NAJU-Wedemark besucht Bauernhof

Die Naturschutzjugend bei ihrem Besuch auf dem Bauernhof. (Foto: NAJU/Beate Butsch)
Wedemark. Staunend blickten die NAJUs an die Deckenbalken eines ehemaligen Rinderstalls: So viele alte Schwalbennester! „Die fehlten früher in keinem Viehstall. Die Rauchschwalben zogen dort viele Junge auf. Wir freuten uns, dass sie Unmengen von Fliegen wegfingen. Und das fröhliche Gezwitscher gehörte ganz selbstverständlich zur Dorfatmosphäre“ berichtete die Eigentümerin des Hofes, Kerstin Heins. Das hatten einige Kinder auch noch von ihren Großeltern gehört. Begeistert erinnerten sich die Kinder und Jugendlichen des Naturschutzbundes (NAJU), wie sie im letzten Sommer Schwalben bei ihren rasanten Flügen beobachtet hatten. Im Gespräch mit den Betreuern der NAJU erfuhren die Kinder, dass allein das Anbringen von fertigen Nistschalen den Schwalben zur Ansiedlung nicht genügt und dass es immer besser ist, Tieren ihre natürlichen Verhaltensweisen zu ermöglichen, d.h. die Vögel ihre Nester selbst bauen zu lassen. Nur in Kooperation mit der Landwirtschaft lassen sich die Lebensbedingungen für Schwalben insgesamt erhalten und verbessern: Hier finden sie Tierhaltung mit Fliegen und Mist, Weidegrünland und für Schwalben geeignete Stallungen.
Die Hofnachfolgerin, Christine Heins, berichtete ihren interessiert zuhörenden Gästen über die jahrhundertealte Geschichte des Hofes und die Herausforderungen für die Landwirte und Landwirtinnen, die der Strukturwandel der Branche mit sich bringt. Ihr sei es wichtig, dabei soweit wie möglich auch Naturschutz¬überlegungen mit einzubeziehen. In dem Zusammenhang sei der Hof beteiligt an einem Erprobungsprojekt zur Förderung der Insektenvielfalt im Ackerbau. Und sie möchten auch trotz der notwendigen Gebäudeumnutzungen den Schwalben weiterhin ein Überleben auf dem Hof ermöglichen. Darauf waren die Kinder vorbereitet: Sie hatten acht bereits im November selbstgebastelte Schwalbenwinkel dabei und nun wurde gemeinsam überlegt, wo diese sinnvoll angebracht werden können. Gesagt, getan: Ruckzuck waren die Nisthilfen von den Kindern selbst in den Nebengebäuden angeschraubt.
Doch damit nicht genug: Danach zogen die Kinder los, um eine Lehmpfütze anzulegen, die den Schwalben den eigenständigen Nestbau ermöglicht. Kerstin Heins hatte angeboten, diese Lehm-Tankstelle im Garten in Sichtweite der Schwalbenwinkel in der Brutzeit stets feucht zu halten. „Das kommt auch Wildbienen zugute“, wusste Oskar von einer früheren Insektenhotel-Bauaktion. Das neue NAJU-Programm für das erste Halbjahr 2022 ist unter www.nabu-wedemark.de zu finden. Kontakt können interessierte Kinder und Jugendliche über jugendarbeit@nabu-wedemark.de aufnehmen. Axel Neuenschwander
Fotos: Beate Butsch