Moorwanderung mit Folke Hein

Folke Hein führte die NABU-Mitglieder durch das Schwarze Moor. Foto: W. Hagedorn

NABU erkundete das Schwarze Moor bei Resse

Resse. Eine Moorwanderung in Resse ist dank Moorerlebnispfad eigentlich nichts Außergewöhnliches, aber dennoch immer wieder schön und interessant. Man kann in unterschiedlichem Abstand auf regulären Wegen herumgehen und sieht Wald und Gebüsch. Dieser Eindruck des Bekannten ist ganz im Sinne des Naturschutzes. Warum ist dann der Zutritt verboten bzw. nur mit Genehmigung möglich? Die gut 100 Tier- und Pflanzenarten, darunter ca. 20 Vogelarten, sollen möglichst ungestört leben können.
Bei dieser Wanderung lässt sich doch immer etwas Wissenswertes erfahren, unerwartetes Neues entdecken oder Erwartetes genießen. 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden hinsichtlich ihres Wissens gleich zu Beginn getestet. Es galt, diverse ortsübliche Baum- und Straucharten anhand von deren Blättern zu erkennen. Birke, Esche, Holunder, Faulbaum etc. waren für die Teilnehmer keine große Herausforderung.
Durch einen Waldgürtel von überwiegend Kiefern ging es auf eine freie Fläche. Sie ist für weite Bereiche des ca. 140 ha großen Moores typisch. Der Boden ist trocken, wird dominant von Pfeifengras bedeckt und droht wieder zu verbuschen bzw. von Wald bedeckt zu werden. Während der Wald an den Rändern eine gewisse Filterwirkung hinsichtlich eines Nährstoffeintrages auf das nährstoffarme Hochmoor bewirkt, ist er hier unerwünscht, da er die Funktion des Moores als sogenannte CO2- Senke in Frage stellt. Mit dem Baumbewuchs verdunstet die Feuchtigkeit schneller und der trockene Torf mineralisiert schneller und setzt sogar CO2 frei. Das sind bekannte Zusammenhänge für diejenigen, die sich schon einmal an Entkusselungsaktionen beteiligt haben. Sie werden auch hier von Oktober bis Februar oft mit Schulklassen durchgeführt.
Der Weg führt weiter am Waldrand. Dieser Herbstnachmittag war nicht gerade die optimale Zeit für Tierbeobachtungen. Immerhin gaben sich ein paar Graureiher ein Stelldichein als Vertreter der lokalen Wildtiere. Anlass zum Träumen gibt da die Bezeichnung einer Waldwiese als Birkhahnwiese. Diese imposanten Tiere hat es hier auch einmal gegeben. Nach Herrn Hein soll es in Niedersachsen nur in der Lüneburger Heide eine stagnierende Population von Birkhühnern geben. Küken gehen oft verloren. Zecken (belegt im Hohen Venn in Ostbelgien), Greifvögel und Füchse setzen ihnen zu.
Bald führt der Weg durch den Wald auf eine große freie Fläche zwischen zwei Bereichen des Moores. Auf Anregung von Herrn Hein schließen wir die Augen eine Weile und achten auf das, was wir hören. Ein paar Kolkraben bedenken uns mit ein paar klagend klingenden Lauten – sonst gibt es nichts, nichts zu hören, auch kein bisschen von menschlichen Aktivitäten. Mit dem Öffnen der Augen hat der Blick einen ordentlichen Auslauf über eine ursprüngliche Moorlandschaft bis hin zu den nächsten Kiefern. Zu den Gräsern gesellen sich hier die Torfmoose, die circa drei bis 20 Zentimeter jährlich wachsen. Sie haben es innerhalb von etwa 3.000 Jahren (in den Schmelzwasserbecken nach der Saaleeiszeit) immerhin bis zu 1,2 Meter Mächtigkeit geschafft. Es handelt sich um einen Hochmoor – Niedermoor –Übergangsbereich (bis zu 0,9 m Mächtigkeit) mit einem kleinen, fast vollständig verdeckten Teich, umrandet mit Rohrkolben und Schilf. Hier fühlen sich unter anderem Moorfrösche wohl. Durch den höheren pH-Wert verpilzt deren Laich nicht.
Die hier für den Moorliebhaber scheinbar perfekte Harmonie wird getrübt durch einen Bericht über die enormen Schwierigkeiten bei der angestrebten Entkusselung und Renaturierung des Moores in anderen Bereichen. Anhand einer Karte wird verdeutlicht, wie zerlappt die Besitzverhältnisse des Schwarzen Moores sind. Große Teile, über die die Region bereits verfügen kann, werden „geteilt“ durch Schlüsselbereiche, die zwei Eigentümern gehören. Derartige Besitzverhältnisse sorgen dafür, dass noch nicht „gekammert“ wird – Gräben in bestimmten Abständen zugeschüttet werden. Es können auch nicht alle gewünschten Flächen von Bäumen befreit werden. Nach einer ersten Verständigung mit den Eigentümern über einen Kaufpreis fordern diese einen Preis oberhalb der Wertermittlung. Rechtliche Auseinandersetzungen zementieren derzeit den Status quo. Ohne langen Atem und Bereitschaft zur Sisyphusarbeit geht es wohl mit dem Moorschutz nicht voran. Der sympathisch und wissensreich auftretende Folke Hein hat diesen Atem seit bisher rund 20 Jahren, ohne in der Schublade der Verbitterten zu landen, bewiesen. Hilfe leisten ihm dabei Jäger und viele Schulklassen.
Anlass zur Hoffnung bot zum Schluss eine Fläche im Wald, die die Füße weich, schwankend aufnahm. Sie wurde im Frühjahr entkusselt und war im März dank des 3,5fach über dem Durchschnitt liegenden Regenfalls überflutet. Der NABU dankt Folke Hein für eine spannende Führung durch das Schwarze Moor mit vielen interessanten Einblicken.