NABU Wedemark auf Tour

Die Teilnehmer des NABU Wedemark bei der Teichwirtschaft in Poggenhagen. Foto: Beate Butsch

Von bedrohten Edelkrebsen und Fischen bis zur Brunnenkresse

NABU Wedemark. Der NABU Wedemark informierte sich über Sonderkulturen der Teichwirtschaft in Poggenhagen bei Neustadt. Matthias Emmrich, Fischereibiologe des Anglerverbandes Niedersachsen (AVN) erläuterte, dass der AVN Flächen angepachtet habe, um dort Artenhilfsprogramme durchführen zu können. Der Anglerverband verstehe sich seit langem nicht nur als Betreuer und Dienstleister der lokalen Angelvereine, sondern engagiere sich für die Entwicklung gesunder Gewässer mit artenreicher Fauna.
Der einheimische Edelkrebs (Astacus astacus) wird in eigens angelegten Teichen nachgezüchtet. An den Rand des Aussterbens gebracht wurde der Edelkrebs durch die Aussetzung von verschiedenen aus Amerika stammenden Krebsarten, die allesamt als Überträger der Krebspest in Frage kommen. Als neues Problem hat sich der Marmorkrebs herausgestellt. Es handelt sich offensichtlich um eine Mutation, die in der Aquaristik entstanden ist. Es gibt nur Weibchen, die als Klone entstanden sind und nach acht Wochen bis zu 600 Klon-Nachkommen hervorbringen können. Es genügt ein von der Krankheit befallener Krebs, um ein Gewässer derart mit der Krebspest zu verseuchen, dass dann alle heimischen Edelkrebse sterben.
Als weiteres Artenschutzprojekt des AVN stellte Matthias Emmrich die Förderung der Quappe vor. Diese heimische Fischart ist durch die vielen Querverbauungen der Flüsse gehindert, in die wenigen noch vorhandenen überschwemmbaren Auen zu gelangen, die sie für die erfolgreiche Vermehrung benötigt. Ziel der Wiederansiedlung ist dabei auch eine Bekämpfung der Schwarzmeergrundel. Diese invasive Art ist äußerst anspruchslos, vermag hohe Siedlungsdichten auch in naturfernen Gewässern sehr schnell aufzubauen und heimische Fischarten zu verdrängen. Die Quappe hat sich als äußerst effiziente Grundeljägerin erwiesen und soll deshalb gefördert werden.
Brunnenkresse-Kulturen im nährstoffreichen Wasser der Forellenzucht war das nächste Thema. Professor Jutta Papenbrock stellte ein interdisziplinäres Forschungsprojekt der Leibniz Universität Hannover vor. Das für die Forellenzucht verwendete Wasser soll in einem Kreislaufsystem zugleich als Nährmedium für die Anzucht von Brunnenkresse (Nasturtium officinale) Verwendung finden. Als reichhaltige Vitaminquelle, die bereits im Vorfrühling geerntet werden konnte, war die Brunnenkresse seit langem insbesondere in Thüringen bekannt. Wegen des scharfen Geschmacks wird die Brunnenkresse in Mischung mit anderen Pflanzen als Salat oder Gemüse gegessen. Von besonderem Interesse für die Forschung sind die gesundheitlichen Wirkungen (Schutz vor oxidativem Stress, entzündungshemmende Wirkungen und Vorbeugung vor bestimmter Krebserkrankungen). Wirksubstanz ist das von der Brunnenkresse in hohen Konzentrationen produzierte Senfölglycosid Gluconasturtiin. Heide Winterfeldt, Organisatorin der Exkursion zu den Sonderformen der Teichwirtschaft, bedankte sich im Namen des NABU Wedemark für die ausführlichen und anschaulichen Erläuterungen der beiden Referenten.