo immer das mögliche Nachholspiel auch stattfindet: Die Motivation des MTV, sich für das Verhalten der Gehrdener zu revanchieren, ist laut Gaglin hoch. Bereits heute haben die Mellendorfer allerdings erst einmal eine weitere schwierige Aufgabe vor der Brust. Im prestigeträchtigen Wedemark-Derby gegen Blau-Gelb Elze geht es für den MTV um den Anschluss an den TSV Berenbostel. Im Falle eines Sieges wären die Mellendorfer zumindest bis morgen Tabellenführer, während eine Niederlage schon einer Vorentscheidung im Aufstiegsrennen gleichkommen könnte. "Der Anspruch ist klar: Wir brauchen drei Punkte", lautet Gaglins simple Losung. Anstoß der Partie auf dem Mellendorfer Sportgelände an der Hermann-Löns-Straße ist heute um 16 Uhr.