Predigt up Platt Gottesdienst und Schmiedetag unter den Eichen

Landtagsabgeordneter Hans-Heinrich Ehlen (rechts) erhält als Dank für seine Plattdeutsche Predigt von Kirchenvorstandsmitglied Hermann Drösemeyer-Hasselbring sowie Pastorin Annedore Wendebourg einen Präsentkorb. Foto: B. Stache
 
Landtagsabgeordneter Hans-Heinrich Ehlen, Pastorin Annedore Wendebourg und Ortsbürgermeister Werner Rump freuen sich auf den Gottesdienst up Platt unter den Eichen. Foto: B. Stache
Heimat- und Museumsverein Helstorf. Helstorf (st). Für Heinz-Georg Runge aus Brelingen war der Besuch des plattdeutschen Gottesdienstes am Sonntagmorgen unter den Eichen an der alten Frehrkingschen Schmiede mit vielen Kindheitserinnerungen verbunden. „Mein Großvater Wilhelm Frehrking war der letzte Schmied der Helstorfer Schmiede“, erinnert sich der im Oktober 1943 im Haus neben der Schmiede geborene Brelinger: „Ich komme immer wieder gerne hierher.“ Mit vielen anderen Besuchern hatte Runge an dem besonderen Gottesdienst zu Beginn des Helstorfer Schmiedetages beim Heimat- und Museumsverein teilgenommen. Ortsbürgermeister Werner Rump brach in seiner Begrüßung – natürlich auf Platt – eine Lanze für die plattdeutsche Sprache: „Wenn der Ortsbürgermeister und die Pastorin auf Platt sprechen, werden hoffentlich viele dem Beispiel folgen, damit in Helstorf zukünftig mehr Plattdeutsch gesprochen wird.“ Anschließend sang die Gemeinde das Lied „Na düster Nacht geiht wedder de Sünn up“. Als Prediger für den „Gottesdienst up Platt“ hatte Pastorin Annedore Wendebourg den früheren niedersächsischen Landwirtschaftsminister und jetzigen Landtagsabgeordneten Hans-Heinrich Ehlen eingeladen. Passend zum Thema der diesjährigen Sommerkirche, Liebesgeschichten der Bibel, hatte sich Ehlen für Adam und Eva entschieden. In seiner überaus lebhaften, humorvollen und vor allem sehr persönlichen Predigt sprach der Abgeordnete „als praktisch veranlagter Mensch“, wie er sich selbst bezeichnete, gekonnt auf Plattdeutsch über die Ehe. Ehlen hielt auch ein Plädoyer für den christlichen Glauben, der ihm selbst in schweren Stunden eigener Krankheit Halt, Hoffnung und Heilung gegeben habe. Der Helstorfer Posaunenchor unter Leitung von Fritz Meyer hatte den Gottesdienst unter den Eichen musikalisch begleitet. Jan-Michael Ehrhard sang mit dem Kirchenchor Niedernstöcken alle Lieder auf Plattdeutsch, unterstützt von Helstorfer Sängerinnen und Sängern. Pastorin Wendebourg beendete die besondere „Kerken up Platt“: „Gott sienen Segen nähmt wi mit in den Dag“. Beim anschließenden Schmiedetag zeigte der Heimat- und Museumsverein in seinen Ausstellungsräumen Handwerk von einst. In der Frehrkingschen Schmiede sorgten die Schmiede Claus Duncker, Werner Kamann und Manfred Krause für Glut in der Esse. Sie brachten so manches Metall fachgerecht in Form. Gerhard Becker, Schuhmachermeister aus Brelingen, demonstrierte den Besuchern eindrucksvoll, wie früher Schuhe von Hand gefertigt wurden. In der großen Museumsscheune zeigten unterdessen Annegret Büker, Elvira Rueben, Anneliese Stünckel und Beate Weigandt wie einst gesponnen, gewebt und genäht wurde. Dass an den Helstorfer Schmiedetagen auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt, dafür sorgten die vielen fleißigen Helferinnen und Helfer des Heimat- und Museumsvereins mit dessen Vorsitzenden Diethardt Hensel. Als Besonderheit gab es Flammkuchen, eigenhändig von Familie Büker hergestellt und von Manfred Krause im alten Holzofen gebacken. Am Sonntag, 21. August, heißt es ab 10 Uhr in Helstorf wieder: Heute ist Schmiedetag.