Überraschend: Wessel nicht mehr im Amt

Sebastian Wessel war nur sechseinhalb Monate Cheftrainer der Mellendorfer Fußballdamen. Sein bisheriger Assistent Harald Seybusch wird die Mannschaft bis auf Weiteres übernehmen.

Seybusch übernimmt Regionalliga-Damen

(sb). Es war nicht die Art Trainerentlassung, die sich im Vorfeld abgezeichnet hätte. Es war genau genommen überhaupt keine Entlassung, sondern eine „Trennung in beiderseitigem Einverständnis“: Die Fußballdamen des Mellendorfer TV und Trainer Sebastian Wessel gehen seit Anfang der Woche getrennte Wege. Wie der MTV per Pressemeldung am Montagmittag bekanntgab, lasse Wessels berufliche Situation eine Weiterbeschäftigung als MTV-Trainer nicht zu. „Der Mellendorfer TV bedauert diesen Schritt, denn die Fußballabteilung war mit der Arbeit von Sebastian Wessel sehr zufrieden und wäre gerne mit ihm in die nächste Saison gegangen“, heißt es in der Pressemitteilung. Wie der 28-Jährige im Gespräch mit dem ECHO bestätigte, sei die Trennung absolut einvernehmlich vollzogen worden. „Eigentlich hatte ich geplant, meinen bis zum 30. Juni dieses Jahren datierten Vertrag zu erfüllen und ihn anschließend nicht zu verlängern“, sagte Wessel. Als er dem MTV von dieser Entscheidung berichtet habe, sei die sofortige Vertragsauflösung schließlich beschlossen worden. „Ich verstehe die Entscheidung des Vereins, weil ich in Zukunft berufsbedingt immer öfter beim Training gefehlt hätte“, sagte Wessel.
MTV-Fußballobmann Rainer Baude bekräftigte Wessels Aussage, dass ausschließlich die berufliche Entwicklung des am 1. Juli 2010 ins Amt gekommenen Trainers ausschlaggebend für die Trennung gewesen sei. „Wir haben Verständnis dafür, dass Sebastian Wessel aufgrund seiner selbstständigen Tätigkeit Prioritäten setzen muss, bedauern den Schritt dennoch“, sagte Baude. Wessel, der im Münsterland beruflich gebunden ist, hatte für jede Trainingseinheit insgesamt mehr als vier Stunden Zug fahren müssen. „Weil ich viele berufliche Termine absagen musste, haben wir schließlich die Reißleine gezogen“, erklärte Wessel, der drei- bis viermal wöchentlich in die Wedemark gereist war. Dennoch gab er deutlich zu verstehen, dass er die Zeit in Mellendorf keinesfalls bereue. „Wir haben bis zum letzten Spiel vor der Winterpause keine Niederlage Hinnehmen müssen. Darauf können wir stolz sein“, sagte er. Auch die Tendenz in der Rückrundenvorbereitung, dass der Kader kleiner und die Trainingsbeteiligung geringer wurde, habe nicht zur Trennung beigetragen. Auf sportlicher Ebene hat Wessel dem MTV mit seiner Arbeit alle Chancen zum Erreichen der Saisonziele gewahrt. Der zum angepeilten Zweitligaaufstieg berechtigende erste Tabellenrang ist bei einem Sieg im Nachholspiel gegen den HSV III (morgen um 13 Uhr im Wedemark-Stadion) gerade mal einen Zähler entfernt. Und auch im Niedersachenpokal hat die Mannschaft das Viertelfinale erreicht und befindet sich damit weiterhin im Rennen um die Qualifikation für den bundesweiten DFB-Pokal. Als Nachfolger für den scheidenden Wessel wurde zunächst der bisherige Co-Trainer Harald Seybusch benannt. „Ob das eine dauerhafte Antwort auf die Trainerfrage ist, muss der Vorstand in ruhigen Gesprächen ausloten“, sagte Baude. Keinesfalls solle es in dieser Entscheidung einen Schnellschuss geben. Wessel wird sich aller Voraussicht nach vor der morgigen Partie von seinem Team verabschieden. Er war als Nachfolger von Arndt Westphal verpflichtet worden, der sein Amt im vergangenen Sommer nach anderthalb Jahren erfolgreicher Trainertätigkeit in Mellendorf ebenfalls aus beruflichen Gründen hatte abgeben müssen.